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Uro-News

, Volume 23, Issue 2, pp 49–49 | Cite as

Prostatektomie: Biomembran als Nervenschutz

  • Elke Oberhofer
Literatur kompakt
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Kann man durch Einlage einer schützenden Biopolymermembran während einer radikalen Prostatektomie Schäden am Gefäß-Nerven-Bündel minimieren? Die Ergebnisse einer italienischen Studie sprechen dafür.

Italienische Mediziner haben eine Methode entwickelt, mit der das bei einer roboterassistierten radikalen Prostatektomie (RARP) oft geschädigte neurovaskuläre Bündel (NVB) nicht nur intraoperativ geschont, sondern möglicherweise auch postoperativ vor Entzündung geschützt werden kann. Dafür werden zwei rechteckige Membranen aus Chitosan über einen Port in der Bauchhöhle über dem rechten oder linken NVB platziert. Das Material ist den Ärzten zufolge nicht nur neuroprotektiv, sondern fördert angeblich auch die Regeneration der Nerven.

Den Schutzeffekt der Chitosanmembran testeten die Forscher an 136 Krebspatienten, die sich einer RARP unterzogen. Diese wurden mit 334 Patienten verglichen, die die RARP ohne Membran erhielten. Als primärer Endpunkt galt eine wiedererlangte zufriedenstellende Potenz im Verlauf eines Jahres.

Ein klarer Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe fand sich nach einem und zwei Monaten; danach war der Unterschied nicht mehr signifikant. Zum ersten Zeitpunkt erreichten in der Membrangruppe knapp 37 % der Teilnehmer den primären Endpunkt (vs. 26 %), zum zweiten Zeitpunkt 52 % (vs. 40 %). Das Wiedererlangen der Potenz war den Autoren zufolge nicht nur von der Membraneinlage abhängig, sondern auch vom Ausmaß der intraoperativen Nervenschonung. Patienten, bei denen dies besser gelang, profitierten insgesamt deutlicher als Patienten mit unvollständiger Nervenschonung; das galt insbesondere für die Membrangruppe. Wie die Forscher berichten, waren die Kontinenzraten in den beiden Gruppen zu allen Zeitpunkten gleich. Auch beim onkologischen Ergebnis (biochemische Rezidive) zeigte sich kein Unterschied.

Fazit: Das Einlegen einer speziellen Membran aus Chitosan während der radikalen Prostatektomie wirkt offenbar als Nervenschutz. In der vorliegenden Studie erlangten mehr nach dieser Methode behandelte Patienten innerhalb der ersten zwei Monate nach dem Eingriff ihre Potenz wieder zurück als in der Kontrollgruppe. Der Effekt relativierte sich allerdings bald: Später war der Unterschied nicht mehr signifikant.

Literatur

  1. Porpiglia F et al. Use of chitosan membranes after nerve-sparing radical prostatectomy improves early recovery of sexual potency: results of a comparative study. BJU Int. 2018;  https://doi.org/10.1111/bju.14583

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

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