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Medizinische Klinik

, Volume 99, Issue 3, pp 137–147 | Cite as

Welche Arzneimittelinteraktionen sollte der praktisch tätige Arzt kennen?

  • Steffen Haffner
  • Petra A. Thürmann
Praxis Fortbildung Innere Medizin

Kasuistik.

Eine 79-jährige Patientin mit essentieller Hypertonie erhält seit mehreren Jahren täglich Lisinopril 5 mg, Metoprolol 95 mg (ZOK-Galenik), Hydrochlorothiazid 25 mg. Aufgrund einer chronischen Osteoarthritis an beiden Kniegelenken wurde 1 Woche zuvor Diclofenac angesetzt, 2 × 75 mg täglich. Bei zunehmender Ermüdbarkeit, Unwohlsein und sommerlichen Temperaturen von 38 °C im Schatten wurde die Patientin vom Hausarzt in die Klinik eingewiesen. Dort wurden ein Serumkreatinin von 492 µmol/l (= ca. 5,6 mg/dl; Kreatininclearance von 22 ml/min), ein Serumkalium von 3,8 mmol/l und ein Restharnstoff von 60 mmol/l (= ca. 360 mg/dl) festgestellt, anamnestisch war bei der Patientin keine Nierenerkrankung bekannt. Außer Anzeichen einer hypertensiven Herzerkrankung (beginnende Linksherzinsuffizienz bei mäßiger linksventrikulärer Hypertrophie) waren bei der körperlichen Untersuchung und laborchemisch keine weiteren pathologischen Befunde zu erheben.

Neben der sommerlichen Hitze hat die neu angesetzte Medikation mit einem nichtsteroidalen Antirheumatikum zur Verschlechterung der Nierenfunktion beigetragen. Der zugrunde liegende Mechanismus beruht auf der Abhängigkeit der Nierendurchblutung von vasodilatatorisch wirksamen Prostaglandinen besonders bei gleichzeitiger ACE-Hemmer-bedingter Reduktion der postglomerulären Vasokonstriktion (dadurch Abnahme der glomerulären Filtration) sowie Hypovolämie. Durch die Gabe von Diclofenac wurde die erforderliche Prostaglandinbiosynthese in der Niere inhibiert.

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Copyright information

© Urban & Vogel München 2004

Authors and Affiliations

  1. 1.Philipp Klee-Institut für Klinische PharmakologieHELIOS Klinikum Wuppertal, Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/HerdeckeWuppertal
  2. 2.Philipp Klee-Institut für Klinische PharmakologieHELIOS Klinikum Wuppertal, Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/HerdeckeWuppertal

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