Medizinische Klinik

, Volume 95, Issue 10, pp 545–547 | Cite as

Die medizinische Dissertation Eine Bestandsaufnahme aus der Sicht erfolgreicher und gescheiterter Promovenden

Eine Bestandsaufnahme aus der Sicht erfolgreicher und gescheiterter Promovenden
  • Markus Weihrauch
  • Andreas Weber
  • Reinhard Pabst
  • Dieter Weltle
  • Gerhard Lehnert
ORIGINALARBEIT

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Zahl der Medizinstudenten, die ihr Studium mit einer Dissertation abschließen, hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verringert. Um die Ursachen der “Promotionsmüdigkeit” deutscher Medizinstudenten zu analysieren, befragten wir sowohl erfolgreiche als auch gescheiterte Promovenden nach ihrer Einschätzung zum Stellenwert medizinischer Dissertationen und nach den individuellen Gründen, die zum Abbruch der Promotionsarbeit führten.

Befragte Personen und Methoden: Wir befragten in zwei repräsentativen Erhebungen erfolgreiche und gescheiterte Promovenden nach ihrer Einschätzung über Sinn und Unsinn einer Dissertation. Insgesamt konnten wir die Meinung von 321 Ärztinnen und Ärzten auswerten, von denen 181 promoviert und 140 ohne Titel waren.

Ergebnisse: Bei 96% aller Befragten bestand eine initiale Promotionsabsicht. 67% der nicht promovierten Befragten hielten eine Dissertation heute für nicht mehr zeitgemäß und entbehrlich. Die erfolgreichen Promovenden realisierten ihre Dissertation in 80% mit dem ersten Thema, sie bewerteten die Betreuung durch ihre “Doktorväter” als sehr gut bis gut. Die nicht promovierten Befragten berichteten über bis zu vier frustrane Promotionsversuche. In den meisten Fällen führten nicht private Gründe, sondern eine unzureichende Betreuung zum Abbruch der Promotion. Über 90% der erfolgreichen Promovenden bewerteten die Dissertation auch persönlich als sinnvoll; sie würden nachrückenden Kolleginnen und Kollegen ebenfalls zu einer Dissertation raten. Bei etwa einem Drittel der nicht promovierten Kolleginnen und Kollegen besteht auch heute noch Dissertationswunsch.

Schlußfolgerung: Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Stellenwert medizinischer Dissertationen hoch einzuschätzen ist. Daher sollten sie fester Bestandteil medizinischer Ausbildung und universitärer Forschung bleiben.

Schlüsselwörter Medizinische Dissertation Medizinische Ausbildung Wissenschaftliches Arbeiten 

Abstract

Background: The actual value of medical dissertations is under current discussion. Studies concerning medical dissertation focused on successful candidates only. Therefore, data about physicians without “MD” are still lacking.

Persons and Methods: We therefore performed a representative study of both, physicians with and without the “Dr. med.” degree. Using an anonymous questionnaire we asked for reasons to perform a doctoral thesis.

Results: A total of 321 questionnaires could be evaluated (successful candidates n = 181; unsuccessful candidates n = 140). Nearly 96% have attempted to perform a medical dissertation at the beginning of their studies. Only 4% never had this intention. However, 67% answered that writing a medical dissertation has no relevance in clinical practice. For 80% of the successful physicians, it was the first attempted dissertation, they judged the supervision as very good or good. Physicians who did not write a medical dissertation stated that deficits in planning and supervising were the main reason for prematurely breaking off. 90% of the successful dissertationists thought that it had been personally meaningful and recommended the procedure to younger physicians. However, two-third of the practicing physicians without “MD” still intend to write a thesis.

Conclusion: We conclude that the medical dissertation is highly rated in terms of personal and scientific value and should therefore remain a part of medical studies and science.

Key Words Medical dissertations Medical education Medical studies Scientific work 

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Copyright information

© Urban & Vogel München 2000

Authors and Affiliations

  • Markus Weihrauch
    • 1
  • Andreas Weber
    • 2
  • Reinhard Pabst
    • 3
  • Dieter Weltle
    • 2
  • Gerhard Lehnert
    • 2
  1. 1.Abteilung für Arbeitsmedizin, Zentrum Pharmakologie und Toxikologie, Medizinische Hochschule HannoverDE
  2. 2.Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-NürnbergDE
  3. 3.Abteilung Funktionelle und Angewandte Anatomie, Medizinische Hochschule HannoverDE

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