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HNO Nachrichten

, Volume 49, Issue 2, pp 20–20 | Cite as

Hornissengiftallergie jetzt ganz spezifisch behandeln

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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Hornissengiftallergiker wurden bisher meist mit einer Wespengift-Immuntherapie hyposensibilisiert. Mittlerweile steht aber auch ein spzifisches Hornissengiftextrakt zur Verfügung. Eine Beobachtungsstudie überprüfte Wirksamkeit und Sicherheit.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Deutsche Wespe, Gemeine Wespe und Hornisse gehören zur Unterfamilie der Echten Wespen (Vespinae) und zeigen auch in ihrem Insektengift-Allergenspektrum zahlreiche Übereinstimmungen und Kreuzreaktivitäten. Bei Patienten mit einer Giftallergie gegen Hornissen (Vespa crabro, VC) ist deshalb häufig eine spezifische Immuntherapie (SIT) mit dem Gift von Kurzkopfwespen wie Vespula vulgaris ausreichend — vor allem, wenn die Primärsensibilisierung aufgrund eines Wespenstichs erfolgte. Patienten mit einer reinen Hornissengiftallergie zeigen aber häufig Reaktionen auch gegen Antigen 5 (Ag-5) und hier wäre möglicherweise eine SIT mit Hornissengift besser. Wirksamkeit und Sicherheit eines solchen, in Italien erhältlichen standardisierten Hornissengiftextrakts wurden nun überprüft.

Vespa crabro, die größte in Mitteleuropa heimische Wespenart

© Antagain / Getty Images / iStock

Einbezogen in die multizentrische Beobachtungsstudie waren Patienten mit einer verifizierten Allergie gegen Hornissenstiche und Indikation für eine Insektengift-SIT. Über jeweils fünf Jahre erhielten 83 Patienten eine spezifische VC-Immuntherapie und 130 Patienten eine allgemeine Vespula-Immuntherapie.

43,8 % der Patienten der Gesamtkohorte wurden in der Folgezeit erneut von einer Hornisse gestochen. Bei 50 der 64 Patienten in der VC-Immuntherapiegruppe verliefen die Stiche ohne Reaktion, zwölf Patienten zeigten große Lokalreaktionen und vier systemische Reaktionen. Bei den 69 erneut gestochenen Patienten der Vespula-Immuntherapiegruppe verliefen 51 Stiche reaktionslos, zehn reagierten mit großen Lokalreaktionen und neun Patienten mit Systemreaktionen. Bei der Wirksamkeit schnitten beide Behandlungsoptionen mit 93,8 % versus 87,0 % insgesamt vergleichbar ab.

Bei der Aufschlüsselung der Systemreaktionen nach Schweregrad ergaben sich allerdings Unterschiede zugunsten der VC-Immuntherapie: Während alle VC-therapierten Patienten lediglich leichte Systemreaktionen zeigten (Grad I nach Müller), wurden bei den neun Systemreaktionen in der Vespula-therapierten Gruppe fünf vom Grad I, drei vom Grad III und eine vom Grad IV gemeldet.

Fazit: Patienten mit einer Hornissengiftallergie profitieren möglicherweise eher von einer spezifischen Immuntherapie mit Hornissengift als von der bisher gebräuchlichen Wespengift-Immuntherapie. Die Hornissengift-Immuntherapie ist in Italien mittlerweile kommerziell erhältlich und kann überall in Europa gegen Hornissengift sensibilisierten Patienten verordnet werden.

Literatur

  1. Macchia D et al. Vespa crabro immunotherapy versus Vespula-venom immunotherapy in Vespa crabro allergy: a comparison study in field re-stings. World Allergy Organ J 2018;11:3CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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