Prüfung einer Kurzskala zum Stresserleben bei CED-Patienten

  • Juliane Hardt
  • Katrin Balzer
  • Cathleen Muche-Borowski
  • Heiner Raspe
Kurzbeitrag

Zusammenfassung

Chronische Erkrankungen (z.B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen, CED) haben u.a. oft psychische Beeinträchtigungen zur Folge. Für CED ist bekannt, dass psychische Faktoren wie Stress erneute Krankheitsschübe mitbedingen. Die Früherkennung psychischer Beeinträchtigungen ist daher wichtig. Aus Survey-Daten von 1018 CED-Betroffenen wurde eine Kurzskala zum Stresserleben (3 Items) konstruiert und testtheoretisch validiert. Dieser Beitrag beschreibt die Kriteriumsvalidität in Bezug auf Wichtigkeit und Inanspruchnahme psychosozialer Versorgungsangebote. Mit der Stress-Skala konnten drei Gruppen (geringe, mittlere und hohe erlebte Stressbelastung) unterschieden werden. Patienten mit hohem Stresserleben sind jünger und häufiger erwerbstätig. Sie schätzen psychosoziale Unterstützungsangebote häufiger als wichtig ein und berichten auch häufiger eine Inanspruchnahme. Die tendenziellen Zusammenhänge zwischen Stresserleben und Arbeitsunfähigkeit erfordern weitere Analysen. Die Kurzskala zum Stresserleben gibt Hinweise auf die Bedürfnisse chronisch Erkrankter in Bezug auf psychosoziale Versorgungsangebote. Zur Prüfung eines Confoundings durch Alter und Erwerbstätigkeit sowie zur Analyse der arbeitswissenschaftlich interessanten Zusammenhänge zwischen Erwerbstätigkeit und Stresserleben sind multivariate Auswertungen geplant. Nach bisherigen Ergebnissen kann der Einsatz der Kurz-Skala in bevölkerungsbezogenen Surveys und arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen empfohlen werden.

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© Springer 2010

Authors and Affiliations

  • Juliane Hardt
    • 1
  • Katrin Balzer
    • 1
  • Cathleen Muche-Borowski
    • 1
  • Heiner Raspe
    • 1
  1. 1.Institut für SozialmedizinUniversität zu Lübeck/Universitätsklinikum Schleswig-HolsteinLübeckDeutschland

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