Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 91, Issue 1, pp 263–270 | Cite as

Über den Einfluß der Streunutzung auf den Stickstoffhaushalt von Kiefernbeständen (Pinus silvestris L.)

  • K. Kreutzer
Abhandlungen

Zusammenfassung

  1. 1.

    Die Stickstoffentzüge durch Streunutzungen betrugen in oberpfälzischen Kiefernwäldern wäldern während einer Umtriebszeit unter den Verhältnissen des vorigen Jahrhunderts (U=96, Streunutzung ab u/2, 6 bis 8 jährige Vorhege) bei jährlicher Entnahme 1100 bis 1700 kg N/ha, bei 3jährigem Rechturnus 950–1500 kg N/ha und bei 6jährigem Rechturnus 850 bis 1200 kg N/ha. Das entspricht durchschnittlichen jährlichen Entzügen von 9 bis 18 kg N/ha. Einmalige Streuentnahmen in langfristig geschonten Beständen entzogen rund 160 bis 230 kg N/ha.

     
  2. 2.

    Im gesamten Stickstoffhaushalt stehen die Stickstoffentzüge durch die früher übliche turnusmäßige Streunutzung weitaus an der Spitze der Ausgaben. Sie führten zu einer Stickstoffverarmung der Ökosysteme, deren Holzerträge deshalb einem Minimum zustrebten. Auf niedrigem Produktionsniveau pendelte sich ein ausgeglichener Stickstoffhaushalt ein, wie er in Kiefernbeständen IV. bis V. Bonität unter den Nutzungsverhältnissen des vorigen Jahrhunderts realisiert war.

     
  3. 3.

    Seit dem Aufhören der Streunutzung steigt der Stickstoffvorrat wieder an. Unter heutigen Verhältnissen liegt der durchschnittliche jährliche Stickstoff-Gewinn in mattwüchsigen Beständen bei rund 10 bis 13 kg N/ha. Den größten Anteil an dieser natürlichen Regeneration der Standorte haben die Stickstoffeinnahmen aus den Niederschlägen. Diese Einnahmen betrage heute in industriefernen Wäldern Süddeutschlands rund 14 kg N/ha und Jahr.

     

Summary

The influence of litter utilisation on the nitrogen cycle in Scotch pine stands (Pinus silvestris L.).
  1. 1.

    During one rotation period the nitrogen removals caused by litter utilisation in Scotch pine stands under conditions of the last century (cutting rotation 96 years, first litter utilisation at an age of 48, 6 to 8 years protection before cutting) amounted to: 1100–1700 kg N/ha when the stands were raked yearly 950–1500 kg N/ha when raked once every three years 850–1200 kg N/ha when raked once every six years. This is adequate to a mean annual removal from 9 to 18 kg N/ha. Litter utilisation in a stand protected for a long time only removed 160 to 230 kg N/ha.

     
  2. 2.

    Short term litter removals as usual in former times caused the largest nitrogen output within the nitrogen cycle of the ecosystems. This led to a diminuation of the nitrogen supply and in a consequence to a decrease of the wood production. On a low production level an equilibrium with a balanced nitrogen cycle was reached as it was realized in the pine stands of yield class IV to V under the utilisation conditions of the last century.

     
  3. 3.

    Since litter utilisation has ceased the nitrogen supply of the ecosystems increases and a natural recreation of the sites is introduced. In slow growing stands the mean annual nitrogen gain is about 10 to 13 kg/ha under conditions of today. The highest input is brought by precipitations: within the woodlands of Southern Germany it amounts to 14 kg N/ha and year in an average.

     

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Copyright information

© Verlag Paul Parey 1972

Authors and Affiliations

  • K. Kreutzer
    • 1
  1. 1.Institut für Bodenkunde und Standortslehre der Forstlichen Forschungsanstalt MünchenMünchenDeutschland

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