HNO Nachrichten

, Volume 48, Issue 2, pp 47–47 | Cite as

Umfrage bei Ärzten in Kliniken und Praxen

Stressfaktor Nummer eins: die Bürokratie

  • Matthias Wallenfels
Praxis konkret
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Fast die Hälfte sowohl der leitenden Klinikärzte wie auch der Praxischefs identifiziert die Dokumentationsanforderungen als Hauptursache für Stress im Versorgungsalltag.

Eine aktuelle Befragung von ambulant und stationär tätigen Ärzten im Auftrag des privaten Krankenhausbetreibers Asklepios könnte die Diskussion um den Bürokratieabbau wieder befeuern. Gemäß der nicht repräsentativen, aber aussagekräftigen Online-Befragung von Klinik- und niedergelassenen Vertragsärzten empfindet jeder vierte Arzt den Stresslevel während eines durchschnittlichen Arbeitstags als hoch, nur 8 % empfinden ihn als moderat und zwei Drittel als mittelhoch. Als Hauptverursacher von Stress wurden in absteigender Reihenfolge genannt: zu viel Bürokratie/Dokumentationspflichten, Arbeitsverdichtung, zu wenig Zeit für die Patienten, keine Zeit für Pausen und Zwang zur Wirtschaftlichkeit. Deutlich weniger relevante Stressoren sind häufige Wechsel im Kollegium, Personalmangel und Druck durch Vorgesetzte, bestimmte Therapien durchzuführen.

Besonders noch wenig erfahrene Ärzte stressen die heutigen Dokumentationspflichten (58 %), bei leitenden Ärzten und Praxisinhabern sind es 46 %, bei den in Praxen angestellten Ärzte nur 28 %.

Ärzte mit einem hohen Stresslevel wünschen sich mehr Zeitreserven als Puffer für Unvorhergesehenes und Notfälle. Als Zweites steht mehr Familienfreundlichkeit auf der Wunschliste, gefolgt von mehr Möglichkeiten, Aufgaben zu delegieren, und mehr kollegiale Supervision und Beratung. Mit 86 % ist eine große Mehrheit der befragten Ärzte der Meinung, dass mehr Entscheidungsspielräume den negativen Stress vermindern.

Rund ein Drittel der Ärzte leidet gemäß der Umfrage aufgrund von Stress regelmäßig oder häufig unter körperlichen Symptomen wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Migräne, Schlafstörungen, Ohrgeräuschen, Hörstürzen, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Problemen sowie Hauterkrankungen. Das sind zwar deutlich weniger als bei Pflegekräften, wo mindestens jeder Zweite körperliche Beschwerden beklagt, aber dennoch eine bemerkenswert hohe Quote. 22 % der Ärzte empfinden wegen Stress regelmäßig oder häufig psychische Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Nervosität, Unruhe, Angst oder Panikattacken.

„Das sind Ergebnisse, die nachdenklich machen“, kommentierte Dr. Thomas Wolfram, Konzerngeschäftsführer der Asklepios Kliniken, die Umfrageergebnisse: „Bürokratie und zunehmender Dokumentationszwang lassen den Kollegen immer weniger Zeit, ihrer eigentlichen Arbeit, dem Dienst am Patienten, nachzugehen.“

Und was tun Ärzte, um den zunehmenden Stress im Arbeitsalltag ein wenig abzubauen? Der Hälfte helfen kurze Gespräche mit Kollegen, 43 % greifen zu Süßigkeiten oder Snacks, 39 % lesen oder surfen im Internet und nur jeweils 6 % greifen im Extremfall zu einem Medikament oder machen eine Zigarettenpause.

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Authors and Affiliations

  • Matthias Wallenfels
    • 1
  1. 1.

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