Heilberufe

, Volume 69, Issue 10, pp 74–74 | Cite as

Angina pectoris und Adipositas

Martin Luther

  • W. -R. Krause
Prominente Patienten
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Bisher galt der Engländer Edward Earl of Clarendon als Erstbeschreiber eines Angina-pectoris-Anfalls. Er schilderte 1632 die typische Symptomatik, über die sein Vater klagte. Doch könnte kein geringerer als Martin Luther ihm um fast 100 Jahre zuvorgekommen sein.

Mit seinem Thesenanschlag am 31.Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg leitete Luther eine, von ihm ursprünglich nicht gewollte, Reformation ein. Diese hatte schließlich weltweite Auswirkungen.

Zu Luthers Zeiten gehörten Schmerzen, wie auch Infektionserkrankungen, zum Leben. Über seine Kinderkrankheiten ist nichts bekannt. Von seinen sieben Geschwistern verstarben jedoch schon drei in der Kindheit, zwei davon an der Pest. Trotzdem blieb Luther bei einer erneuten Pestepedemie später in Wittenberg und betreute Erkrankte im eigenen Haus.

Der dänische Psychiater Paul Johann Reiter und auf ihn fußend der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Erik H. Erikson führten psychopathologische Befunde bei Luther auf eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung zurück. Einige Psychiater sahen bei ihm sogar eine Epilepsie oder Psychose vorliegend. Dies dürfte alles zu einseitig sein. Dem heutigen medizinischen Wissenstand am nächsten kommt ein gerade neu aufgelegtes Buch von Hans-Joachim Neumann. Der ehemaliger Klinikdirektor der Charité verweist darauf, dass das unter Laien verbreitete Bild von einem kerngesunden, urwüchsigen und kraftstrotzenden Mann, den nichts erschütterte, ein Klischee ist. Den Hauptgrund für Luthers organische Erkrankungen sahen auch schon frühere Autoren in seinem über 16 Jahre währenden Klosteraufenthalt mit Fasten, Nachtwachen und anderen Exerzitien.

Während seiner Zeit auf der Wartburg kam es bei Bewegungsmangel mit einer überwiegend sitzenden Tätigkeit bei nun üppiger Kost und reichlich Wein zu seiner allseits bekannten Adipositas.

Bei den als Epilepsie gedeuteten Zuständen dürfte es sich nach heutigem Stand um psychogene Anfälle oder um die Meniérsche Erkrankung mit klassischem Drehschwindel gehandelt haben.

Bereits ab 1518 berichtete er schriftlich und detailliert über Obstipationen, Magen- und Herzbeschwerden. Als ursächlich sah Neumann das Roemheld-Syndrom an. Mehrfach wurde Luther zur Ader gelassen. Wiederholt, teilweise mit drastischen Worten, thematisierte er sein Hämorrhoidalleiden.

Seine Verheiratung mit Katharina von Bora brachte Regelmäßigkeit sowie Ordnung, aber auch eine gute Küche in sein Leben, was ein weiterer Grund für seine zuvor beschriebene Fettleibigkeit sein könnte. Wiederholt werden äußerst schmerzhafte Harnverhaltungen beschrieben, einmal bis zu acht Tagen, bis nach Steinabgang die Diurese wieder einsetzte.

Die letzten Lebenstage sind genau dokumentiert. Luther wurde von seinem einstigen Mansfelder Landesherren in seine Geburtsstadt Eisleben gerufen, um einen Erbstreit zu schlichten, was ihm nach großer Kraftanstrengung noch gelang. Nach zusätzlichen wiederholten Gichtanfällen kam es bei seinen bekannten Risikofaktoren, zu denen sicher auch eine chronische Arbeitswut gehörte, zu erneuten Angina pectoris-Anfällen mit allen für einen Herzinfarkt typischen klinischen Beschwerden bis zum Exitus letalis.

Prominente Patienten

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Authors and Affiliations

  • W. -R. Krause
    • 1
  1. 1.Blankenburg/HarzDeutschland

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