Uro-News

, Volume 16, Issue 9, pp 60–60 | Cite as

Stressinkontinenz: präoperative Urodynamik unnötig

  • Dagmar Kraus
Literatur kompakt
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Patientinnen, deren Stressinkontinenz operativ behandelt wird, werden vor dem Eingriff urodynamisch untersucht. US-amerikanische Wissenschaftler stellen diese Praxis nun infrage, denn die Befunde haben ihrer Studie zufolge keinen Einfluss auf den Operationserfolg.

Bereits in der Vergangenheit hatten eine Cochrane-Analyse und das britische National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) den Nutzen der Urodynamik für den Operationserfolg angezweifelt, da sich die Indikation zur Operation vor allem am Leidensdruck der Inkontinenzpatientinnen orientiert. Nun liegen die Ergebnisse einer kontrollierten Studie vor.

An der Value of Urodynamic Evaluation (VALUE)-Studie beteiligten sich elf Zentren mit insgesamt 630 Patientinnen. Die Frauen litten seit mindestens drei Monaten an einer unkomplizierten Stressinkontinenz und hatten eingewilligt, sich einer Operation zu unterziehen. Waren diese Voraussetzungen erfüllt, wurden sie randomisiert entweder vor der Operation urodynamisch untersucht oder nicht. Als primären Endpunkt definierten die Autoren den Operationserfolg nach zwölf Monaten. Als erfolgreich galt eine Operation, wenn die Punktzahl im Urogenital Distress Inventory, ein Fragebogen zum Ausmaß der Beschwerden, um mindestens 70 % gesunken war, und wenn die Patienten die Symptomatik auf der Clinical Global Impression Improvement Skala (CGI-I) als „sehr viel besser“ oder „viel besser“ bewerteten.

Die beiden Gruppen unterschieden sich in diesem Punkt nicht. Bei 76,9 % der Frauen mit urodynamischer Diagnostik und bei 77,2 % der Patientinnen ohne eine solche Funktionsanalyse war der Eingriff erfolgreich. Der Unterschied von 0,3 % war statistisch nicht signifikant. Auch in den sekundären Endpunkten, wie Inkontinenzgrad, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit, Anteil der positiven Provokationsstresstests, Blasenentleerungsstörungen und Operationskomplikationen schnitten die beiden Gruppen ähnlich ab.

Zwar wurde bei Frauen mit urodynamischer Diagnostik seltener eine überaktive Blase und häufiger eine Blasenentleerungsstörung diagnostiziert als bei Frauen ohne weiterführende Diagnostik, doch das beeinflusste nicht die Wahl der Operationsmethode. Fast 93 % der Frauen beider Studiengruppen wurden mit einer spannungsfreien Urethraschlinge versorgt.

Fazit: Der Operationserfolg unterscheidet sich bei Patientinnen mit Stressinkontinenz nicht – unabhängig davon, ob sie präoperativ urodynamisch untersucht werden oder nicht. Die Studienautoren sehen somit keinen Sinn in der routinemäßigen präoperativen Urodynamik.

Literatur

  1. Nager CW et al. A Randomized Trial of Urodynamic Testing before Stress-Incontinence Surgery. NEJM 2012; 366: 1987–97PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • Dagmar Kraus

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