Ansprechpartner auf gleicher Wellenlänge
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In Deutschland leben mehr als 22.000 Kinder und Jugendliche mit einer Erkrankung, in deren Folge sie in jungen Jahren sterben werden. Betreut werden sie zumeist in Hospizen. Viele junge Patienten vermissen dort jedoch den Kontakt zu Gleichaltrigen. Aus diesem Bedürfnis heraus entstand am Kinderhospiz St. Nikolaus die Initiative „Junges Ehrenamt“, das 2015 mit dem 4. Preis des von Springer Medizin verliehenen CharityAwards ausgezeichnet worden ist.
Mukopolysaccharidose, Aicardi-Goutières-Syndrom, Tay-Sachs-Syndrom, Pelzaeus-Merzbacher-Syndrom, GM I-Gangliosidose, Muskeldystrophie oder Leukodystrophie lauten die Diagnosen, die Eltern entwicklungsgestörter Kinder oft erst nach jahrelanger Odyssee durch Arztpraxen, Krankenhäuser und Spezialkliniken erhalten. Verbunden mit der Diagnose, hinter der sich in der Regel eine genetisch bedingte, unheilbare Stoffwechselkrankheit verbirgt, ist die Mitteilung, dass ihr Kind schon in naher Zukunft sterben wird.
Hilfe für Kinder und ihre Eltern
Viele Eltern pflegen ihr Kind zunächst daheim, stoßen jedoch meist bald an ihre Grenzen. Entlastung und Hilfe finden sie schließlich in einem der auf solche Bedürfnisse ausgerichteten Hospize, wo die Familien auf Wunsch bis zuletzt an der Seite ihres Kindes bleiben können.
Kinderhospiz St. Nikolaus in Memmingen: Patient Josef freut sich mit Sarah, die ehrenamtlich tätig ist.
© Kinderhospiz St. Nikolaus
Derzeit bieten bundesweit 13 stationäre Kinderhospize, zwei stationäre Jugendhospize und mehr als 100 ambulante Hospizdienste ihre Unterstützung für junge Patienten und deren Familien an. Das Kinderhospiz St. Nikolaus wurde 2006 als erste süddeutsche Einrichtung ihrer Art im Kneippkurort Bad Grönenbach im Allgäu eröffnet.
Träger ist die Süddeutsche Kinderhospiz-Stiftung in Memmingen, die für lebensverkürzend erkrankte Kinder und Jugendliche im Allgäu auch einen ambulanten Hospizdienst anbietet.
Darüber hinaus gibt es eine eigene Akademie, in der Seminare und Fortbildungen rund um die Kinderhospizarbeit angeboten werden. Als vor zwei Jahren die Sozialwirtin Katrin Milde die Leitung des ambulanten Hospizdienstes der Kinderhospiz-Stiftung übernahm, entwickelte sie ein Konzept, das die Ausbildung von Berufsschülern und Studenten zum „Jungen Ehrenamt“ vorsieht.
Werbung in Berufsschulen
Damit reagierte sie auf einen oft geäußerten Wunsch ihrer unheilbar erkrankten Patienten. „Ziel des Projektes ist es, den Jugendlichen junge Begleiter an die Hand zu geben, die von den Interessen und vom Alter her ideal zu ihnen passen“, erklärt die 29-Jährige, die schon während ihres Studiums im Kinderhospiz St. Nikolaus tätig war. „Für die Entwicklung ist es wichtig, dass unsere Schützlinge junge Menschen mit der gleichen Wellenlänge als Ansprechpartner haben.“
Vor allem in Fachhochschulen, Berufsschulen und Fachakademien wirbt Katrin Milde für ihr Projekt. Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiter ist komplex und wird bundesweit anerkannt.
Im Ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche im Allgäu sind aktuell 27 Ehrenamtliche im Einsatz, seit Beginn des Projekts wurden fast 200 Studenten für diese Tätigkeit ausgebildet. Sie sind Gesprächspartner der Patienten, unterstützen im Alltag und planen gemeinsam Freizeitaktivitäten. Dadurch entlasten sie die Familien und stärken deren Selbsthilfe.
CharityAward 2016
Mit dem CharityAward zeichnet Springer Medizin seit 2011 das herausragende Engagement von Stiftungen, Organisationen und Institutionen aus, die sich in besonderer Weise der Gesundheitsversorgung in Deutschland verpflichtet fühlen. Schirmherr ist der Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe. Die Auszeichnung ist mit 60.000 Euro, aufgeteilt auf insgesamt drei Gewinner, dotiert.
Auch 2016 wird der Preis wieder vergeben. Bis zum 30. Juni können sich Interessierte noch bewerben:
springermedizin.de/charity
© Stefan Maria Rother

