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HNO Nachrichten

, Volume 49, Issue 2, pp 21–21 | Cite as

Nur mit Chemo gegen HNO-Karzinome?

  • Robert Bublak
Literatur kompakt
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Lassen sich N0M0-Plattenepithelkarzinome des Pharynx und Larynx allein mit Chemotherapie behandeln? Französische Mediziner haben es ausprobiert, mit Ergebnissen, die nachdenklich machen.

Die Idee, Patienten mit Plattenepithelkarzinomen des Kehlkopfs und des Pharynx in den Stadien T1—4N0M0 ausschließlich mit Chemotherapie zu behandeln, kam der Ärztegruppe um den HNO-Spezialisten Ollivier Laccourreye von der Pariser Sorbonne nach Beobachtungen an zwei Patienten. Beide hatten ein Plattenepithelkarzinom der Glottis gehabt, nach einer platinbasierten Chemotherapie eine klinische Komplettremission erreicht und eine Strahlentherapie verweigert. Aus Furcht vor lokalen Rezidiven bekamen sie mehr Chemotherapie. Das Vorgehen hatte Erfolg.

Retrospektiv haben Laccourreye und Mitarbeiter die Krankheitsverläufe von 191 Patienten im Alter zwischen 36 und 85 Jahren (Mittel: 59), deren gut bis mäßig differenzierte Plattenepithelkarzinome des Rachens und des Larynx exklusiv chemotherapeutisch behandelt worden waren, nach drei, fünf und zehn Jahren ausgewertet. Bei ihnen war nach der initialen Chemotherapie mit Platin und 5-Fluorouracil eine klinische Komplettremission eingetreten: Es waren keine klinischen oder radiografischen Hinweise (im MRT und/oder CT) auf Krebs mehr zu finden.

Weder die Zyklenzahl noch die zusätzlich eingesetzten Substanzen waren standardisiert. Das Regime hing von drei Faktoren ab: Toxizität, Verweigerung weiterer Chemo seitens der Patienten und Furcht der Behandler vor Therapieversagen. Letztere führte dazu, dass Patienten ohne toxische Nebenwirkungen bis zu 16 Behandlungszyklen verabreicht bekamen. Mit zunehmender Erfahrung wurde die Zahl der Zyklen reduziert.

Das Gesamtüberleben betrug nach drei, fünf und zehn Jahren gerundet 83 %, 74 % und 55 %. Lokale Tumorkontrolle wurde bei 62 %, 62 % und 55 % erreicht. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Stadien I–II und III–IV. Blieben lokale Rezidive aus, hatten auch nach zehn Jahren noch 97 % der Patienten freie Lymphknoten. Traten Rezidive auf, waren die Lymphknoten nach zehn Jahren bei 19 % der Patienten befallen. Insgesamt verstarben 98 Patienten im Nachbeobachtungszeitraum, 39 davon an einem zweiten Primärkrebs und 28 an einer anderen unabhängigen Erkrankung. Lokalrezidive verursachten 14, Fernmetastasen fünf Todesfälle. Bei zwölf Patienten blieb die Todesursache unbekannt.

76 Patienten benötigten eine Salvage-Therapie. In 65 Fällen genügten dafür eher konservative Maßnahmen wie eine partielle Resektion, transorale Chirurgie oder Radiatio. Elf Patienten bedurften radikaler Maßnahmen wie einer Unterkieferresektion oder einer totalen Laryngektomie. Durch die Salvage-Maßnahmen erreichten die Ärzte in 95 % der Fälle eine endgültige lokale Kontrolle, ein Organerhalt war bei 88% möglich.

Fazit: Im Gesamturteil wurde die exklusive Chemotherapie für 62 % der Patienten als vorteilhaft und für 8 % als nachteilig eingestuft. „Die Daten zeigen, dass die platinbasierte ausschließliche Chemotherapie von T1—4N0M0-Plattenepithelkarzinomen des Larynx und Pharynx in einem von zwei Fällen kurativ wirken kann, sofern die Patienten nach einer platinbasierten Induktion eine klinische Komplettremission erreicht haben“, resümieren Laccourreye und Kollegen. Zwar könne man dafürhalten, dass die hohe Rate von Lokalrezidiven und deren negativer Einfluss auf den N-Status ein rein chemotherapeutisches Vorgehen in der ersten Linie nicht rechtfertigten. Andererseits habe sich die Salvage-Therapie als sehr wirksam erwiesen. Zudem gebe es inzwischen neuere Regime mit anderen Toxizitäten und vermutlich größerer Effektivität. „Deshalb kann man genauso gut argumentieren, dass dieser Ansatz es verdient, weiter untersucht zu werden“.

Literatur

  1. Laccourreye O et al. Ten-year outcome of curative „exclusive” chemotherapy in N0M0 squamous cell carcinoma of the larynx and pharynx with complete clinical response. Head Neck 2019;  https://doi.org/10.1002/hed.25674Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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