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Konsolidierung, Aufbruch oder Niedergang? Ein Review-Essay zum Stand der Technikgeschichte

  • Matthias HeymannEmail author
Sammelbesprechung/Essay Review

Martina Heßler 2012: Kulturgeschichte der Technik. Frankfurt a. M.: Campus, brosch., 217 S., 16,90 €, ISBN-13: 978-3-593-39740-5.

Rainer Liedtke 2012: Die Industrielle Revolution. Wien: Böhlau-UTB, brosch., 205 S., 14,99 €, ISBN-13: 978-3-8252-3350-1.

Thomas J.Misa [2003] 2011: Leonardo to the Internet. Technology and Culture from the Renaissance to the Present. 2. überarbeitete Auflage, Baltimore: Johns Hopkins University Press, brosch., 378 S., 18,60 €, ISBN-13: 978-1421401539.

Wolfgang König (Hg.) 2010: Technikgeschichte. [= Basistexte Geschichte, 5] Stuttgart: Steiner, brosch., 264 S., ISBN-13: 978-3-515093569.

Markus Popplow 2010: Technik im Mittelalter. München: Beck, brosch., 128 S., 8,95 €, ISBN-13: 978-3406587825.

Rolf-Jürgen Gleitsmann, Rolf-Ulrich Kunze und Günther Oetzerl 2009: Technikgeschichte. Konstanz: UVK-UTB, brosch., 320 S., 10,99 €, ISBN-13: 978-3825231262.

Wolfgang König 2009: Technikgeschichte. Eine Einführung in ihre Konzepte und Forschungsergebnisse. [= Grundzüge der modernen Wirtschaftsgeschichte, 7] Stuttgart: Steiner, brosch., 264 S., 21,00 €, ISBN-13: 978-3515094238.

Joachim Radkau [1989] 2008: Technik in Deutschland. Vom 18. Jahrhundert bis heute. 2. überarbeitete Auflage, Frankfurt a. M.: Campus, geb., 533 S., 29,90 €, ISBN-13: 978-3593386898.

Carroll Pursell [1995] 2007: The Machine in America. A Social History of Technology. 2. überarbeitete Auflage. Baltimore: Johns Hopkins University Press, brosch., 398 S., 44,00 €, ISBN-13: 978-0801885792.

Christian Kleinschmidt 2007: Technik und Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert. [= Enzyklopädie deutscher Geschichte, 79] München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, brosch., 201 S., 19,80 €, ISBN-13: 978-3486580303.

Karl Heinz Metz 2006. Ursprünge der Technik. Die Geschichte der Technik in der westlichen Zivilisation. Paderborn: Schöningh, geb., 579 S., 80,00 €, ISBN-13: 978-3506729620.

Mikael Hård und Andrew Jamison 2005: Hubris and Hybrids. A Cultural History of Technology and Science. New York: Routledge, brosch., 335 S., 26,20 €, ISBN-13: 978-0415949392.

Ruth Schwartz Cowan 1997: A Social History of American Technology. New York u. a.: Oxford University Press, brosch., 352 S., 49,90 €, ISBN-13:978-0195046052.

Fragen an die Technikgeschichte

Es ist ein bemerkenswertes Novum der Technikgeschichte, insbesondere der deutschen, dass innerhalb weniger Jahre eine ganze Reihe von neuen Einführungen sowie Gesamt- und Übersichtsdarstellungen der Technikgeschichte erschienen ist. Während noch vor 20 Jahren so gut wie keine derartige Literatur zur Verfügung stand,1 können Lehrende und Studierende, Vertreter benachbarter Disziplinen und interessierte Laien heute komprimierte Einführungen in das Fach ebenso finden wie umfassende Gesamtdarstellungen, und haben sogar die Wahl zwischen verschiedenen Darstellungen und Interpretationen. Es ist nicht ohne weiteres festzustellen, ob diese Publikationswelle eher durch ein wachsendes Publikums- und Verlagsinteresse oder durch ein neu erwachtes Interesse und Selbstbewusstsein innerhalb der Technikgeschichte bedingt ist. Zweierlei lässt sich immerhin festhalten: Erstens hat die Technikgeschichte einen Erkenntnisstand, eine methodische Reife und ein Selbstbewusstsein entwickelt, das die Hervorbringung von Gesamtdarstellungen ermöglicht. Zweitens machen insbesondere die deutschsprachigen Einführungen die Technikgeschichte für Studierende auch der allgemeinen Geschichte und anderer Fächer deutlich leichter zugänglich und damit auch sichtbarer, als das die verfügbare englischsprachige Literatur oder enzyklopädische Darstellungen vermochten.

Eine Gesamtdarstellung – ob einführend oder als umfassende Forschungsleistung – ist immer ein Wagnis. Auswahl der Themen, Schwerpunktsetzung und – vielleicht wichtiger noch – Weglassungen und Vereinfachungen sowie Darstellungsform und die Konstruktion eines Narrativs sind in besonderem Maße der Kritik ausgeliefert, weil sie niemals alle Leser befriedigen können, weil sie massiv verkürzen müssen, weil kein Autor die Breite des bewältigten Feldes mit der Souveränität beherrschen kann, wie das auf eng eingegrenzten Forschungsfeldern möglich ist. Gerade für ein relativ junges Fach wie die Technikgeschichte ist das eine große Herausforderung. Wolfgang König stellte fest, „dass die Technikgeschichte konzeptionell bislang besser für die Durchführung von Fallstudien auf der Mikro- und Mesoebene gerüstet ist als für übergreifende Darstellungen auf der Makroebene“ (König 2009: 51). Umso bemerkenswerter ist die Konjunktur neuer Einführungen und Gesamtdarstellungen; und desto interessanter wird es sein, zu sehen, wie die Autoren diese Herausforderungen bewältigen.

Für den Fall der neueren, bis einschließlich 2012 veröffentlichten deutschsprachigen Gesamtdarstellungen habe ich mich um Vollständigkeit bemüht (für Epochendarstellungen ist das kaum möglich). Für den Fall der englischsprachigen Technikgeschichte beschränkt sich die Auswahl auf Darstellungen, die eine besondere Verbreitung als Lehrbücher an Universitäten gefunden haben.2 Die Besprechung eines Korpus von 13 Büchern in einem Essay ist eine Herausforderung eigener Art und kann den genannten Büchern nicht im Detail gerecht werden. Ich möchte stattdessen besondere Leistungen, Herangehensweisen und Perspektiven beschreiben. Darüber hinaus gibt dieser Korpus von Darstellungen Anlass zu wichtigen Fragen über den Stand der Technikgeschichte:
  1. 1.

    Welche Themen der Technikgeschichte werden behandelt und welche Auswahl getroffen? Welche Fragen werden gestellt? Welche Interpretationen der Technikgeschichte werden angeboten? Gibt es so etwas wie einen Kanon der jüngeren Technikgeschichte?

     
  2. 2.

    Welche methodischen Konzepte stellen die Autoren zur Verfügung? An welche Traditionen der Historiographie wird angeknüpft? Auf welche Weise sind die fachlichen Konflikte vergangener Jahrzehnte verarbeitet worden?

     
  3. 3.

    Welche Angebote macht die Technikgeschichte anderen Fächer, insbesondere der allgemeinen Geschichte? Wie kann sie Interesse am Fach mehren und auf andere Fächer wirken?

     

In einem ersten Teil des Essays möchte ich einen kurzen Blick auf die Entwicklung und Wandlungen des Faches Technikgeschichte werfen, wie sie sich heute – auch hinsichtlich des hier betrachteten Literaturkorpus – darstellen. Der zweite Teil ist einer systematischen Bestandsaufnahme dieses Korpus gewidmet und betrachtet Themen, Narrative und Interpretationen, die die betrachteten Darstellungen bieten. In einem abschließenden dritten Teil versuche ich, im Lichte der Bestandsaufnahme Schlüsse über Charakteristika und Stand der Technikgeschichte zu ziehen und Antworten auf die obigen Fragen zu geben.

Die Technik in Geschichte und Geschichtswissenschaft3

Die Etablierung und Institutionalisierung des Faches Technikgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm einen langen und konfliktreichen Weg. Die Wurzeln des Faches lagen nicht in den Geschichtswissenschaften, sondern in den Ingenieurwissenschaften. Über viele Jahrzehnte hinweg diente die Technikgeschichte Ingenieuren als standespolitisches Mittel, um Technik als Kulturleistung sichtbar werden zu lassen. Geschichte der Technik präsentierte sich damit als Fortschrittsgeschichte technischer Entwicklungen und war vorwiegend an der Geschichte technischer Artefakte und ihrer Funktion interessiert. Anspruch auf die Definition und Gestaltung von Technikgeschichte erhoben auch Naturwissenschaftshistoriker, die von der Bedeutung, ja, Priorität naturwissenschaftlichen Wissens für den technischen Wandel überzeugt waren. Historiker interessierten sich hingegen noch kaum für die Technik. Die Verschiebung des Interesses von einer Ingenieurstechnikgeschichte, in der Artefakte und ihre Funktionalität als Ausgangspunkt des historischen Fragens dienen, zu einer „Technikgeschichte der Historiker“, wie König es nennt (König 2009: 57), in der gesellschaftliche Prozesse als Ausgangspunkt des historischen Fragens dienen, verlief nicht ohne Friktionen. Die Historiker Karl Heinz Ludwig und Wolfgang Treue prägten Begriffe wie „speziellere“ und „allgemeinere Technikgeschichte“ beziehungsweise „engere“ und „weitere Technikgeschichte“ (später waren auch die Begriffe „internalistische“ und „kontextuelle“ Technikgeschichte gängig), und forderten Anerkennung für letztere, die Technikgeschichte der Historiker. Für die Legitimierung und Durchsetzung dieser Ansprüche wird dem Technikbegriff Günter Ropohls in seiner erstmals 1979 erschienenen Systemtheorie der Technik entscheidende Bedeutung zugeschrieben (König 2009: 56 f.; Gleitsmann et al. 2009: 28–30, ebenso schon Weber/Engelskirchen 2000: 205). Der Technikphilosoph Ropohl unterschied drei Dimensionen von Technik, die sich verkürzt als erstens, die Menge der Artefakte, zweitens, die Menge der Handlungen die zu Technik führen, und drittens, die Menge der Handlungen, die Technik nutzen, beschreiben lassen (Ropohl 2009: 31). Die beiden letztgenannten Technikdeutungen wiesen über die Artefakte hinaus auf gesellschaftliche Prozesse, die sich damit auch als Untersuchungsgegenstand der Technikgeschichte legitimieren ließen.4 So langwierig die Durchsetzung die Technikgeschichte der Historiker war – noch in den 1990er Jahren waren die Unsicherheiten über den ‚richtigen‘ Weg und die Gräben zwischen Varianten von Ingenieurs-Technikgeschichte und Historiker-Technikgeschichte in Deutschland spürbar5 –, so deutlich dominiert sie inzwischen das Feld. Technikgeschichte wird heute (mit Ausnahme von manchen Museen) anerkanntermaßen von Historikern als Teildisziplin der Geschichtswissenschaften betrieben.

Alle hier betrachteten Autoren sind Historiker und sehen sich Fragestellungen und Methoden der Geschichtswissenschaften verpflichtet (aber auch weiterer, angrenzender Disziplinen, die der historischen Forschung dienlich sind). Sie interessieren sich primär für historische Fragestellungen, nicht für technische. „Technikgeschichtsschreibung als eine historische Disziplin hat nicht die Aufgabe technische Entwicklungen zu rekonstruieren“, schreibt Martina Heßler und fügt hinzu, dass die historische Reflexion von Technik „nicht zwangsläufig technischer Kenntnisse bedarf“ (Heßler 2012: 11). Auch Schwartz Cowan grenzt sich ausdrücklich von einer Artefaktengeschichte ab und bezeichnet – wie auch Pursell – ihre Technikgeschichte deshalb als „social history of technology“. Sie verfolgt ein anderes Ziel, und zwar „integrating the history of technology with the rest of human history” (Schwartz Cowan 1997: 3). Die Darstellungen verzichten weitgehend auf die einst prägenden Fortschrittsnarrative und beschreiben Technik als ein gesellschaftliches und kulturelles Phänomen.

Innerhalb der „Technikgeschichte der Historiker“ vollzog sich wiederum seit den 1990er Jahren eine Erweiterung und Verschiebung des Interesses. Eine produktionsorientierte Erfindungs- und Innovationsgeschichte, die sich für die Entstehungszusammenhänge von Technik interessierte, wurde durch eine verwendungsorientierte Kulturgeschichte der Technik, die die Wahrnehmung und Nutzung von Technik in der Gesellschaft und die damit einhergehenden Phänomene kulturellen Wandels untersucht, ergänzt. Diese Richtung beinhaltet Ansätze wie Diskursgeschichte, Geschlechtergeschichte, Konsumgeschichte und Mentalitätsgeschichte. Kulturhistorische Vertreter der Technikgeschichte betrachten Technik als einen unmittelbaren Teil der Kultur, deren Analyse nicht in Abgrenzung zur Kultur vorgenommen werden kann. So argumentiert Thomas Misa beispielsweise „against the common billiard-ball model propounded by many popular writers and journalists who see technologies coming from ‚outside‘ society and culture and having ‘impacts’ on them – for good or ill” (Misa 2003: xiii). Heßler nimmt ihren Ausgangspunkt in der Lebenswelt des Menschen, in der Technik ein unabdingbarer Teil und gleichzeitig eine ‘vorgegebene Selbstverständlichkeit‘ (Husserl) sei. „Technik bleibt dabei allerdings in grundsätzlicher Weise unverstanden, wenn sie in ihrer täglichen Selbstverständlichkeit nicht auf ihre historische Gewordenheit hin befragt wird“ (Heßler 2012: 11). Mikael Hård und Andrew Jamison richten ihren Blick auf „processes of cultural appropriation“ der Technik. Dahinter steht die Auffassung, dass Technik nie neutral ist, sondern immer das, was Kulturen in ihr sehen und aus ihr machen.

Heute sind sowohl die ältere Geschichte der Produktion von Technik als auch die jüngere Kulturgeschichte mit Fokus auf Verwendung von Technik verbreitet. Von den hier besprochenen Darstellungen sind meines Erachtens fünf Bücher (eher) der ersteren (Kleinschmidt, Liedtke, König 20096, Radkau, Popplow) und drei Bücher der letzteren Richtung (Hård und Jamison, Misa, Heßler) zuzuordnen. Die Darstellungen von Pursell, Schwartz Cowan und Metz vereinen Elemente von beiden. Insgesamt hat die Entstehung der kulturhistorischen Technikgeschichte eine Verschiebung der Schwerpunkte mit sich gebracht. Während beispielsweise John M. Staudenmaier in seiner noch immer lesenswerten und hilfreichen Synthese von 1985 die Frage der Erfindung sowie das Rätsel technischer Kreativität und der Hervorbringung neuer technischer Ideen ausführlich thematisierte (Staudenmaier 1985) oder Thomas Parke Hughes in seiner Interpretation von 1989 dem Wirken individueller Erfinder im 19. und frühen 20. Jahrhundert viel Aufmerksamkeit widmete (Hughes 1989), spielt das Problem technischer Kreativität und die Rolle individueller Erfinder in den hier betrachteten Darstellungen keine oder eine nur sehr untergeordnete Rolle. Ein markantes Beispiel ist Misas Darstellung, die mit Leonardo da Vinci beginnt und diesen sogar im Titel erwähnt. Wichtig ist Misa aber nicht eigentlich die Person Leonardo, um die Technik der Renaissance zu verstehen, sondern die kulturellen Voraussetzungen für seine Leistungen, der fürstliche Hof nämlich, der seine Arbeiten ermöglichte. „The Renaissance court system was the conceptual key“ (Misa 2003: xii).

Die Pluralisierung von Perspektiven und Methoden zeigt, dass ein von Hård und Jamison (2005: 1) und Heßler (2012: 35) festgestellter „need for new stories“ erhört worden ist. Innerhalb der geschichtswissenschaftlichen Grundausrichtung des Fachs sind heute eine Vielzahl von methodischen Zugängen und Narrativen gefordert, entwickelt und erlaubt, ohne vehemente Konflikte auszulösen. König beschreibt dies als „Bekenntnis zu methodischem Pluralismus und Eklektizismus“ (2009: 7). Andererseits konstatiert er ein „gravierendes Defizit hinsichtlich der kritischen Diskussion konzeptioneller Ansätze“ (ebd.: 52). Während die internationale Technikgeschichte in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl von methodischen Konzepten – wie beispielsweise Sozialkonstruktivismus und Akteur-Netzwerk Theorie – aufgenommen hat, sind theoretische Diskussionen in der deutschen Technikgeschichte stark in den Hintergrund getreten.7

Die wichtigste Herausforderung für die Technikgeschichte scheint mir jedoch an anderer Stelle zu liegen. Die meisten Technikhistoriker sind überzeugt von der immensen Bedeutung der Technik für die Geschichte. „Wollten wir Geschichte schreiben, so müsste dies wohl Technikgeschichte sein“, schreiben Gleitsmann et al. (2009: 12). Die Autoren sind überzeugt davon, „dass Menschheitsgeschichte zuerst und in allererster Linie technikgeprägt ist und mithin in den Deutungsbereich der Technikgeschichte fällt“ (ebd.: 13 f.). „Wer über die Moderne reden will, muss auch über Technik reden“, meint Radkau (2008: 17). „Der Stellenwert der Technik für die Menschheitsgeschichte lässt sich also schwerlich überschätzen“, schließt König (2009: 9). „Technikgeschichtsschreibung liefert daher“, so Heßler, „einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der menschlichen Kultur“ (2012: 7). Auf der anderen Seite ist es eine vertraute Klage, dass die „Präsenz des Faches, ihre Wahrnehmung im Rahmen der Geschichtswissenschaft, nur unbefriedigend gegeben ist“, wie Hans-Joachim Braun es ausgedrückt hat (Braun et al. 2011: 126). „Technikgeschichte nimmt in der Geschichtswissenschaft weiter eine Randposition ein“, so König (2009: 43). Radkau stellt die „Marginalität“ der Technikgeschichte fest (2008: 17). Es ist gewiss nicht ungewöhnlich, dass ein kleines Fach mehr Aufmerksamkeit wünscht als es erhält. Während die jüngere Technikgeschichte traditionell in großem Maße Anregungen aus anderen Disziplinen (etwa Soziologie, Anthropologie und Philosophie) rezipiert und angenommen hat, stellt sich umgekehrt die Frage, was die Technikgeschichte anderen Disziplinen anzubieten hat und wie sie dieses Angebot besser an die Frau und den Mann bringen kann. Die erfolgreiche Emanzipation und Institutionalisierung der Technikgeschichte birgt auch die Gefahr der Inselbildung im Universum der Disziplinen. Es wird nicht reichen, die Bedeutung der Technikgeschichte für die Geschichte zu betonen. Wichtiger wird es sein, überzeugende Inhalte zu vermitteln und über das Fach hinaus sichtbar zu machen. Dafür, so meine ich, bieten die hier besprochenen Bücher interessante Ansatzpunkte.

Darstellungen der Technikgeschichte: Versuch einer Bestandsaufnahme

Die betrachteten Darstellungen der Technikgeschichte unterscheiden sich zum Teil erheblich. Grob kann man drei Kategorien unterscheiden: erstens Einführungen, die für den Anfänger geeignete meist chronologische, gut lesbare Geschichtserzählungen ohne explizite methodische Reflektionen bieten (Schwartz Cowan, Pursell, Misa, Popplow, Liedtke); zweitens, Darstellungen, die darüber hinaus ausdrücklich Interesse an methodischer Selbstreflektion (Hård/Jamison, König 2009, Heßler) oder an der Geschichte und Einordnung des Faches Technikgeschichte und seiner intellektuellen Traditionen zeigen (Kleinschmidt, Gleitsmann et al., König 2009, König 2010) und sich eher an fortgeschrittene Leser wenden; und drittens, Gesamtinterpretationen, die in erster Linie den Ehrgeiz haben, eigene umfassende Interpretationen der Technikgeschichte der westlichen Welt (Metz) beziehungsweise der Technikgeschichte in Deutschland (Radkau) zu entwickeln. Die Einführungen und Darstellungen sind vor allem für Studierende und andere am Fach Interessierte geschrieben, um meist auf etwa 200 bis 300 Seiten eine Übersicht über das Fach und seine Themen zu bieten (Popplow muss mit 120 Seiten auskommen, Pursells Buch reicht an die 400 Seiten heran). Die beiden berücksichtigten Gesamtinterpretationen sprengen als einzige Bücher dieser Sammlung die 500-Seiten Marke und richten sich eher an Fachkollegen und Spezialisten. Es wird im Folgenden nicht möglich sein, alle Publikationen individuell zu besprechen. Vielmehr werde ich meinen Blick auf Ähnlichkeiten und Besonderheiten richten und nur exemplarisch ins Detail gehen.

Themen der Technikgeschichte

Die Interessensschwerpunkte der hier betrachteten Darstellungen liegen eindeutig im 19. und 20. Jahrhundert. Allein Metz lässt sich auf das Wagnis einer Gesamtdarstellung von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart ein. Antike und mittelalterliche Technikgeschichte sind weitgehend vernachlässigt. Das Mittelalter wird neben Popplow nur von Metz berücksichtigt. Beide interessieren sich nicht allein für die technischen Innovationen des Mittelalters, sondern auch für die langfristig wirksamen Strukturveränderungen die damit einhergingen (mehr dazu unten). Während Popplow und Metz die Rolle des Mittelalters für die europäische Geschichte hervorheben und Leonardo da Vinci nach Popplow auf Traditionen des Mittelalters baute, denen er „sozusagen ‚nur‘ die Krone aufsetzte“ (Popplow 2010: 117), erscheint der Ingenieur, Architekt und Künstler da Vinci bei Misa als weit in die Zukunft weisender Pionier. Hård und Jamison beginnen ihr Buch mit der „wissenschaftlichen Reformation“, mit Bacon, Descartes, Newton und Boyle als „founding fathers“ der modernen experimentellen Wissenschaft (Hård/Jamison 2005: 25). Schwartz Cowan und Pursell, die sich auf die Technikgeschichte der USA beschränken, behandeln die Technik der nativen Einwohner Amerikas nur knapp und legen das Schwergewicht auf die Technik der Kolonisatoren seit dem 16. Jahrhundert. Weitaus am meisten Aufmerksamkeit findet in allen Darstellungen die Epoche der Industriellen Revolution und Industrialisierung, die überdies auch durch eine regelrechte Flut weiterer neuer Spezialdarstellungen beziehungsweise überarbeiteter Neuauflagen repräsentiert wird.8

Thematisch bilden demnach das 19. und 20. Jahrhundert den Fokus aller Darstellungen. Produktionsorientierte Darstellungen widmen meist der Industrialisierung im 19. Jahrhundert den größten Raum. Hier hat sich eine Art Standarderzählung herausgebildet, die für das 19. Jahrhundert Themen wie Werkzeugmaschinen und Mechanisierung, industrielle Leitsektoren (Textil, Schwerindustrie, Maschinenbau), Transportrevolution durch die Eisenbahn, die Herausbildung komplexer Strukturen und Systeme sowie Massenproduktion und Großindustrie umfasst. Für das 20. Jahrhundert sind Auto, Flugzeug und Massenmobilität, Militärtechnik, Kommunikationstechnologien sowie Auswirkungen der Technisierung auf Umwelt und Gesellschaft gängige Themen. König berücksichtigt auch die Chemieindustrie, Pursell bietet lesenswerte Kapitel über die industrialisierte Landwirtschaft, Schwartz Cowan behandelt ausführlich die Biotechnologie. Die Bedeutung massenhaft verfügbarer Kohle als Energiebasis für die durchgreifende Industrialisierung findet in vielen Darstellungen – wie ich meine zu Recht – größere Aufmerksamkeit als noch vor einigen Jahren (vgl. Paulinyi 1992). Bei den deutschsprachigen Darstellungen ist allerdings sehr auffällig, dass sie die Technikgeschichte der DDR fast vollständig ignorieren. Fast alle Autoren haben einen nationalen thematischen Fokus und gehen kaum über Großbritannien, die USA und Deutschland hinaus. Allein Liedtke deckt in meist knappen Kapiteln alle Weltregionen, West- und Mitteleuropa (mit individuellen Abschnitten über sieben Länder), Nordamerika, die „europäischen Peripherie“ (Skandinavien, Osteuropa, Südeuropa) sowie Japan und die Schwellenländer Indien, Korea und Brasilien ab (siehe auch Ziegler 2010).

Kulturhistorische Ansätze räumen der Industrialisierung ebenfalls zentrale Bedeutung, aber deutlich weniger Raum ein und verschieben den Fokus auf das 20. Jahrhundert. Ausdrücklich möchten sie den einseitigen produktionszentrierten Fokus in der Literatur, das dominante Interesse an Innovation und den Technik schaffenden Erfindern und Ingenieuren, korrigieren und die Technik nutzende und interpretierende Gesellschaft in den Mittelpunkt stellen. Sie fragen eher nach Wahrnehmungen und Deutungen der Industrialisierung (Hård und Jamison, Misa), ihren kulturellen Aneignungen und Folgen wie Arbeitsbedingungen und Disziplinierung (Heßler, Metz, Schwartz Cowan), Mobilität(smanie) (Hård und Jamison, Heßler), Wirkung auf Kunst und Architektur (Misa, Hård und Jamison) und Umgang mit Information, Kommunikation und Unterhaltung (Heßler, Hård und Jamison, Schwartz Cowan). Diese Ansätze haben ohne Frage das Spektrum technikhistorischen Fragens erweitert und die Aufmerksamkeit auf diskursive Ebenen von Technik gelenkt, die in der produktionsorientierten Literatur wenig Beachtung fanden.

Narrative, Erzählstrukturen, Schwerpunkte

Auffällige Unterschiede zeigen die englischsprachigen und deutschsprachigen Einführungen und Darstellungen. Die amerikanische Tradition legt erkennbar mehr Wert auf das Erzählen von Technikgeschichte. Einführungen wie die von Schwartz Cowan, Pursell und Misa bestehen aus einer kohärenten Erzählung. Pursells und Schwartz Cowans Erzählungen zeichnen sich durch eine souveräne und eingängige Auswahl und Darstellung ihrer Themen aus, die auch Raum für viele Details und Differenzierungen lässt. Sie zählen aus meiner Sicht zu den am besten lesbaren Darstellungen und sind auch für europäische Leser empfehlenswert, da sie viele vergleichende Perspektiven öffnen und weit mehr anbieten als national orientierte Narrative. Ihre Stärke besteht in der Anschaulichkeit der Darstellung, die strukturelle Veränderungen im Großen auf die Lebenswelt im Kleinen herunter zu brechen sucht, indem etwa individuelle Akteure beispielhaft in ihren Lebenswelten beschrieben werden. Auch Misa, der ein weitaus größeres Feld, nämlich die gesamte westliche Welt seit der Renaissance, berücksichtigt und schablonenhafter vorgehen muss, wählt mit großem Geschick einzelne Episoden aus der Geschichte und aus verschiedenen Weltregionen aus, die er zu einer chronologisch gegliederten Erzählung zusammenfügt. Ein Merkmal der Erzählstruktur dieser Autoren ist die konsequente Beibehaltung einer einzigen Erzählebene. Das Narrativ wird nicht, wie beispielsweise bei den komplexeren Darstellungen von Hård und Jamison oder Heßler, durch Hinweise auf andere Autoren, Interpretationen oder historiographische Konzepte durchbrochen. Sie erzählen einfach, aber immer reflektiert, Geschichten. Über historiographische Methoden und Debatten, die gerade in der Technikgeschichte eine große Rolle spielen, erfährt man andererseits nichts.

Die deutschsprachigen Einführungen räumen dem Erzählen von Technikgeschichte, oft auch gebunden durch Vorgaben der Verlage oder der Reihen, in denen sie erschienen sind, deutlich weniger Raum ein.9 Popplow präsentiert keine chronologische Erzählung der Technik des Mittelalters, sondern gibt einen soliden systematischen Überblick über Orte der Technik (wie Kloster, Schlachtfeld, Werkstatt, Hof) sowie Innovationsprozesse (wie Transport und Handelswege, Militärtechnik, Handwerk, Landwirtschaft, Mühlenwesen, Bergbau, Kirchenbau) und ihrer materiellen, sozialen und ideellen Kontexte. Besonders gut gefällt an Popplows Darstellung, dass er auch einen Einblick in Forschungsmethoden und Forschungsstand und die Probleme und Herausforderungen mittelalterlicher Technikgeschichte sowie über verbreitete Fehlinterpretationen gibt. Kleinschmidt, König und Liedtke liefern informationsreiche, gedrängte Übersichten auf gut 70, etwa 100 respektive 200 Seiten mit deutlich mehr Distanz zu den historischen Akteuren als bei Pursell oder Schwartz Cowan. Kleinschmidt und König gewinnen dadurch Raum für zusätzliche Informationen über das Fach Technikgeschichte, eine Einordnung der Technikgeschichte in das System der Wissenschaften und einen Abschnitt über Theorien der Technikgeschichte bei König beziehungsweise ein Kapitel über „Grundprobleme und Tendenzen der Forschung“ bei Kleinschmidt.10 Die Informationsdichte dieser Darstellungen wird damit sehr hoch, während Lesbarkeit, Anziehungskraft und Spannung dahinter zurückstehen. Die Autoren fühlen sich mehr solider akademischer Produktion und Schreibtradition als der fesselnden Unterhaltung ihrer Leserschaft verpflichtet.

Die Einführung von Gleitsmann et al. fällt hier aus dem Rahmen, da sie gar keine technikhistorische Erzählung oder Übersicht bietet, sondern Aufgaben, Methoden und Interpretationsansätze des Fachs Technikgeschichte beschreibt sowie zwei Drittel des Buches der Geschichte des Faches widmet.11 Der historischen Reflektion des Faches gelten auch die von König herausgegebenen Basistexte (König 2010). Eine Einführung ist dieses Buch nicht und soll es auch nicht sein. Es bietet vielmehr eine chronologisch geordnete Sammlung von zentralen Aufsätzen aus der Geschichte der Technikgeschichte von Matschoss bis Hughes, denen einleitend eine historische Übersicht des Herausgebers vorangestellt ist. Lesern, die an der Geschichte des Faches interessiert sind, bietet sich damit eine anregende Anthologie. Es fällt allerdings auf, dass die wichtige Traditionslinie der ostdeutschen Technikgeschichte vollkommen fehlt – hier muss man auf die bewährte Darstellung von Weber und Engelskirchen (Weber/Engelskirchen 2000) zurückgreifen.

Erzählstrukturen und Darstellungsweisen, die Geschichtserzählung und reflektierende Metaebenen verbinden, etwa die Diskussion von Konzepten und Interpretationen in der Sekundärliteratur, kennzeichnen einen zweiten Typus der hier betrachteten Darstellungen, zu dem das Buch von Hård und Jamison sowie das von Radkau zählen. Wenn Hård und Jamison (und ebenso Heßler) gleich eingangs „a need for new stories“ feststellen, machen sie damit die Konstruiertheit von Erzählung und Interpretation und den Erkenntnisgewinn deutlich, der sich aus der kritischen Diskussion verschiedener Narrative ergibt. Diese Autoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine große Menge an Literatur verarbeiten, zahlreiche Konzepte, Bilder und Interpretationsfiguren bieten, aber auch die Lektüre zu einer Herausforderung machen. Hård und Jamison und stärker noch Radkau bieten einen großen Ideen- und Informationsreichtum, neigen aber auch zu einem assoziativen Schreibstil, der rasch zwischen verschiedenen Themen und Ebenen wechselt und es zeitweise dem Leser überlässt, eine Ordnung zu finden.

Ein ganz andersartiges, kritisch reflektierendes und zahlreiche Narrative und Interpretationen bietendes Buch hat Martina Heßler geschrieben. Sie präsentiert in einem systematischen Zuschnitt in acht umfassenden Kapiteln, die auch grob eine Chronologie repräsentieren, große Themenfelder wie industrielle Produktion, Technik im Haushalt, Mobilität, Kommunikation, Maschinen und Menschenbilder und technische Unfälle.12 Stärken dieses systematischen Ansatzes bestehen erstens darin, dass die Autorin große Fragen und Themen in den Blick nimmt, die in der detailorientierten chronologischen Geschichtserzählung weniger sichtbar werden. Zweitens nutzt sie in einem Maße wie kein anderer Autor die philosophische und sozialwissenschaftliche Literatur über Technik, die sie ebenso zahlreich wie souverän und immer gut lesbar ins Feld führt, um wichtige Konzepte oder Fragestellungen zu entwickeln und zu erläutern.13 Es ist ein Kennzeichen ihrer Themenfelder, dass sie große Fragen aufwerfen: Was bedeutet technische Rationalisierung für das Leben der Menschen (Kap. 3)? Was heißt es, wenn technischer Wandel von der intimsten Sphäre des Menschen, seinem Zuhause, Besitz ergreift (Kap. 4)? Welche Auswirkungen hat die neuartige Kultur der Bewegung (Sombart), die dramatisch gestiegene Mobilität (Kap. 5) oder die Technisierung der Kommunikation auf Leben und Gesellschaft (Kap. 6)? Wie lässt sich das Phänomen der Beschleunigung des technischen und kulturellen Wandels fassen (ebenfalls Kap. 5 und 6)? Durch Heßlers Zugang wird weitaus deutlicher fassbar als durch andere Darstellungen, dass zum Beispiel Computertechnik und Kommunikationsmedien die gesamte Lebenswelt und gesellschaftliche Verfasstheit, die Wahrnehmungen und sozialen Beziehungen, ja den Menschen selbst massiv verändert haben.

Interpretationen

Geschichtsschreibung ist immer Deutung. In der Technikgeschichte ist es eine besondere Herausforderung, Deutung und historisches Verständnis der tiefgreifenden technischen Transformationen zu bieten, die insbesondere seit der Industrialisierung ein dramatisches Ausmaß und Tempo angenommen haben. Das große Interesse an der Geschichte der Industrialisierung und ihrer Folgen ist damit zu erklären, doch die historischen Voraussetzungen der Industrialisierung reichen weit zurück, nach Metz und Popplow bis ins europäische Mittelalter. Produktionsorientierte Ansätze zeigen ein besonderes Interesse an den ökonomischen, institutionellen und materiellen Antriebskräften technischen und gesellschaftlichen Wandels. Kulturhistorische Ansätze versuchen auch mentale und kulturelle Voraussetzungen zu beschreiben und interessieren sich besonders für die kulturellen Folgen des technischen Wandels. Der hier betrachtete Korpus an Büchern bietet eine Vielzahl an Interpretationen, von denen einige beispielhaft beleuchtet werden sollen.

Es ist sicherlich kein Zufall, dass Metz und Popplow ihr Interesse am Mittelalter ausdrücklich begründen, während die mit späteren Epochen einsetzenden Darstellungen überwiegend keine Begründung für ihre Auslassungen bieten. Popplow sieht im Mittelalter eine „Epoche tief greifender technischer Wandlungen“ (S. 15 f.), die sich überdies nicht trennscharf von der Frühen Neuzeit abgrenzen lässt. „Vieles mag sogar dafür sprechen, von kontinuierlichen Entwicklungslinien auszugehen, die bis zum Einsetzen der Industrialisierung reichen“ (S. 116). Er stellt fest, „dass eine ganze Reihe von technischen Innovationen des europäischen Mittelalters […] mit auffälliger Konsequenz weiterentwickelt wurden“. Diese Dynamik beschreibt er als ein „kontinuierliche(s) ‚Aufschaukeln‘ technischer Entwicklungen“, das nicht zuletzt dadurch wirksam werden konnte, weil „Europa seit dem Zerfall der karolingischen Zentralmacht durch miteinander auf engem Raum konkurrierende Machtzentren gekennzeichnet war“ (S. 121). Die europäische Geschichte der Neuzeit baute laut Popplow gerade in technikhistorischer Hinsicht auf das Mittelalter auf. Handwerk, Ingenieursarbeiten und Entdeckungsfahrten gründeten auf im Mittelalter hervorgebrachten Techniken. Auch Metz misst dem europäischen Mittelalter eine zentrale Bedeutung für die Ausweitung einer technischen Kultur bei. Er beschreibt eine „Ethosverschiebung“ im Mittelalter, die mit der Bevölkerungszunahme, der Entwicklung der europäischen Stadt, dem Aufstieg des zünftischen Handwerks und grundlegenden Innovationen wie der Räderuhr und dem Buchdruck verbunden war und darin bestand, dass die Arbeit, Zeitbewusstsein und Arbeitsdisziplin eine neue soziale Bedeutung und Wertschätzung erhielten und den „Übergang zur modernen Ordnung der Arbeit“ einleiteten (S. 55). Technik half, die Mühsal der Arbeit zu vermindern, und trug gleichzeitig dazu bei, das Bewusstsein zu verändern. Mit der Uhr „war die Präzision in die Mechanik gekommen und damit die Genauigkeit in den Arbeitsprozess“ (S. 50). Dass diese Wandlungsprozesse überhaupt möglich waren, hing nach Metz damit zusammen, dass Quellen der Macht in Europa, die Verfügung über das Mehrprodukt, die Verfügung über Gewaltmittel und die Verfügung der Ordnung des kollektiven Bewusstseins „nie in einer Instanz vereinigt waren“. Metz schreibt auch von einem „‚lockeren‘ Gefüge der europäischen Zivilisation“ (S. 108).

Misa sowie Hård und Jamison setzen an diesem Punkt an und stellen in der Frühneuzeit erkennbare gesellschaftliche und ideologische Bedingungen an den Anfang ihrer Interpretationen. In Misas Erzählung stellte vor allem die Kultur der Höfe die Ressourcen für künstlerische, wissenschaftliche und technische Entwicklungen, die als Herrschaftssymbole dienten, zur Verfügung. Hård und Jamison präsentieren die zentralen Konzepte ihrer Deutung bereits im Titel. Mit den Begriffen „hubris“ und „hybrids“ versuchen sie, tiefere Ursprünge technischen Wandels zu charakterisieren. Hybris beinhaltet das Interesse an und die Bereitschaft zu Veränderung, die Geringschätzung des bewährten Alten zugunsten des Neuen. Das Neue wiederum entsteht durch die Zusammenführung unterschiedlicher Elemente, durch hybride Konstellationen, Strukturen und Kombinationen von Wissen und stofflicher Welt: „only by becoming hybrids, combining the human and the nonhuman, the technical and the social, are we able to make effective use of our scientific and technological achievements” (Hård/Jamison 2005: xiii). In ihren an Informationen und Details reichen Kapiteln präsentieren sie zahlreiche Entwicklungen, die sich als Ergebnis von „hubris“ und „hybrids“ beschreiben lassen, wenngleich diese Deutung manchmal arg schematisch wirkt. Demnach war es Hybris, die viele Akteure der wissenschaftlichen Revolution im 16. Jahrhundert antrieb, der Industriellen Revolution den Weg bahnte und gleichermaßen gegenwärtige Regierungen dazu führt, enorme Summen in Informationstechnologien oder Lebenswissenschaften zu stecken. Das 20. Jahrhundert charakterisieren sie als ein „Zeitalter der Hybris“ (Hård/Jamison 2005: 6 und 97).

Auch wenn Robert Friedels Buch von 2007 nicht Bestandteil dieser Besprechung ist, verdient es an dieser Stelle Erwähnung. Während Hård und Jamison den Begriff „Hybris“ als leitendes Interpretationskonzept verwenden und mit den negativen Konnotationen des Begriffes spielen, setzt Friedel dem das ähnlich umfassende, aber positiv konnotierte Konzept „culture of improvement“ entgegen. Friedel versteht darunter „the ascendancy of values and beliefs permeating all levels of society that ‚things could be done better‘ (Friedel 2007: 2). Mit diesem „focus on improvement” versucht Friedel verständlich zu machen „what was distinctive about Western technological culture […] including its enormous capacity for expansion and dominance“ (S. 4). Keiner der Autoren spricht dabei explizit einer normativen Geschichtsbetrachtung das Wort. Doch insbesondere die Schlusskapitel, „Toward cultural assessment“ bei Hård und Jamison und „The corruption of improvement“ und „Improvement’s end“ bei Friedel tragen deutlich einen normativen Impetus in die Technikgeschichte. „Hybris“ und die „culture of improvement“ haben zunehmend neue Probleme hervorgebracht. „In the years between the world wars, science and technology became ‚problems‘ to an extent never so widely recognized“, schreibt Friedel. In den 1970er Jahren beobachtet er „a remarkable confluence of forces that collectively cast into doubt the once ascendant culture of improvement” (Friedel 2007: 540, 541 und 537).

Joachim Radkau hat mit einer Neuauflage seiner 1989 erschienenen Gesamtinterpretation der Technik in Deutschland die Wendung von positiver zu negativer Wertung besonders abrupt vollzogen. Er präsentiert seine bekannte These der deutschen ‚Langsamkeit‘. Danach sieht er die Vorsicht und Bedächtigkeit deutscher Unternehmen in Hinsicht auf technische und betriebliche Innovation als die Grundlage für ein stabiles „deutsches Produktionsregime“ und den Erfolg deutscher Technik im 19. und 20. Jahrhundert an. Das Neue in der Neuausgabe besteht darin, dass Radkau in den letzten zwei Jahrzehnten eine zunehmende Auflösung des bewährten deutschen Produktionsregimes durch einen „radikalen Antitraditionalismus“ (Radkau 2008: 423) und „Rückfall in die Glücks- und Raubrittermentalität des Frühkapitalismus“ (ebd.: 419) zu beobachten meint (siehe auch Wengenroth 2009).

Schwartz Cowan und Heßler betonen ebenfalls die Bedeutung kritischer historischer Reflexion, enthalten sich aber wertender Urteile. Schwartz Cowan entwirft eine Geschichte zunehmend komplexer Strukturen und Welten. Im ersten Kapitel, in dem sie den Transfer europäischer Technik nach Nordamerika durch die europäischen Siedler schildert, deutet sie ihr Thema an. „Most Europeans could not live as the Indians could, ‘unencumbered by utensils’. In order to farm, a European husbandman needed a plow; and in order to maintain the plow, he needed a blacksmith.” Der Schmied wiederum war auf Eisen angewiesen, das Eisenhütten produzieren mussten, und auf Kaufleute, die ihm das Eisen zugänglich machten. Letztere brauchten Wagen, Transportwege, Packer et cetera. „There was no level of European life into which such networks of social and technical dependency did not spread” (Schwartz Cowan 1997: 15). Viele Kapitel später heißt es: „People are complex, so are the technological systems that they have created – and so is history“ (ebd.: 222). Historische Entwicklung erweist sich als Entstehung zunehmend komplexer Strukturen.

Ein ähnliches Bild zeichnet Heßler mit ihrem lebensweltlichen Ansatz, der vor allem die kulturellen Folgen beschleunigten technischen Wandels und zunehmend komplexer Lebenswelten in den Blick nimmt. Ein Beispiel ist die Dualität von Disziplinierung und Eigensinn. Der technische Wandel habe die gesellschaftliche Disziplinierung fundamental vertieft, da diese „nicht nur durch Vorschriften, Regeln, Aufsicht und räumliche Ordnung“ durchgesetzt wurden, sondern maßgeblich durch die Anforderungen und Taktung des Arbeitsrhythmus der Maschinen (S. 46 f). Doch der perfekt in rationale Ordnungssysteme eingebundene Mensch blieb Fiktion, da technischer Wandel und zunehmende Komplexität auch Räume für „Eigensinn“ (Alf Lüdke) schufen. Ein weiteres Beispiel ist die „Wahlverwandschaft von Moderne und Mobilität“ (Christoph Asendorf). Technologien wie Eisenbahn und Telegrafie erlaubten „erstmals mittels Technik die menschliche und tierische Geschwindigkeit“ zu überholen und „veränderten Wahrnehmung, Erfahrungen und Praktiken des Alltags sowie Raum- und Zeitkonzepte“ (Heßler 2012: 118).

Abschließend sollen zwei Interpretationen vorgestellt werden, die als anspruchsvolle Gesamtinterpretationen der Technik in Nordamerika (Pursell) und der Technik in der westlichen Welt (Metz) gelten dürfen. Sie sind von Interesse, weil sie in besonderem Maße versuchen, Technikgeschichte in allgemeine Geschichte aufgehen zu lassen und eine eigene, umfassende Geschichtsinterpretation zu bieten. Beide Autoren verbinden das Interesse an produktionsorientierter Geschichte mit dem Interesse an einer Kulturgeschichte der Technik. Pursell schreibt im Grunde eine zusammenhängende Geschichte der Technik, Gesellschaft und Kultur der USA, Metz schreibt eine umfassende Geschichte der westlichen Welt.

Pursell ist ein ausgezeichneter Erzähler, der zahllose Geschichten und historische Details mit großer Sorgfalt aneinander fügt, so dass Themen- und Perspektivwechsel fast unmerklich vollzogen werden, ohne den Erzählfluss stocken zu lassen. Der Rahmen seiner Interpretation wird bereits durch die Titel der fünf Teile seines Buch abgesteckt: „The Transit of Technology“, „The Domestication of the Industrial Revolution”, „The Imprint of American Technology”, „Technology and Hegemony” und „Globalization”. Die Aneignung europäischer Technik führte zur Ausformung einer amerikanischen Variante technischen Wandels, der an Konsequenz und Dynamik Europa bald hinter sich ließ, hegemoniale Wirkung entfaltete, im 21. Jahrhundert aber an seine Grenzen stieß. Eindrucksvolle Kapitel schildern zum Beispiel die Erschließung des amerikanischen Westens, die Verbreitung technischen Wissens in Nordamerika und den globalen Export technischen Wissens zur Ausbeutung von Ressourcen und der Festigung ökonomischer und imperialer Ziele. Im Zuge von Depression, Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg stellt er die Aktivierung des Staates als technikpolitischen Akteur vor. Auch die junge Geschichte des neuen Jahrtausends fängt Pursell in einem neuen Kapitel überzeugend ein. Die militärische Großtechnik vergangener Jahrzehnte habe seiner Deutung nach dramatisch an Bedeutung eingebüßt, da ein „postmodern shift of power to the periphery and away from the center“ erfolgt sei (S. 349). George W. Bushs „long war for American empire“ als Antwort auf 9/11 demonstriere eher Ohnmacht als Macht. „That decision cost hundreds of billions of dollars in arms, the goodwill of much of the world, and a portion of the very civil liberties for the protection of which Americans were presumably fighting” (S. 353). Hervorzuheben sind an diesem Buch auch die hervorragend gewählten zahlreichen Abbildungen, die die Darstellung ausdrucksstark ergänzen.

Mit dem Buch von Karl Heinz Metz gelangen wir zu einem gleichermaßen sonderlichen wie besonderen Buch. Metz gelingt eine – wie ich finde anregende – Provokation für das Fach Technikgeschichte. Erstens wagt er sich als verdienter Historiker an eine sehr ehrgeizige Gesamtschau und -deutung der Technikgeschichte (zwischen zwei Buchdeckeln vielleicht die umfassendste ihrer Art), und das meines Wissens, ohne bisher je im Fach sichtbar oder an Entwicklungen des Faches beteiligt gewesen sein. So schert er sich auch kaum um neuere fachliche Diskussionen, Konzepte und Perspektiven. Auch scheut Metz sich nicht, Akteure in großzügig verallgemeinernden anonymen Kategorien („die Technik“, „das Mittelalter“, „das Handwerk“) unsichtbar zu machen oder solche Kategorien als Akteure seiner Erzählung zu personifizieren. Drittens steht er mit einem expliziten Eurozentrismus, einer Rhetorik von Fortschreiten und Fortschritt, zahlreichen spekulativen Interpretationen sowie nicht zuletzt handwerklichen Mängeln dem gegenwärtigen Stand historischer Methodik eher fern (siehe auch Wengenroth 2007).

In mancher Hinsicht ist dieses altertümlich anmutende Buch jedoch sehr modern. Metz schafft es erstens, eine kohärente Geschichtserzählung zu entwerfen, die die Technik in ihren Wechselbeziehungen mit Kultur darstellt und analysiert. Als Historiker ist er vor allem interessiert an kulturellen Prozessen, aus denen heraus allein ein Verständnis von Technik und kulturellem Wandel möglich wird. Er zeigt, dass Technik nicht nur die Verfügbarmachung der Natur und ihrer Ressourcen bedeutete, sondern auch die Verfügbarmachung der Gesellschaft. Und dieser Prozess begann nach Metz nicht erst mit der Industriellen Revolution, sondern bereits im europäischen Mittelalter. Zweitens hat Metz Interesse an großräumigen Strukturen, Verflechtungen und Austauschprozessen, das der (ebenfalls spürbaren) Faszination für das einzelne Artefakt übergeordnet ist. Er richtet seinen Blick sowohl auf die materielle und ökonomische wie auf die diskursive Realität von Technik. Zentrale Konzepte in Metz‘ Deutung kulturellen Wandels sind die Begriffe „Ablösung“, „Entbindung“, „Linearisierung“ und „Disziplinierung“. „Ablösung“ und „Entbindung“ stehen für Befreiung von den Einschränkungen durch Herrschaftssysteme und durch Grenzen der Natur, etwa die Schaffung einer menschgemachten Ordnung und Umwelt oder des Menschen als autoevolutiven Wesen, aber auch zahllose Phänomene der Anonymisierung und Entfremdung. Sie stehen zugleich aber auch für soziale Entbindung „in einer sich zerfasernden Gesellschaft, in der die Vorläufigkeit, die kurze Verfallszeit von Informationen, Produkten, Beziehungen bestimmend geworden ist“ (S. 340) oder für die „Abspaltung der Natur als Ressource der Technik von einer Natur als umfassender Lebenswelt“ (S. 519). Als „Linearisierung“ versteht Metz den Ausbruch aus Kreisläufen natürlicher Prozesse zu linearen Entwicklungen in neue technische und kulturelle Formationen. Dazu zählt Metz Entwicklungen wie Mechanisierung der Produktion, Wachstum und Beschleunigung. Massenproduktion, Massenkonsum, Massenmobilisierung, Massenvernichtung. Nicht minder wichtig ist die „Disziplinierung“ als Entstehung eines neuen Arbeitsethos, Anpassung an neu geschaffene äußerliche Ordnungsrahmen, Standardisierung, Taktung der Zeit, „Pathos der Arbeit“.

Stagnation oder Aufbruch in der Technikgeschichte

Abschließend möchte ich einige Beobachtungen und Schlüsse zusammenfassen und versuchen, knappe Antworten auf die einleitend gestellten Fragen nach erstens, den Themen der Technikgeschichte, zweitens, den Traditionslinien und methodischen Konzepten und drittens nach den Angeboten der Technikgeschichte für andere Fächer zu geben. Im Unterschied zu früheren enzyklopädischen Darstellungen wie in der Propyläen Technikgeschichte, bei Buchheim und Sonnemann (1990) oder Brentjes, Richter und Sonnemann von 1987, die alle historischen Epochen abdecken, haben alle hier betrachteten Autoren eine gleichmäßige Gewichtung der historischen Epochen aufgegeben, setzen überwiegend nicht vor der Renaissance oder sogar deutlich später ein und konzentrieren sich auf jene Epochen, die als wichtig für ein Verständnis des Weges in die industrielle Moderne gelten.14 Einerseits mag dieser Befund ein gewachsenes Interesse an der Herausarbeitung technischer und gesellschaftlicher in die Gegenwart führender Strukturen und Zusammenhänge zeigen, deren Erkenntniswert als höher eingeschätzt wird als ein eher enzyklopädisches Verständnis der Technik weit zurückliegender Epochen. Andererseits mag er die zunehmende Notwendigkeit spiegeln, Forschungs- und Bücherthemen durch einen Nutzen für die Gegenwart zu legitimieren, was für ferner liegende Epochen weitaus schwieriger ist und zu einer verstärkten Häufung der Interessensschwerpunkte in der neuen und neuesten Geschichte beiträgt.

Industrielle Revolution und Industrialisierung werden von allen hier betrachteten Autoren, die das 19. Jahrhundert thematisieren, als zentrale historische Phänomene angesehen, um die moderne Gesellschaft und ihre conditio humana zu verstehen. Ein so tiefgreifender technischer und gesellschaftlicher Wandel, dem überdies – darin sind sich die meisten Technikhistoriker einig – eine zunehmende Beschleunigung eigen ist, bedarf in besonderem Maße der Einordnung und Bewältigung und findet folglich, so steht zu vermuten, auch in besonderem Maße und leichter als andere Themen das Interesse einer breiten Leserschaft. Die Industrialisierung erscheint als ein Angelpunkt der Technikgeschichte, wie sie auch Ausgangspunkt für die Entstehung des Faches war. Technik, so schreibt Heßler, wurde im 19. Jahrhundert zu einer „Zentralkategorie der Selbstdeutung des Menschen“ (S. 22).

Die Wahrnehmung der Industrialisierung und des mit ihr einsetzenden und andauernden raschen technischen und gesellschaftlichen Wandels als Angelpunkt der Technikgeschichte hat wichtige Konsequenzen. Erstens kommt die Technikgeschichte im Blick auf die Technik kaum umhin, Entwicklung zu konstatieren, die eine sich ständig im Wandel befindende Kultur hervorgebracht hat, in der Wandel wieder Wandel erzeugt. Pursell beschreibt dies anschaulich am Beispiel der Dampfmaschine, die die Herstellung qualitativ besseren Eisens ermöglichte, der seinerseits bessere Dampfmaschinen zu bauen erlaubte et cetera. Wenngleich die hier berücksichtigten Autoren sich mehr oder weniger deutlich von einfachen Fortschrittsnarrativen distanzieren, so schildern sie gleichwohl auf vielen Ebenen eine Geschichte des Weiterentwickelns und Fortschreitens (unabhängig davon ob sie es positiv, negativ oder gar nicht bewerten). Thomas Parke Hughes (1989) hat die moderne Technik als Kern einer „American Genesis“ im 20. Jahrhundert beschrieben und für den allzu positiven Blick auf die technische Entwicklung Kritik erfahren. Jüngere Autoren bevorzugen eine kritischere Perspektive auf die moderne Technik. Doch Wendungen technikhistorischer Interpretationen wie die von Radkau vom bewährten deutschen Produktionssystem zu dessen Auflösung oder von Friedel von der „culture of improvement“ zu „corruption of improvement“ und „end of improvement“ demonstrieren umso deutlicher die fortdauernde Wirkung von Fortschrittsnarrativen. Erfolgs- wie Misserfolgsgeschichten, Fortschritts- wie Rückschrittsnarrative, implizieren ein Konzept von Fortschritt. Selbst Geschichten technischen Wandels, die sich der Bewertung enthalten, bleiben nicht neutral. Für die Technikgeschichte ist es schwieriger als für andere Felder, sich dem von den Technikwissenschaften gepflegten und in den Geisteswissenschaften verpönten Fortschrittsparadigma zu entziehen.

Zweitens haben die Industrialisierung und ihre Folgen ihren Ausgangspunkt in Europa. Es ist kein Zufall, dass Friedel über „Technology and the Western Millenium“, Metz über „Technik in der westlichen Zivilisation“ schreiben (so die Untertitel ihrer Bücher) und Pursell und Schwartz Cowan ihre Erzählungen mit Technik aus Europa beginnen. Die Technikgeschichte anderer Weltregionen bietet viele neue Fragen und Geschichten, führt aber für die Epochen seit der Neuzeit unvermeidlich auch auf Wechselwirkungen mit und Imperialismus durch europäische beziehungsweise westliche Technik zurück (z. B. Pacey 1990; MacLeod und Kumar 1995; Edgerton 2007; Headrick 2009). Eurozentrismus und westliche Voreingenommenheit haben nicht nur mit Dominanz westlicher Autoren und übersteigerter kontinentaler Selbstbezogenheit zu tun, sie liegen – ähnlich wie in der Wirtschaftsgeschichte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, aber anders als in der Umweltgeschichte, die bereits viel aktiver und sehr erfolgreich alle Weltregionen erkundet – nicht zuletzt im bisher weitgehend geteilten Verständnis vom Gegenstand der Technikgeschichte begründet, der somit in dieser Hinsicht ein gewisser Konservatismus inhärent ist. Allerdings deutet sich ein Aufbruch zu neuen Fragen und Geschichten an, die andere Kontinente und Regionen stärker in den Blick nehmen (Edgerton 2007).

Schließlich ist eine den Geschichtswissenschaften eigene Problematik zu erwähnen, die für den Fall der Technikgeschichte die Wahrnehmung und Beschreibung der Schlüsselepisode der Industrialisierung und ihrer Folgen betrifft. Gemeint ist das sich selbst reproduzierende Gewicht von dominanten Narrativen, hier dem Masternarrativ der Industrialisierung, das produktionsorientierte Perspektiven (Antriebskräfte der industriellen Transformation) wie kulturhistorische Perspektiven (kulturelle Folgen der Industrialisierung) gleichermaßen betrifft. Mit jedem neuen Buch zur Industrialisierung und ihren Folgen wächst das relative Gewicht dieser Literatur weiter an und damit auch die Sichtbarkeit dieses Themas. Der Kanon der behandelten Themen – Werkzeugmaschinen, Textilindustrie, Kohlebergbau, Stahlindustrie, Eisenbahn, Automobil, Flugzeuge und Kernenergie mit ihren gesellschaftlichen und kulturellen Wirkungen – reproduziert sich selbst und macht im schlimmsten Fall blind für andere Perspektiven. David Edgertons berechtigte Frage, „Is the condom more significant in history than the aeroplane?” (2007, S. 1), verweist auf – nicht zuletzt durch gängige Masternarrative – eingeschränkte Perspektiven. Vor diesem Hintergrund bekommt die Forderung von Hård und Jamison sowie Heßler nach neuen Geschichten (und neuer Geschichte) besondere Dringlichkeit. Es ist nicht vorherzusagen, wo diese Geschichten liegen und welche Richtungen einzuschlagen sind. Einige Vorschläge sind aus dem vorliegenden Korpus von Büchern jedoch herauszulesen.
  1. 1.

    Anschlussfähige Narrative und intellektueller Austausch: Radkau sieht die Herausforderung der Technikgeschichte darin, „anschlussfähig an die ‚Mainstreams‘ der Geschichtsforschung“ zu sein. Dafür sei eine „andere Geschichte“ erforderlich, nämlich – so Radkaus Vorschlag – „eine Geschichte der Technikanpassung an unterschiedliche nationale und regionale Bedingungen“, die „viel mehr Blick für die Details“ aufbringt (S. 9). Historiker wie Pursell und Metz bemühen sich um Anschlussfähigkeit, indem sie auf die allgemeine Geschichte zurückgreifen und Technikgeschichte in den Dienst einer allgemeinen Geschichtsdeutung stellen. Andere Autoren suchen Anschlussfähigkeit an die Soziologie oder gar an die Technikwissenschaften. König richtet seine Einführung ausdrücklich auch an Vertreter anderer Disziplinen (2009: 7). Anschlussfähigkeit an viele verschiedene Fächer lässt sich gewiss nicht mit einem Zugriff leisten, aber je unterschiedliche Angebote für andere Disziplinen hat die Technikgeschichte seit jeher gemacht. Diese auch sichtbar und wirksam zu machen setzt nicht allein anschlussfähige Narrative, sondern auch wirksamen Austausch voraus. Wichtig ist es daher, einer institutionellen Inselbildung entgegen zu wirken und nicht nur Narrative, sondern auch Forschungsaktivitäten und Menschen, das heißt Vertreter der verschiedenen Disziplinen zu verbinden.

     
  2. 2.

    Neue Geschichten: Vor allem kulturhistorische Ansätze haben zuletzt für andere Perspektiven und neue Geschichten gesorgt. Diskurse (wie Gugerli 1996), Medien (wie Bösch 2011), Mobilität (wie McCarthy 2007; Weber 2008) sowie Verflechtung und Infrastruktur15 sind nur einige Beispiele. Als weitgehend offenes und noch zu erschließendes Feld bietet sich eine transnationale und globale Technikgeschichte dar, die auch nicht-westlichen Regionen und lokalen Aneignungsprozessen und Deutungen von Technik Aufmerksamkeit schenkt und damit hilft, einseitig eurozentrische Perspektiven zu überwinden (wie etwa Edgerton 2007; Headrick 2009; vgl. Carlson 2010). Für weitere Geschichten ist somit das Feld bereitet.

     
  3. 3.

    Neue Synthesen: Die neuen Fragestellungen und Perspektiven, die die Kulturgeschichte der Technik hervorgebracht hat, haben tendenziell eine Zweiteilung der Technikgeschichte in eine produktionsorientierte Technikgeschichte und in eine verwendungsorientierte Kulturgeschichte der Technik zur Folge gehabt. Wenngleich König den Zusammenhang beider Perspektiven betont, „ohne Produktion keine Konsumtion und ohne Konsumtion keine Produktion“ (König 2008: 13), so ist damit jedoch noch kein methodischer Weg aufgezeigt, beide Perspektiven in kohärenten Narrativen zu vereinigen. König behandelt dementsprechend beide Perspektiven in separaten Abschnitten (mit dem größeren Gewicht auf der produktionsorientierten Perspektive). Neuere Ansätze versuchen, eine solche artifizielle Zweiteilung der Technikgeschichte zu überwinden, beispielsweise durch die Erfassung ganzer Produktzyklen von Konsumgütern (Sudrow 2010) oder durch ein Konzept wie „mediation junction“, das eine Brücke zwischen den Sphären der Produktion und der Konsumtion schaffen soll (Schot und de la Bruheze 2003; Oldenziel et al. 2005). Weitere technikhistorische Arbeiten und Synthesen, die produktions- und konsumorientierte Perspektiven zusammenführen, sind zu erwarten.

     
  4. 4.

    Große Fragen: Tom Misa hat vor einigen Jahren die Frage aufgeworfen, warum Wissenschafts- und Technikhistoriker sich vorwiegend auf die Mikroebene konzentrieren, aber kaum Verbindungen zur Makroebene sozialwissenschaftlicher Theorien herstellen. Er rief zu breiteren Ansätzen auf, Ansätzen „between the micro and macro levels that centers on longer duration of study, broad questions about historical processes [and] a comparative or even transnational framework” (Misa 2004: 258; vgl. auch Misa et al. 2003). Heßler hat gezeigt, dass die Technikgeschichte sich großen Fragen stellen sollte und kann.

     
  5. 5.

    Kritische Reflektion: Viele Technikhistoriker verstehen die Technikgeschichte als Fach, das ein kritisches Hinterfragen technischer und gesellschaftlicher Wandlungsphänomene leisten und zur Selbstvergewisserung und Orientierung der Gesellschaft beitragen soll. Hård und Jamison haben das am deutlichsten ausgedrückt, wenn sie eine „history as cultural assessment“ fordern (S. 293). Die Gesellschaft werde bombardiert mit neuen Technologien und technischen Ideen und daran geknüpften Heilsbotschaften. „Hubris is all around. One of the tasks of a cultural assessment of technology and science is to unravel, or deconstruct, such hype, to critically comment on the interest-promises that the dominant cultural formation and its propagandists bombard us with“ (S. 306). Schwartz Cowan richtet den Blick auch in die Zukunft und schlägt vor, folgende Lehre aus der Technikgeschichte zu ziehen: „technology is complicated; so is life; so is the history that we create as we live our lives together. Those of us who care about the future need to pay very close attention to these complexities.” (S. 326). Autoren wie Pursell, Misa, Heßler und Metz folgen auf je eigene Weise auf diesem Weg.

     
Die in den letzten Jahren lesbaren kritischen Einschätzungen zum Stand der Technikgeschichte von Gleitsmann et al. („Überlebenskampf“, „Identitäts- und Sinnkrise erster Ordnung“, S. 19) oder von Vertretern der Gründungsgeneration der Gesellschaft für Technikgeschichte anlässlich ihres zwanzigjährigen Bestehens („Provinzialität“, „Langeweile“, „Konformität“, „radikale Spießigkeit“, siehe Braun et al. 2011: 125 und 133), erscheinen angesichts der durch die hier betrachtete Auswahl repräsentierten Produktivität und inhaltlichen und methodischen Vielfalt des Faches sowie in Anbetracht der skizzierten Perspektiven für neue Geschichten doch maßlos übertrieben. Die besprochenen Bücher sind Ausweis dafür, dass die Technikgeschichte viel erreicht und – wichtiger noch – interessante Perspektiven entwickelt hat. Sie hat bereits heute viel zu bieten und wird auch in Zukunft wesentliche Beiträge zum historischen Verständnis der Gewordenheit des Menschen in der technisierten Lebenswelt beitragen und den Austausch mit anderen Disziplinen befördern können.

Fußnoten

  1. 1.

    Zu den wenigen Ausnahmen zählen Radkau 1989, Hughes 1989, Buchheim/Sonnemann 1990 sowie die fünfbändige Propyläen Technikgeschichte (König 1990–1992).

  2. 2.

    Weitere Gesamtdarstellungen hätten ebenfalls Berücksichtigung verdient, z. B. Bayerl 2013, Weitensfelder 2013, Carlson 2010, Headrick and Daniel 2009, Friedel 2007, Pursell 2005.

  3. 3.

    Mit anderen Worten: Die Technik in geschehener und in erzählter Vergangenheit.

  4. 4.

    König und Gleitsmann et al. sehen diese Definition auch heute noch als geeigneten Referenzpunkt für die Technikgeschichte an (König 2009: 56, Gleitsmann et al. 2009: 28–31, vgl. auch Heßler 2012: 17).

  5. 5.

    Zum Beispiel in den Diskussionen auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte 1995 in Schlaining, Österreich (Technikgeschichte – Ansätze und Selbstverständnisse, 1995).

  6. 6.

    Königs Darstellung berücksichtigt im Kapitel „Technik in der Konsumgesellschaft“ (das aber ebenfalls produktionsorientierte Abschnitte beinhaltet) auch kulturhistorische Zusammenhänge, räumt aber der Produktion eindeutig Priorität ein.

  7. 7.

    Vor allem die Auseinandersetzung mit der Technikgeschichte der Ingenieure hatte wichtige methodische Diskussionen motiviert (Ludwig 1964 und 1966, Hausen und Rürup 1977, Troitzsch und Wohlauf 1980, Technikgeschichte – Ansätze und Selbstverständnisse 1995). Seitdem diese Auseinandersetzung beendet und die Technikgeschichte der Historiker etabliert ist, scheint das Interesse an theoretischen Diskussionen in der deutschsprachigen Technikgeschichte nachgelassen zu haben. Während König jedoch eher eine kritischere Abgrenzung zu neuen theoretischen ‚Moden‘ anmahnt, scheint mir die aufgeschlossene Diskussion über methodische Konzepte und Zugänge wünschenswert.

  8. 8.

    Beispielsweise Kiesewetter 2004, Condrau 2005, Butschek 2006, Dressel 2010, Hahn 2011, Ziegler 2010, Landes 2003, Rider 2007, Wyatt 2009, Allen 2009, Mokyr Joel 2009, Griffin 2010, Stearns 2007.

  9. 9.

    König 2009 erschien als Teil der „Grundzüge der modernen Wirtschaftsgeschichte“, Kleinschmidt: in der „Enzyklopädie deutscher Geschichte“, Heßler bei den „Historische Einführungen und Popplow in der Beckschen Reihe Wissen.

  10. 10.

    Theorien- oder Methodenkapitel bei König, Heßler, Kleinschmidt oder Gleitsmann et al. umfassen meist eine Auswahl von Themen wie Technikbegriff, Invention und Innovation, Innovationssystem und Innovationskulturen, Technikstile und Technikkulturen, Technikdeterminismus, Technikfolgen und Technikgenese, Soziale Konstruktion der Technik, Pfadabhängigkeit und Momentum, Große technische Systeme und Netzwerke, Struktur-Akteurs-Theorien, Fortschritt und Modernisierung, Revolution und Evolution, Technik und Staat, Technikforschung, Technik und Bildung, Technologietransfer.

  11. 11.

    Dieses Buch (vor allem die ersten Kapitel) leidet leider sehr unter einem mangelnden wissenschaftlichen Lektorat. Formulierungen sind unpräzise und problematisch, Literaturverzeichnisse unsortiert, ein roter Faden schwer erkennbar (vgl. Zeller 2011). Studierenden ist es nicht als Einführungswerk zu empfehlen.

  12. 12.

    Online bietet sie, wie es bei den Historischen Einführungen von Campus üblich ist, zusätzlich ein Methodenkapitel sowie ergänzende Quellentexte.

  13. 13.

    Dazu zählen Soziologen wie Max Weber, Hans-Paul Bahrdt, Daniel Bell, Manuel Castells, Stephan Rammler, Hartmut Rosa, William Ogburn, Wolfgang Sachs, John Urry, Claude S. Fischer, Charles Perrow, Ulrich Beck, Ökonomen wie Adam Smith, Werner Sombart, Peter Drucker, Philosophen wie Donna Haraway, Don Ihde, André Gorz, Paul Virilio, Marshall McLuhan, René Descartes, Michel Foucault, Michael Polanyi, John R. Searle, Günter Anders, Anthropologen wie Bruno Latour, Sergio Moravia, Victor Turner und andere mehr.

  14. 14.

    Die begrenzte zur Verfügung stehende Seitenzahl mag ein guter Grund dafür sein, ist aber nicht hinreichend. Beispiele von „Big History“, die bis zu zwanzig Jahrtausende (das gesamte Holozän) umfassen (und sich überdies auch für Technik interessieren), gibt es mittlerweile in großer Zahl (etwa Roberts 1989, McNeill und McNeill 2003, Christian 2004), Daniel Headrick füllt für die Technikgeschichte der Welt von der Steinzeit bis zur Gegenwart nicht einmal 150 Seiten (Headrick 2009).

  15. 15.

    Beispielsweise die von Johan Schot und Philip Scranton herausgegebene sechsbändige Buchreihe „Making Europe: Technology and Transformations, 1850–2000“, die 2013 und 2014 erscheinen sollen.

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© Springer Basel 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Department of Physics and Astronomy, Centre for Science StudiesAarhus UniversityÅrhus CDenmark

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