Kein Fahrstuhl, enge Gänge — Patienten mit Behinderung oder gar Rollstuhl können solche Arztpraxen nicht aufsuchen. Mit Blick schon in die nahe Zukunft sollten Praxisinhaber handeln.
In Deutschland leben 13 % der Bundesbürger mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Das hat das Statistische Bundesamt vor einiger Zeit gemeldet. Die Tendenz ist — nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels — steigend. Für Arztpraxen, die für alle Patienten gut erreichbar sein wollen, wird es damit immer wichtiger, darauf zu achten, die Praxis barrierefrei zu gestalten. Eine Initiative „Barrierefreie Praxis“ existiert seit dem Jahr 2009, gefördert unter anderem von der Bundesregierung.
Maßnahmen, die Barrierefreiheit fördern, sind zum Beispiel Behindertenparkplätze, ein stufenloser Eingang, beidseitig breite Handläufe, aber auch kontrastreiche Flächen mit gut lesbaren Beschriftungen und markierte Kanten zum Beispiel an Treppenstufen, die es sehbehinderten Menschen erleichtern, sich zu orientieren.
Auf Barrierefreiheit können Ärzte auch bei ihrer Website achten, damit sie für sehbehinderte Menschen zugänglich ist.
Mit dem Rollstuhl zum Arzt, das geht nur, wenn dieser eine barrierefreie Praxis hat.
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Für Neubauten gelten in der Regel bereits Vorgaben für die barrierefreie Errichtung. Aber auch bei baulichen Veränderungen bestehender Gebäude kann beim zuständigen Bauamt erfragt werden, ob und welche Vorgaben der Barrierefreiheit zu beachten sind. Bei Investitionen in neue und auch in bestehende Gebäude ist die Barrierefreiheit damit immer ein Thema.
Mit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes (GKV-VSG) hat dieses Thema für Arztpraxen noch zusätzlich an Bedeutung gewonnen. „Barrierefreiheit kann jetzt auch mit Blick auf die Nachbesetzung einer Praxis von Vorteil sein“, erläuterte Jessica Hanneken, Referentin für Gesundheitspolitik bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), auf Anfrage. „Der Gesetzgeber verweist darauf, dass es bei der Besetzung eines Arztsitzes ein Auswahlkriterium sein kann, ob der Nachfolger bereit ist, Maßnahmen zum Abbau von Barrieren zu ergreifen.“
Investitionen in die Barrierefreiheit einer Praxis können auch unterstützend für das Marketing sein, denn Arztsuchdienste im Internet haben diese als Kriterium aufgenommen, nach dem gesucht werden kann, zum Beispiel das weithin genutzte Portal www.arzt-auskunft.de.
