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Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal

Needlestick injuries of healthcare workers

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Zusammenfassung

Verletzungen des medizinischen Personals mit scharfen und spitzen Instrumenten zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen im Krankenhaus. Oftmals sind die verletzenden Instrumente mit Patientenblut kontaminiert und bergen somit das Risiko einer Infektion mit blutübertragbaren Erregern. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die häufigsten Ursachen von Nadelstichverletzungen (NSV), stellt die notwendigen Maßnahmen, einschließlich der Nachsorgeuntersuchungen, nach NSV vor und vermittelt Kenntnisse zu den möglichen Präventionsmaßnahmen.

Abstract

Injuries of healthcare workers with sharp instruments are considered among the most frequent occupational accidents in hospitals. In at least half of the cases, the instruments are contaminated with blood and therefore bear an infection risk with bloodborne pathogens, such as hepatitis B, hepatitis C and human immunodeficiency virus (HIV). Needlestick injuries require besides immediate medical intervention, such as rinsing and disinfection of the wound or skin contamination, a prompt clarification of the immune status and if necessary a postexposure prophylaxis. Furthermore, follow-up examinations are required for up to 6 months after the accident. Information about the infectious state of the index person considerably facilitates the procedure. All healthcare workers should know the management of needlestick injuries. Preventive measures refer to the reduction of the number of needlestick injuries by improving work organization and usage of needle devices with safety features as well as to the reduction of infection risk by hepatitis B vaccination and wearing safety gloves.

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Abb. 1
Abb. 2

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Correspondence to Dr. U. Ochmann.

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Interessenkonflikt

Gemäß den Richtlinien des Springer Medizin Verlags werden Autoren und Wissenschaftliche Leitung im Rahmen der Manuskripterstellung und Manuskriptfreigabe aufgefordert, eine vollständige Erklärung zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Interessen abzugeben.

Autoren

U. Ochmann: Finanzielle Interessen: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) (Referentenhonorar, Reisekosten) | Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), RG Gesellschaft für Information und Organisation mbH (Referentenhonorar, Reisekosten) | wikonect GmbH (Referentenhonorar, Reisekosten) | Bayerische Akademie für Arbeits‑, Sozial- und Umweltmedizin (Referentenhonorar, Reisekosten) | Sozial- und Arbeitsmedizinische Akademie Baden-Württemberg e. V. (Referentenhonorar, Reisekosten) | Arbeitsgemeinschaft Exogen Allergische Alveolitis (Referentenhonorar, Reisekosten) | Otorhinolaryngologischer Verein Salzburg (Referentenhonorar, Reisekosten) | Boehringer Ingelheim (Referentenhonorar, Reisekosten) | VdBW Landesverband Bayern Süd (Reisekosten) | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV Oberallgäu (Reisekosten) | Institut für Lehrergesundheit am Institut für Arbeits‑, Sozial- und Umweltmedizin Mainz (Reisekosten) | Beyen Consult GmbH (Reisekosten) | ALK-Abello Arzneimittel GmbH (Übernachtungskosten) | BMFSFJ, Ausschuss Mutterschutz (Reisekosten) | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Ausschuss für Arbeitsmedizin, (Reisekosten) | | – Zeitraum 01.07.2017 bis 31.12.2018: betriebsärztliche Beratung für die Fa. Roche Penzberg auf Stundenbasis. Nichtfinanzielle Interessen: Mitglied Fachgesellschaft DGAUM | Vorsitzende Ausschuss Mutterschutz BMFSFJ. S. Wicker: Finanzielle Interessen: Referentenhonorare und Reisekosten für Vorträge zu Impfstoffen oder Mitteln der spezifischen Prophylaxe auf Veranstaltungen Dritter (z. B. Ärztekammern, Fachgesellschaften). Nichtfinanzielle Interessen: Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes, Universitätsklinikum Frankfurt, Betriebsärztlicher Dienst, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt | Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Wissenschaftliche Leitung

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Der Verlag

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Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

Additional information

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Zeitschrift Der Anaesthesist (2019) 68:569–580, https://doi.org/10.1007/s00101-019-0603-1. Die Teilnahme an der zertifizierten Fortbildung ist nur einmal möglich.

Wissenschaftliche Leitung

U. Janssens, Eschweiler

M. Joannidis, Innsbruck

K. Mayer, Karlsruhe

G. Michels, Eschweiler

CME-Fragebogen

CME-Fragebogen

Ein Chirurg erleidet bei einer Thorakotomie eine Schnittverletzung mit einem Skalpell nach Inzision bei einem bekannt „Human-immunodeficiency-virus“(HIV)-positiven Patienten mit nachweisbarer Viruslast. Welche der folgenden Maßnahmen ist am wenigsten dringlich?

Sofortiger Beginn einer „Human-immunodeficiency-virus“-Postexpositionsprophylaxe (HIV-PEP)

Ausgiebige Desinfektion der Schnittwunde des Chirurgen

Bestimmung der Anti-Hepatitis-C-Virus(HCV)-Serologie beim Chirurgen

Klärung, ob der Antikörpertiter gegen das HBs-Antigen beim Chirurgen über 100 IU/l beträgt

Absenden des Durchgangsarzt-Berichts an die Unfallversicherung

Eine Reinigungskraft hat sich eine Nadelstichverletzung (NSV) an einer unsachgemäß entsorgten Subkutankanüle zugezogen; die Indexperson ist nicht bekannt. Die Sofortversorgung durch den Durchgangsarzt ist vorschriftsmäßig erfolgt. Welches Vorgehen hinsichtlich Nachsorge der NSV in diesem Fall entspricht nicht den offiziellen Empfehlungen?

Bei unbekannter Indexperson sollte nach 3 Wochen die Hepatitis-C-RNA bestimmt werden.

Nachsorgetermine sollen nach 6 Wochen, 12 Wochen und 6 Monaten erfolgen.

Wenn keine „Human-immunodeficiency-virus“-Postexpositionsprophylaxe (HIV-PEP) durchgeführt wurde, sollten nach 6 Wochen Antikörper gegen das „Human-immunodeficiency-virus“ (Anti-HIV) bestimmt werden.

Die zuständige Unfallversicherung sollte über einen Durchgangsarzt-Bericht informiert werden.

Die Nachsorgetermine kann der Betriebsarzt des Unternehmens durchführen.

Ein Kollege erzählt Ihnen, dass er trotz vollständiger Hepatitis-B-Grundimmunisierung einen Antikörpertiter gegen das HBs-Antigen (Anti-HBs) unter 10 IU/l hat und dass das Anti-HBs auch zu früheren Zeitpunkten nie wesentlich höher war. Was sollte im Fall einer Nadelstichverletzung (NSV) bei Ihrem Kollegen durchgeführt werden?

Erneute Durchführung einer Grundimmunisierung mit 3 Hepatitis-B-Impfungen

Alleinige Gabe von Hepatitis-B-Immunglobulin; eine aktive Impfung ist kontraindiziert

Durchführung einer Hepatitis-B-Booster-Impfung, keine Gabe von Immunglobulin erforderlich

Kombinierte Gabe von Hepatitis-B-Impfstoff und Hepatitis-B-Immunglobulin

Kontrolle des Antikörpertiters gegen das HBs-Antigen nach 10 Wochen, dann ggf. Hepatitis-B-Immunglobin

Sie haben sich beim Blutabnehmen mit einer kontaminierten Hohlraumkanüle gestochen. Da die Wunde nicht blutete, haben Sie nur kurz desinfiziert und nichts weiter unternommen. Eine Nachsorgeuntersuchung erfolgt erst 6 Monate später; zu diesem Zeitpunkt wird eine Hepatitis C mit einer Viruskonzentration von 105 Genomäquivalenten pro Milliliter (Gäq/ml) diagnostiziert. Was ist in diesem Fall zu beachten?

Ein Kausalzusammenhang zwischen Hepatitis C und Nadelstichverletzung (NSV) kann nach 6 Monaten nicht mehr hergestellt werden.

Da die Nadelstichverletzung (NSV) nicht sofort als Arbeitsunfall gemeldet wurde, müssen Sie selbst für den Schaden haften.

Da Sie die Indexperson nicht benennen können, kann die Hepatitis C grundsätzlich nicht als Berufskrankheit anerkannt werden.

Mit einer Viruslast von 105 Genomäquivalenten pro Milliliter (Gäq/ml) können Sie bei umfangreichen chirurgischen Eingriffen Patienten gefährden.

Wenn Sie als Chirurg angestellt sind, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie ein Berufsverbot erteilt bekommen.

Sie haben eine Studentin der Humanmedizin als Famulantin auf der Station. Sie merken, dass sie der Hepatitis-B-Impfung sehr ablehnend gegenübersteht. Sie versuchen, Sie mit verschiedenen Argumenten von der Impfung zu überzeugen. Welches der folgenden Argumente für eine Hepatitis-B-Impfung ist falsch?

Das Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion ist für Mitarbeiter im Gesundheitswesen höher als für die Allgemeinbevölkerung, sodass die Impfung offiziell als berufliche Impfung empfohlen wird.

Eine erfolgreiche Hepatitis-B-Grundimmunisierung mit Nachweis eines Antikörpertiters gegen das HBs-Antigen (Anti-HBs) im Serum über 100 IU/l verhindert eine klinisch relevante Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus.

Die Grundimmunisierung gegen Hepatitis B erfolgt typischerweise mittels einmaliger Impfung mit entsprechendem Hepatitis-B-Impfstoff, weitere Impfungen sind in der Regel nicht erforderlich.

Ohne Immunität kann das Infektionsrisiko für Hepatitis B durch Nadelstichverletzung (NSV) an einer Hohlkanüle, die mit dem Blut eines Hepatitis-B-positiven Patienten kontaminiert ist, ca. 30 % betragen.

Es ist auch der Schutz von Patienten zu bedenken, da es bei Hepatitis-B-Infektion eines Mitarbeiters z. B. während invasiver Tätigkeiten zu nosokomialen Infektionen kommen kann.

Sie kennen verschiedene Schutzmaßnahmen, um Nadelstichverletzung (NSV) zu verhindern oder deren Infektionsrisiko zu reduzieren. Welche der folgenden Maßnahmen ist am wenigsten sinnvoll?

Konsequentes Tragen von Schutzhandschuhen bei verletzungsträchtigen Tätigkeiten

Regelmäßige Schulungen im Umgang mit stechenden und schneidenden Instrumenten

Verwendung von Schutzbrillen bei Operationen mit Gefahr des Blutspritzens

Anschaffung von stichsicheren Handschuhen für das Reinigungspersonal

Vermeidung von Zeitdruck und anderen psychischen Belastungen

Die Grundimmunisierung gegen Hepatitis B kann als Präventionsmaßnahme zur Verringerung des Infektionsrisikos angesehen werden. Welches Vorgehen ist hierzu korrekt?

Zum Erhalt des Impfschutzes muss alle 10 Jahre eine erneute Auffrischung (Booster-Impfung) erfolgen.

Der Nachweis eines Antikörpertiters gegen das HBs-Antigen von mindestens 10 IU/l 4 bis 8 Wochen nach der 3. Impfstoffdosis gegen Hepatitis B gilt in Deutschland als lebenslanger Schutz.

Nach einer erfolgreichen Grundimmunisierung gegen Hepatitis B werden regelmäßige Bestimmungen des Antikörpertiters gegen das HBs-Antigen alle 10 Jahre empfohlen.

Bei vollständiger Grundimmunisierung ist unabhängig vom Antikörpertiter gegen das HBs-Antigen von einem ausreichenden Immunschutz auszugehen.

Impfungen zur Grundimmunisierung sollten zu den Zeitpunkten 0, nach einem Monat und nach 6 Monaten erfolgen.

Wie hoch ist die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit nach einer Nadelstichverletzung (NSV) bei einem „Human-immunodeficiency-virus“(HIV)-positiven Indexpatienten?

Circa 0,1–0,3 %

Circa 5 %

Circa 10–15 %

Circa 30 %

Circa 50 %

Wie hoch ist die Hepatitis-B-Übertragungswahrscheinlichkeit bei einem Ungeimpften nach einer Nadelstichverletzung (NSV) bei einem Indexpatienten mit positivem Nachweise des HBs-Antigens?

Circa 0,1–0,3 %

Circa 5 %

Circa 10–15 %

Circa 30 %

Circa 50 %

Wie hoch ist die Hepatitis-C-Übertragungswahrscheinlichkeit nach einer Nadelstichverletzung (NSV) bei einem Hepatitis-C-infektiösen Indexpatienten?

Circa 5 %

<1 %

Circa 10–15 %

Circa 30 %

>50 %

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Ochmann, U., Wicker, S. Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal. Med Klin Intensivmed Notfmed (2020) doi:10.1007/s00063-019-00651-5

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Schlüsselwörter

  • Arbeitsunfälle
  • Blutübertragbare Erreger
  • Impfung
  • Postexpositionsprophylaxe
  • Nachsorge

Keywords

  • Accidents, occupational
  • Bloodborne pathogens
  • Vaccination
  • Post exposure prophylaxis
  • Aftercare