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Der chronisch kritisch kranke Patient

  • S. RosseauEmail author
  • N. SuttorpEmail author
Einführung zum Thema
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The chronic critically ill patient

Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Der chronisch kritisch kranke Patient – unter diesem Leitthema findet die diesjährige gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und der Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin (ÖGIAIN) in Berlin statt.

Vor 30 oder 40 Jahren kamen Patienten auf eine Intensivstation, wenn eine akute, schwerwiegende Erkrankung oder Komplikation aufgetreten war. Grundlegende Lebensfunktionen wurden vorübergehend ersetzt, und Zeit zur Heilung wurde ermöglicht. Der Patient überlebte die akute bedrohliche Situation oder nicht. Die Ergebnisse dieser Intensivmedizin waren eindrucksvoll.

Die Intensivmedizin hat sich vor allem − aber nicht nur − technologisch rasant entwickelt und die Prognose kritisch Kranker verbessert. Auch sehr alte oder multimorbide, schwer kranke Patienten können dank dieser Fortschritte eine akute kritische Situation überleben, sodass für diese Patienten heute eine intensivmedizinische Behandlung selbstverständlich geworden ist [1].

Zu entwickeln sind Strategien zur Minimierung der Abhängigkeit von Technologien

Aufgrund der beschriebenen schwierigen Ausgangslage müssen diese Patienten unter Umständen wochen- oder monatelang auf der Intensivstation behandelt werden. Diese chronisch kritisch Kranken bleiben mit zunehmender Tendenz auch nach der akuten Phase von implantierten Systemen oder Systemen mit permanenter Verbindung in den Körper abhängig. Wir müssen mit dem Wissen des gesamten interdisziplinären Intensivteams Strategien entwickeln, das Risiko der Langzeitabhängigkeit von lebenserhaltender Technologie zu minimieren und, wenn das nicht geht, Konzepte entwickeln, die eine frühzeitige Rehabilitationstherapie, „palliative care“ und nachhaltige Nachsorgekonzepte beinhalten.

Kritisch chronisch kranke Patienten müssen auch außerhalb der Intensivstation eine individuelle, am einzelnen Patienten orientierte Therapie erfahren, und die Vernetzung der Intensivstation mit nachsorgenden stationären und ambulanten Einrichtungen ist eine wichtige Aufgabe.

Wichtig ist die Vernetzung von Intensivstation und nachsorgenden Einrichtungen

Schwierig ist aus Sicht der chronisch kritisch Kranken der Umgang mit den erhöhten Risiken, die von den technischen Geräten selbst, von der Schnittstelle Mensch-Maschine und aus der Interaktion mit eventuellen Grundkrankheiten (z. B. Beatmung bei vorbestehender Lungenkrankheit) ausgehen. Der Patient braucht Hilfe bei der Abwägung der Risiken im Spannungsfeld zwischen hoher Kontrolldichte einerseits und dem Ausmaß noch möglicher Privatsphäre andererseits.

Chronisch kritisch kranke Patienten sind in einem fragilen Zustand und sie müssen zunehmend häufig im Verlauf auf die Notaufnahmestation eingewiesen werden. Patienten mit Langzeitorganersatzverfahren, wie Dialyse, außerklinischer Beatmung und/oder kardialen Assistsystemem, sind eine inhaltliche und organisatorische Herausforderung für die Notaufnahmestation sowie für die gesamte Klinik.

Die genannten Entwicklungen werden in diesem Themenheft aus Sicht des Kardiologen, des Pneumologen, des Gastroenterologen, des Nephrologen sowie des Hämatologen/Onkologen spezifiziert. Ein sehr herzlicher Dank geht an die Autoren für ihre ausgezeichneten Beiträge!

Viel Spass beim Lesen!

Dr. Simone Rosseau

Prof. Dr. Norbert Suttorp

Literatur

  1. 1.
    Oehmichen F, Manzeschke A (2011) Chronisch kritisch-krank. Dtsch Arztebl 108:A1730−1732Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Klinik m.S. Infektiologie und PneumologieCharitè-Universitätsmedizin BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Medizinische Klinik m.S. Infektiologie und PneumologieCharité-Universitätsmedizin BerlinBerlinDeutschland

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