Die Pest
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Hexenwerk, Gottes Strafe und Dämonen, Kometen und Erdbeben — das waren nur einige der vielen Erklärungen für Pestepidemien, bevor Alexandre Yersin 1894 den Pesterreger entdeckte.
Die neuere Geschichte kennt drei große Pandemien, die als „Pest“ beschrieben werden, wobei die Zuordnung zu Yersina pestis unter Wissenschaftlern immer wieder diskutiert wird: die Justinianische Pest (6. Jahrhundert n. Chr.), den Schwarzen Tod (14. Jahrhundert) und den letzten großen Ausbruch in den 1890er Jahre in Asien, bei dem Alexandre Yersin, ein schweizerisch-französischer Arzt und Bakteriologe, den Erreger der Pest, Yersinia pestis, entdeckte und den Zusammenhang mit Rattensterben nachwies.
Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurde die Pest in Europa endemisch und flackerte regional in schweren Ausbrüchen immer wieder auf. Bis zur Entdeckung des Pesterregers gab es eine große Bandbreite an Erklärungsansätzen. Gottes Strafe wurde genauso angenommen, wie „giftige Dämpfe“, die aus Sümpfen aufsteigen — wir kennen noch heute den Ausdruck verpestete Luft.
Das febrilische Fünklein
Bereits lange vor der Erfindung des Mikroskops (17. Jahrhundert) und der Etablierung der Mikrobiologie beschrieben Ärzte mögliche Übertragungswege und vage Ideen einer Infektionskette. Galen (2. Jahrhundert nach Chr.) nannte „Pest-Samen“, wobei nicht klar ist, ob er dies wörtlich oder symbolisch meinte. Girolamo Fracastoro (16. Jahrhundert) postulierte „Kontagien“, die Krankheiten direkt oder indirekt übertragen konnten. Dabei ist davon auszugehen, dass er weniger an Mikroorganismen als an Substanzen dachte, die für Ausdünstungen oder Verteilung in der Atmosphäre verantwortlich waren. Er gilt aber als der erste, der einen Ansteckungsgedanken formulierte. Im 17. Jahrhundert sprachen Gelehrte auch von einem febrilischen Fünklein oder dem Pestfunken, der wie Zunder die Pest im Körper eines Menschen entzünden konnte. Diese Faktoren konnten die inneren Feuchten aufwühlen und verderben, sodass der Mensch krank wurde.
Ein Drittel der Menschheit
Zeitgenössischen Berichten zufolge forderte der Schwarze Tod ein Drittel der Bevölkerung. Das Ende finden die großen Pestepidemien in Europa mit dem „Feuer von London“, das 1665 nahezu die gesamte Stadt zerstörte.
Mit Verfügbarkeit der Antibiotika im 20. Jahrhundert war die Pest als Seuche besiegt, wobei sich zunehmend resistente Stämme entwickeln. So tritt die Pest heute noch endemisch z.B. in den Südstaaten der USA und Madagaskar als silvatische Pest auf. Ein größerer Ausbruch ereignete sich 1994 nach einem Erdbeben mit vielen Toten und schlechten Hygieneverhältnissen in Indien.
Übertragung durch Flohbisse
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Bubonenpest (Lymphadenitis): schmerzhaft geschwollene Lymphknoten (Bubonen), die Mortalität liegt unbehandelt bei ca. 50%, die Inkubationszeit bei zwei bis sieben Tagen
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Lungenpest (Pestpneunomie): Komplikation einer anderen Verlaufsform oder primär: typische Pestzeichen, dazu blutiger Auswurf, unbehandelt fast immer tödlich, Inkubationszeit bei primärer Form ein bis drei Tage
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Septische Pest (Pestseptikämie): typische Pestzeichen, Bakteriämie, unbehandelt fast immer tödlich, Inkubationszeit zwei bis sieben Tage
Aufgrund der hohen Mortalität, der Überlebensfähigkeit von Y. pestis und der schnellen Ausbreitung wird heute auch das Risiko von Y. pestis als Biowaffe diskutiert.
Fast vergessene Krankheiten
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Wissen Sie, was das febrilische Fünklein ist? Was sich hinter Hundswuth verbirgt? Oder seit wann es die sogenannte Franzosenkrankheit gibt? In unserer Serie geht es um die Geschichte, Symptomatik und Behandlung fast vergessener Krankheiten.
