Stefan Englert
Checkliste Chinesische Diätetik
2011, 472 Seiten, Euro 49,99, SFr 69,90, ISBN 978-3-8304-7394-7 (Karl Haug Verlag, Stuttgart)
Stefan Englert, Allgemeinmediziner mit TCM-Praxis in Ravensburg, war bereits Co-Autor des TCM-Leitfadens und ist Herausgeber dieser 2011 erschienenen „Checkliste Chinesische Diätetik“.
Sie gliedert sich in vier Teile: Teil 1 — Grundlagen — gibt eine Orientierung über chinesische Medizin und chinesische Diätetik.
Teil 2 — Nahrungsmittel — ist das eigentliche Kernstück und Thema des Buches. Hier werden knapp über zweihundert verschiedene Nahrungsmittel übersichtlich, strukturiert, stichwortartig und gelegentlich auch zu knapp charakterisiert. Die Nahrungsmittel sind nach Nahrungsgruppe (Obst, Gemüse, Fleisch etc.) und innerhalb dieser Gruppe alphabetisch sortiert, was das gezielte Nachschlagen erleichtert. Jedem Lebensmittel ist eine Buchseite gewidmet, aufgefrischt wird das Ganze durch ein Farbfoto. Steckbriefartig werden Temperatur, Geschmack, Organkreisbezug, Funktion und Indikationen beschrieben. Vorteil dieser starken Strukturierung und Gliederung ist eine gute Übersichtlichkeit, ein Nachteil ist, dass auch Lebensmittel, über die sich viel mehr als nur eine DINA5-Seite schreiben ließe, auf diese Formatierung beschränkt werden (müssen).
Die Vermischung von westlicher und chinesischer Medizin bzw. Ernährungslehre bildet sich auch hier ab: Bei der stichwortartigen Beschreibung der Funktion orientiert sich der Autor noch nach den Paradigmen der TCM (z.B. Rotwein „tonisiert Leber-Blut (Xue) und Nierenyang“), auch die Kontraindikationen werden mit Begriffen aus der chinesischen Medizin benannt (z.B. „Blut (Xue-) Hitze“ etc.). Bei den Indikationen werden dagegen fast ausschließlich Begriffe der westlichen Medizin benutzt (z.B. Durchblutungsstörungen, innere Kälte, Rückenschmerzen, Anämie). Das wirkt inkonsequent, könnte aber einem weniger erfahrenen Therapeuten möglicherweise bei der Übertragung in den klinischen Alltag helfen. Ziemlich irritierend wirkt dagegen die jede Nahrungsmittelbeschreibung abschließende Nennung von „Rezepten“. Hier werden in der Regel drei Rezepte pro Lebensmittel genannt, die aber überhaupt nicht detailliert beschrieben werden. Es fehlen sowohl Mengenangaben und Zubereitung als auch die Angabe von speziellen Indikationen des Rezeptes, z.B. bei Kartoffel: „Rezept I Kartoffelpüree“, „Rezept II Kartoffelsaft“, „Rezept III Kartoffelsalat“, „Rezept IV Ofenkartoffel“ ... das wäre in dieser Knappheit eigentlich überflüssig.
Einige der in Teil II beschriebenen Nahrungsmittel und Gewürze dürften im „alten China“ nicht bekannt gewesen sein, wie beispielsweise Oliven und Rosmarin. Einerseits lassen sich so auch westliche Gerichte unter Gesichtspunkten der chinesischen Diätetik zusammenstellen, andererseits fehlt ein Hinweis auf die Herleitung der entsprechenden Paradigmen. Es bleibt völlig unklar, ob sich der Autor auf Quellen bezieht (jedenfalls werden keine benannt), oder ob sie vielmehr auf persönlicher Erfahrung und eigenen Beobachtungen beruht.
Leider vermittelt die Checkliste kaum, wie die Ernährung bei bestimmten Krankheitsbildern zusammengestellt werden sollte. Zwar behandelt Teil 3 — Nahrung als Therapie verschiedener Erkrankungen — die häufigsten westlichen Krankheitsbilder und listet therapeutisch sinnvolle Nahrungsmittel auf, deren Stellenwert und praktische Anwendung bleibt aber angesichts der bloßen Auflistung eher offen.
Teil 4 — Praxis der Ernährungsberatung — stellt westliche und chinesische Diätetik sowie verschiedene Ernährungsschulen dar.
Im Anhang werden alle Nahrungsmittel tabellarisch nach Temperaturverhalten und Elementen aufgelistet.
Zusammenfassend eignet sich diese Diätetik-Checkliste gut als Nachschlagewerk, um sich schnell über die wesentlichen Charakteristika einzelner Nahrungsmittel zu informieren. Noch besser wäre sie, wenn sie ihrem eigentlichen Thema, nämlich eben chinesische Diätetik, mehr Raum gegeben hätte und anstelle der Kapitel über westliche Ernährungswissenschaften in Teil 4 beispielsweise detailliertere Rezeptvorschläge bieten würde.
