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HNO Nachrichten

, Volume 48, Issue 4, pp 54–54 | Cite as

Komplizierte Infektion

Therapie einer superinfizierten Radikalhöhle bei perforiertem Trommelfell

  • H. Luckhaupt
Medizin aktuell Consilium HNO

© style-photography.de / Fotolia.com

Frage: Wie kann ich eine superinfizierte Radikalhöhle (Bakterien und Pilze) mit Trommelfellperforation am besten behandeln?

Antwort: Ausgesprochen wichtig in der Behandlung infizierter Ohrradikalhöhlen ist die gründliche Reinigung des erkrankten Ohres unter ohrmikroskopischer Sicht mit anschließendem Austupfen der Radikalhöhle. Eine Abstrichentnahme ist sinnvoll, um eine gezielte antibakterielle und/oder antimykotische Therapie einzuleiten. Bei einer bakteriellen Infektion ist auch bei Patienten mit einer Trommelfellperforation eine lokale antibiotische Therapie mit Ciprofloxazin möglich. Gerade bei einer superinfizierten Ohrradikalhöhle ist häufig die lokale Behandlung einer systemischen antientzündlichen Behandlung vorzuziehen.

Liegen Granulationen in der Radikalhöhle vor, so können diese mit z. B. Argentum-nitricum-Lösung oder mit Policresulen touchiert werden.

Werden neben pathogenen Bakterien gleichzeitig Pilze in der infizierten Ohrradikalhöhle nachgewiesen, so ist die lokale Applikation eines Breitspektrum-antimykotikums wie beispielsweise Ciclopirox oder Bifonazol sinnvoll. Wegen des Risikos einer Ototoxizität im Falle einer Trommelfellperforation sollten die Antimykotika dem Patienten nicht als Lösung zur Selbstanwendung verordnet werden, sondern es empfiehlt sich eine lokale Anwendung dieser Antimykotika durch den behandelnden HNO-Arzt. Wenn beispielsweise die Ohrradikalhöhle mit einem Antimykotikum fachärztlich unter ohrmikroskopischer Sicht nach entsprechender Reinigung ausgekleidet wird, so besteht in dieser Situation keine wesentliche Gefahr einer ototoxischen Reaktion. Grundsätzlich ist selbstverständlich auch eine lokale Farbstoffbehandlung (z. B. Auskleidung der Radikalhöhle mit Fuchsin-Lösung durch den HNO-Arzt unter ohrmikroskopischer Sicht) möglich.

Das Eindringen von Wasser kann die Infektion einer Radikalhöhle begünstigen.

© nyul/fotolia.com (Symbolbild mit Fotomodell)

Bei stark entzündlicher Reaktion und Überwiegen einer Ohrmykose kann auch einmal die lokale Anwendung eines Kombinationspräparates aus Flupredniden plus Miconazol sinnvoll sein.

Eine lokale antiseptische Behandlung einer infizierten Radikalhöhle ist beispielsweise durch Dequaliniumchlorid möglich.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • H. Luckhaupt
    • 1
  1. 1.Klinik für Hals-Nasen-Ohren-HeilkundeSt. Johannis-HospitalDortmundDeutschland

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