HNO Nachrichten

, Volume 43, Issue 4, pp 14–14 | Cite as

Bedeutsame Dysphonierate bei ehemals intubierten extremen Frühgeborenen

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Extreme Frühgeborene bedürfen aufgrund ihrer Unreife häufig einer endotrachealen Intubation und Beatmung. Die Stimmqualität im Schulalter dieser Patientengruppe wurde als Langzeit-Outcome-Parameter bislang nicht systematisch untersucht.

Eine Arbeitsgruppe aus Australien hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Häufigkeit von Stimmauffälligkeiten, die stimmbezogene Lebensqualität sowie demographische und Intubationsfaktoren bei Frühgeborenen zu untersuchen. Zwischen 1996 bis 2004 kam es zu 317 Lebendgeburten zwischen 22+0 und 24+6 SSW in West-Australien. Laut Daten des Neonatal follow-up Program überlebten 154 Patienten, bei 67 (Geburtsgewicht 570–700 g) konnte eine komplette Nachuntersuchung im Alter von sechs bis 15 Jahren durchgeführt werden. Alle Frühgeborenen wurden intubiert und im Median 45 Tage beatmet. Pro Patient waren durchschnittlich fünf, einmalig maximal 16 Intubationen erforderlich. Anwendung fanden die Auditory Perceptual Assessment Scala und der Pediatric Voice Handicap Index. In der Nachuntersuchung erreichten nur vier Patienten ein normales Ergebnis, 24 hatten eine milde, 36 zeigten eine moderate und drei eine schwere Heiserkeit. Eine Gruppe von 40 termingeborenen Neonaten wurde zum Vergleich untersucht. In der univariaten Analyse waren milde bis schwere Stimmabnormalitäten assoziiert mit weiblichem Geschlecht, langer Intubationsdauer, häufiger Intubationsfrequenz und Tubusgröße. Die simultane Bewertung von demographischen und Intubationscharakteristiken zeigte eine signifikante Korrelation von moderaten bis schweren Stimmpathologien nur bei Kindern mit mehr als fünf Intubationen und bei Mädchen. Im multivariablen Modell waren Tubusgröße und Beatmungszeit nicht von signifikanter Bedeutung.

Fazit: Stimmstörungen treten bei ehemals beatmeten extremen Frühgeborenen nach Aussage dieser Studie im Schul alter weit häufiger auf als erwartet. Als wesentlicher Faktor kristallisierte sich eine Intubationshäufigkeit von > 5 heraus.

Obgleich zahlreiche Limitationen dieser systematischen Arbeit wie kleine Population, mehr als 50 % ausgeschlossene Patienten (n = 87) und subjektive Untersucherfaktoren erwähnt werden müssen, ist die Forderung nach Entwicklung stimmprotektiver Strategien nach gehäuften Intubationen bzw. deren Vorbeugung eindeutig gerechtfertigt. Überraschend ist die Erwähnung der Autoren im letzten Satz der Methodik, dass vor sämtlichen Intubationen keine Prämedikation durchgeführt wurde. Der breite Einsatz der nicht-invasiven Beatmung, die Verwendung eines Videolaryngoskops und moderne Beatmungsverfahren können helfen, Atemwegstraumen zu reduzieren.

Literatur

  1. French N et al. Voice abnormalities at school age in children born extremely preterm. Pediatrics 2013; 131: e733–9PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen

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