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Archiv für Ophthalmologie

, Volume 15, Issue 3, pp 108–252 | Cite as

Beiträge zur Pathologie und Therapie des Glaucoms

  • A. von Graefe
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References

  1. *).
    Nur glanbte ich anfänglich (A. f. O. III. 2. pag. 502), dass ausnahmsweise die Ecchymosen auch präexistirten und sich lediglich nach der Operation vergrösserten. Ich vermuthe, dass ein Fall, in welchem retinitis haemorrhagica vorangegangen, diesen Irrthum zur Zeit verschuldct.Google Scholar
  2. *).
    Dieser Umstand scheint mir namentlich für die Symptomatologie der retrobulbaeren Neuritis, beziehungsweise für deren Sitz von der integrirendsten Wichtigkeit.Google Scholar
  3. *).
    Auch Laqueur (Annales d’Oculistique Janv. Fevr. 1869 pag. 26.) drückt seine Zweifel an dem Einflusse der Iridectomie bei solchen Successionen aus, da or dreimal unter 21 Fällen acuten Glaucoms dieselbe Succession ohne Intervention der Operation beobachtet. Gewiss wird ein jeder beschäftigte Praktiker Beispiele einer spontanen raschen Succession aufzubringen haben, aber das Verhältniss zur Gesammtzahl der Fälle, wie es Laqueur angiebt, nämlich 1∶7 ist entschieden nicht das durchschnittliche. Wäre dies der Fall, so könnte ich dem geschätzten Autor bei seinen Bedenken nur Recht geben, da sich jenes Verhältniss dem, nach der Iridectomie beobachteten, bereits einigermassen anschliesst. Ich habe eine längere Reihe von Jahren hindurch über diesen Punct Aufzeichnungen gemacht und befinde mich vielleicht in einer günstigeren Position für Schlussfolgerungen, da der Procentsatz acuter Glaucome bei uns ein bedeutend höherer zu sein scheint, als in den Gegenden, in denen Verfasser beobachtet. Es werden jährlich bei uns circa 30 acute Glaucome operirt. Ausserdem aber habe ich für jene Aufzeichnungen, wie schon früher angegeben (s. A. f. O. Bd. VIII., 2. pag. 255.), die Aussagen der zahlreichen Blinden benutzt, welche die Clinik durchstreifen, und bei welchen über die Präcedenz acuten Glaucoms, theils nach der Anamnese theils auch nach dem habitus der Augen kein Zweifel bestehen kann. So überstieg die numerische Basis für acutes Glaucom vor 4 Jahren, als ich meine Notizen sammelte, die Zahl 300. Selbst wenn ich diejenigen Fälle, in denen die Patienten nicht mehr sicher waren, ob das zweite Auge nach einigen Monaten oder nach wenigen Wochen erkrankt, mit unter die raschen Successionen rechne, so würde die betreffende Proportion 1∶12 noch nicht erreichen; wahrscheinlich beträgt sie 1/15–1/18.Google Scholar
  4. *).
    Für einen solchen Einfluss sprachen mir noch jüngst zwei Fälle, in welchen während eines drei-resp. zehnjährigen Prodromalstadiums das zweite Auge absolut intakt geblieben war; als endlich der Ausbruch des Glaucom’s auf dem ersten Auge in Form acuten Insultes erfolgte und deswegen iridectomirt ward, zeigte sich auf dem zweiten Auge Kammerwassertrübung mit Regenbogensehen, am zweiten resp. zweiten und dritten Tage nach der Operation, um alsdann (bis heute, 1/2 resp. 3/4 Jahr nach der Operation) nicht wieder zu erscheinen.— Im Uebrigen will ich durchaus nicht behaupten, dass gerade der Act der Iridectomie in ganz besonderer Weise, vergleichsweise zu anderen operativen Eingriffen, den Glaucomausbruch auf dem zweiten, einmal disponirten Auge wachruft. Ich habe ganz dasselbe einmal nach Abtragung einer cystoiden Narbe beobachtet, und bin vieImehr geueigt zu glauben, dass andere Operationen den fraglichen Effect noch in stärkerem Maasse äussern würden, um so mehr, als ihnen transitorische Reizung der Ciliartheile folgt.Google Scholar
  5. **).
    In Uebereinstimmung mit Mooren (l. c. pag. 98).Google Scholar
  6. ***).
    Der bei weitem grössere Theil der Glaucomausbrüche auf dem zweiten Auge fällt in diesen Zeitraum, nur äusserst wenige in die zweite Woche.Google Scholar
  7. *).
    Ich führe dies hier an, weil ich die Ansicht theile, dass bei einmal bestehender glaucomatöser Disposition der Gebrauch der Mydriatica eine acute Eruption hervorrufen kann. Ich habe meine desfallsige Ueberzeugung bereits in diesem Archiv ausgesprochen und mich umsomehr gefreut, unabhängig davon in den transactions of the American ophthalmological Society 1869 pag. 35 hierauf bezügliche Mittheilungen von Dr. Hasket Derby zu finden.Google Scholar
  8. *).
    Diese Undeutlichkeiten oder Defecte bei stark herabgesetztem Augendruck bedürfen noch einer befriedigenden Erklärung. Die ophthalmoscopische Untersuchung liefert wegen der diffusen Hornhauttrübung keinen Aufschluss. Eine Begründung durch die optischen Störungen ist namentlich für die vollständigeren Defecte von vorn herein unstatthaft; gegen eine gewöhnliche Ablösung oder auch hochgradige materielle Veränderung der Netzhaut spricht die spätere Rückbildung und bin ich am meisten geneigt, an eine bezirksweise eintretende Circulationsstörung auf der Netzhaut, vielleicht mit ödematösen Durchtränkungen zu denken, welche sïch wohl zu einer enormen Herabsetzung des Augendrucks hinzugesellen könnteu.Google Scholar
  9. *).
    Einen interessanten Fall, der wohl ohne Zweifel hierher gehört, veröffentlichte Coccius in diesem Archiv. Bd. IX. 1. pag. 6.Google Scholar
  10. *).
    Diese Neigung motivirt gewiss für manche Conjuncturen, namentlich für die Residuen centraler phagädenisher Eiterinfiltrate die Regel, einen möglichst vollständigen Abschluss des Grundprocesses vor Ausführung der Iridectomie abzuwarten.Google Scholar
  11. *).
    In einzelnen Fällen ist die Trübung nächst dem einen Hornhautrande bereits saturirt, während sie nächst dem diametral gegenüberliegenden Rande erst schwach angedeutet ist; in anderen sind auch der obere und untere Rand nicht völlig parallel, sondern gegen die Hornhautmitte schwach convergent, aber auch dann pflegen die Ränder der gegenüberliegenden Trübungspartie ziemlich genau in die betreffende Fortsetzung zu fallen, so dass später der transversale Streifen den die gesammte Trübung constituirt, sich medianwärts oder temporalwärts etwas verjüngt.Google Scholar
  12. *).
    Geniessen die Patienten, wie es nicht selten vorkommt, trotz der buckeligen Hervortreibung der Iris noch einer relativ guten Sehschärfe, so darf nicht in Abrede gestellt werden, dass sich dieselbe durch die Iridectomie (sofern nicht stenopäische Apparate in Gebrauch gezogen werden) zuweilen um Einiges verringert. Entsprechend der künstlichen Pupile bleibt gewöhnlich, namentlich gegen die Sphincter-Zone hin, ein Rest des erkrankten Pigmentblattes stehen, wodurch die optischen Verhältnisse ungünstig beeinflusst werden, selbst wenn nach oben operirt wurde, wie es hier im Allgemeinen geschehen soll. Diese Eventualität einer gewissen Verringerung von S, in welcher man sonst ein Motiv für eine Beanstandung der Operation finden könnte, muss Angesichts der oben hervorgehobenen, unbedingt fatalen Consequenzen des sich selbst überlassenen Zustandes in den Kauf genommen, wenngleich den Kranken gegenüber prognostisch berücksichtigt werden.Google Scholar
  13. *).
    Auch bei totaler angeborener Irideremie habe ich zweimal (offenbar die Folge begleitender, aequatorialer Chorioiditis mit Glaskörperleiden) Druckexcavation constatirt.Google Scholar
  14. *).
    An sämmtlichen fünf Augen wurde Iridectomie vollführt, um das acute Glaucom zu bekämpfen und an 4 ward dann nach längerer First di Staaroperation verrichtet, drei Mal mit völligem, ein Mal mit halbem Erfolg. Während des acuten Glaucoms selbst die Staaroperation gleichzeitig mit der Iridectomie zu verrichten, würde ich entschieden widerrathen, da bei einem etwaigen, unter diesen Umständen nicht sicher zu vermeidenden Glaskörpervorfall sehr leicht eine deletäre Chorioidalblutung eintreten könnte. An einem der vier Individuen trat das acute Glaucom in einer fast congruenten Weise auf beiden Augen, kurz vor der Reife der Cataract, successive in einem Zeitabstande von fünf Monaten auf.Google Scholar
  15. *).
    Zur Prütung des Gesichtsfeldes sind, falls starke Diffusion des Lichtes durch die quellende Linsensubstanz die Projectionsversuche beeinträchtigt, hier besonders die Phosphens von practischem Werthe.Google Scholar
  16. *).
    Bekanntlich besitzen eben diese Augen mit hinteren Polar- und Corticalstaaren eine ausserordentliche Vulnerabilität, welche sich nach Operationen durch ungewöhnliche Reactionen ausspricht. Auch diese Vulnerabilität, welche uns zu sehr reservirter Stellung der Indicationen und prognostischer Vorsicht bei chirurgischen Eingriffen zwingt, möchte ich auf fortbestehende Chorioidal-Reizung beziehen. Zu der Zulassung einer solchen, quasi latirenden Chorioiditis werden wir übrigens noch durch manche andere Beobachtungen hingeleitet, namentlich durch das spätere Hervortreten von Chorioidal-Veränderungen in Bezirken des Augenhintergrundes, denen entsprechend schon in früheren Perioden Functionsstörungen constatirt wurden. Wenn wir bedenken, dass unsere Diagnose der Aderhauterkrankungen vorwaltend in der Würdigung der Pigmentirungsanomalien beruht, so lässt sich a priori denken, dass mancherlei wichtige Abweichungen vom physiologischen Zustande existiren, die sich wenigstens periodenweise ophthalmoscopisch nicht kennzeichnen.Google Scholar
  17. *).
    Ich benutze diese Gelegenheit, um über die Methode der wiederholten Punctionen, wie sie neuerdings besonders von Sperino präconisirt worden ist, ein Wort zu sagen. Leider hat, wie so häufig, die ungebührende Verallgemeinerung und die zu stürmische Durchführung in den Augen der Fachgenossen einem Verfahren Abbruch gethan, welches volle Aufmerksamkeit verdient und gerade bei chronischer Aderhautentzündung mit Glaskörperleiden, von unleugbarem Werthe ist. Ich verrichte die Paracentese bei diesen Zuständen indications weise und kann versichern, dass ich, ganz abgesehen von etwaiger Spannungsvermehrung, in einzelnen Fällen von Chorioiditis posterior oder äquatorialer Chorioiditis mit Glaskörperopacitäten, gegen welche die gebräuchlichen Kurverfahren ihre Dienste bereits versagt, unmittelbare Besserung der Functionen constatirt habe. Zu einer so raschen Widerholung, wie sie Sperino empfieht, habe ich mich nicht entschliessen können, sondern lasse zwischen den einzeluen Punctionen meist 3 bis 4 Tage, zuweilen eine Woche Intervall. Mitunter schien eine einzige Punction den Anstoss für eine progressive Besserung resp. für eine günstige Einwirkung der anderweitigen, früher nutzlosen Kurversuche zugeben. Mit vollem Recht scheint mir Sperino hinsichtlich der Innocuität des von ihm in so enormer Scala durchversuchten Verfahrens, ein Gewicht auf die Form der Punctionsnadel, welche weit spitziger als die gewöhnlich gebrauchten und ohne jedwede Kante sein muss, zu legen. Nächstdem aher kann ich den Fachgenossen nicht genugsam empfehlen, für die zu wiederholende Pnnetion die periphere Stelle des Einstichs aufzugeben. Es wird bei den Punctionen in Nachbarschaft der Sclero-cornealgränze, und namentlich bei gesteigertem Augendruck, wenn die Patienten sehr stürmisch pressen, nicht fehlen, dass dann und wann die Iris sich nach der inneren Wunde hin verschiebt und eine, auf ganz peripherer Verlöthung beruhende, durchaus nicht gleichgültige Verzerrung der Pupille entsteht. Man vermeidet dies mit grösster Sicherheit, wenn man 3/4‴, selbst 1‴ innerhalb der Seleralgrenze flach einsticht, weil alsdann die innere Wunde jenseits des Irisbereiches zu liegen kommt.Google Scholar
  18. *).
    Der Unterschied besteht lediglich in der Präexistenz und stärkeren Entwickelüng der Aderhautveränderungen und der weniger diffusen Form der Glaskörperopacität.Google Scholar
  19. *).
    Meine Kenntnisse über diese Form beruhten damals noch auf spärlichen Erfahrungen. Ich hatte sie—was sich bald anders gestaltete—fast exclusive bei älteren Leuten beobachtet. Auch, hinsichtlich der Sehnervenexcavation, wurde damals die flachere Gestaltung derselben in dieser Glaucomform, zu sehr betont. Dieselbe kommt zwar häufig vor, neben derselben aber auch die höchsten und exquisit typischen Formen.Google Scholar
  20. *).
    Ob die oben geschilderte Entstehungsweise der minimalen centralen Gesichtsfelder, wie sie (bei verhältnissmässig befriedigender S) zuweilen bei Glaucom—sowohl dem glaucoma simplex als dem von Ectasia posterior abhängigen Glaucome—beobachtet werden, die einzige ist, oder ob sich solche Gesichtsfelder auch durch progressive concentrische Verengung entwickeln können, will ich nicht entscheiden, habe aber letztere Entstehungsweise nicht direct constatirt. Im Allgemeinen giebt es für die minimalen centralen Gesichtsfelder einen dreifachen Entwickelungsmodus: 1) durch progressive, concentrische Verengung; 2) durch Auftreten eines ringförmigen Intermediär-Defectes, der nach der Peripherie resp. auch gleichzeitig nach dem Centrum wächst; 3) durch laterale Einengung, die bei ihrem Fortschreiten zu der gegenüberliegenden Peripherie des Gesichtsfeldes, die Umgebung des Fixirpunktes verschont. Die erste und zweite Entwickelungsweise werden bei retinitis pigmentosa constatirt, doch bildet die erste dort weitaus die Regel. Am allerregelmässigsten wird ferner die erste, wenigstens in den späteren Stadien eines eigenthümlichen, von der gewöhnlichen progressiven Sehneervenatrophie sicher zu unterscheidenden Sehnervenschwundes beobachtet, welcher unter den bekannten ophthalmoskopischen Kennzeichen der weissen Atrophie (höchstens noch mit etwas Verschmälerung der Gefässtämme) mit sehr regelmässiger concentrischer Einengung des Feldes einhergeht und die centrale Sehschärfe selbst dann noch intact lässt, wenn die Gesammtöffnung des Feldes bereits auf wenige Winkelgrade reducirt ist. Die dritte Entwickelungsweise habe ich bis jetzt nur bei glaucomatösen Zuständen constatirt.Google Scholar
  21. *).
    Eine ähnliche Beobachtung habe ich übrigens auch nach der Iridectomie gemacht, wenn umschriebene Chorioido-retinal-Veränderungen in Gegend der Macula sich der Ectasia posterior zugesellt hatten. Einmal ging eine noch mässig angedeutete centrale Metamorphopsie in deutliches Centralscotom über. Möglicherweise steigert hier die einfache Druckverringerung die Extravasation der Elemente entsprechend dem Erkrankungsherde. Dies muss jedenfalls zur prognostischen Vorsicht mahnen, wenn unter solchen oder den oben angeführten Bedingungen Iridectomie ausgeführt wird.Google Scholar
  22. *).
    Die beiden Fälle, welche Laqueur (l. c. pag. 54 u. 55) als rétinite glaucomateuse anführt, können mich nicht eines Anderen überzeugen. In dem ersten Falle kam es überhaupt nicht zu der Ausbildung eines Glaucoms, und gingen die heftigen Neuralgien, welche Verfasser mit Vermehrung des Augendruckes in Zusammenhang bringt und deren Deutung schon an sich zweifelhaft ist, weil sie von gar keiner Sehstörung—die vorhandene geringe ist durch die Netzhautcongestion zur Genüge erklärt—begleitet waren, später zurück. In dem zweiten scheint Verfasser selbst die Präexistenz des chronischen Glaucoms anzunehmen, und ist der ohnedem leichte Netzhautprocess —S blieb intact—sicherlich besser als Folge statt als Ursache der Druckvermehrung aufzufassen.Google Scholar
  23. *).
    Laqueur l. c. pag. 55 sah es 7 mal unter 268 Glaucomfällen, über welche er berichtet.Google Scholar
  24. *).
    Unter sämmtlichen die Albuminurie begleitenden Netzhautleiden habe ich nur ein einziges Mal Glaucom folgen sehen. Und in diesem Falle schien es sich ebenfalls nicht um Nephritis, sondern um eine von Arteriosclerose abhängige Nierenatrophie zu handeln (nach Ausspruch des Prof. Traube.)Google Scholar
  25. *).
    Laqueur (l. c. pag. 56.) citirt zwei Fälle, in deren einem die Iridectomie den Druck reducirt, in deren anderen sie sogar das Sehvermögen erhalten habe, doch sind wir nach seiner Aeusserung (pag. 55.), dass zuweilen die Netzhauthämorrhagieen auch anderen glaucomatösen Erscheinungen folgten, nicht völlig sicher, ob er in allen Fällen das fragliche Leiden vor sich gehabt.Google Scholar
  26. *).
    Zu den den variolösen Kranheitsprocess complicirenden Augenkrankheiten gehört (ausser wirklicher pustulöser Ophthalmie und centralen Eiterinfiltraten der Hornhaut von eigenthümlichem nicht phagaedänischem aber äusserst rebellem Verlauf) eine Iritis, welche meist eine gemischten serös-plastischen Charakter hat, aber allemal mit seröser Chorioiditis gepaart zu sein scheint. So war es wenigstens unter mehr als dreissig variolösen Iritiden, welche mir zur Beobachtung kamen. Eine einfache Iritis scheint hiernach im Verlauf der Pocken entweder gar nicht oder jedenfalls höchst selten vorzukommen. Das begleitende Glaskörperleiden kann alsdann auch hintere Polar- und Corticalcataract induciren, welche man nach völliger Rückbildung der anderweitigen Anomalien zurückbleiben sieht.Google Scholar
  27. *).
    Stellwag von Carion (s. dessen Werk: Derintraoculare Druckund die Innervationsverhältnisse der Iris pag. 41) scheint mir in der Verallgemeinerung dieser prädisponirenden Ursachen zu weit zu gehen, wenn er sagt: „es ist nun eine ausgemachte Sache, dass das Glaucom im engeren Wortsinne sich nur an Augen mit sehr rigider Kapsel entwickelt”. Ein Hinblick auf die Lehre des Secundärglaucoms, welches ja unter allen möglichen Vorbedingungen Seitens der Sclera auftreten kann, besonders auch auf die Glaucome bei Ectasia posterior, genügt das Fehlen jener Vorbedingung für sehr viele Fälle zu erweisen.— Die Thatsache, dass nach länger eingebürgertem Glaucom meist eine rigide Sclera gefunden wird, muss für die Pathogenese deshalb mit grosser Vorsicht aufgenommen werden, weil ohne Zweifel die mit andauernder Erhöhung des Augendruckes Hand in Hand gehende Veränderung der Ernährungsverhältnisse einen (consecutiven) Einfluss auf das Gefüge der Sclera gewinnen kann.Google Scholar
  28. **).
    Cusco (Ann. d’ocul. Tome XLVII pag. 291) basirt allgemeinhin das Glaucom auf einer chronischen, mit Gewebsretraction einhergehenden Scleralentzündung. Es scheint nach der Art, in der Verfasser sich äussert, dass er nicht ohne anatomische Belege ist, doch finde ich nirgends eine Anführung derselben, welche wohl unerlässlich gewesen wäre.Google Scholar
  29. *).
    Coccius fand bei der anatomischen Untersuchung zweier Augen, die er ein Jahr zuvor an Glaucom operirt hatte, eine verbreitete fettige Metamorphose der Sclera, in der Aequatorialgegend culminirend, welche er als Ausläufer eines abgeklungenen entzündlichen Processes des scleralen Bindegewebstheils anspricht.Google Scholar
  30. *).
    Ueber die leitenden Gesichtspuncte hierbei siehe A.f.O. XIV, 2. pag. 116 u. f.Google Scholar
  31. **).
    Es hat mich gefreut, neulich in den Transactions of the American Ophthalmological Society, fourth and fifth annual meetings. 1869. pag. 35. mehrere Beobachtungen (herrührend von Dr. H. Derby) zu finden, welche die Gefahr der Ueberführung chronischer Glaucome in acute durch Atropineinträufelung, so wie ich sie A. f. O. XIV. 2 pag. 117. hervorgehoben, bestätigen.Google Scholar
  32. *).
    Wesentlich zu unterscheiden von sämmtlichen hier in Rede stehenden Fällen sind diejenigen, wo wegen unregelmässigen Wundschlusses (cystoide Narbe) die Kammer lange Zeit aufgehoben bleibt. Alsdann ist die Spannung völlig normal, oft sogar das Auge abnorm weich; ein solches Ausbleiben der Kammerfüllung bei normaler oder herabgesetzter Spannung involvirt, abgesehen etwa von der anomalen Narbenbildung, nicht die mindesten Gefahren.Google Scholar
  33. *).
    Anmerkung. Niemals werde ich den Fall des holländischen Apothekers G. vergessen, den ich zuerst am linken Auge, wegen eines vorgeschrittenen glaucoma simplex mit Einengung des Gesichtsfeldes, operirte. Die Kammer restituirte sich erst am 7. Tage, nachdem der anfangs sehr unheimlich gesteigerte Druck—Reizerscheinungen waren nicht ausgeprägt gewesen—am 4. und 5. Tage ziemlich zurückgegangen war. Der weitere Verlauf gehörte hinsichtlich des Augendruckes in die zweite der oben hingestellten Kategorieen. Der Druck blieb um ein Weniges zu stark, aber das Sehvermögen, welches vor der Operation sichtlich verfallen, erhielt sich nunmehr stabil. Ein halbes Jahr darauf kam Patient, um das rechte Auge, welches inzwischen weiter verfallen war, operiren zu lassen. Es bot jetzt ganz dieselben Charactere wie früher das linke. Nach der völlig regulär ausgeführten Operation zeigte sich der Druck sehr erheblich, Kammer blieb aufgehoben, am zweiten Tage Reizerscheinungen in der oben angeführten Art, Steigerung dieser und des Drucks in der nächstkommenden Zeit mit raschem Verfall des Sehvermögens; in der zweiten Woche Mitbetheiligung des früher operirten linken Auges, in welchem sich nun ebenfalls die ominöse Injection mit breiten vorderen Conjunctival- und Episcleralgefässen entwickelte; beiderseits progressiv unglücklicher Verlauf bis zur absoluten Erblindung (unter dem, durch Aufhebung der Kammer modificirten Bilde einer glaucomatösen Entzündung), zu dessen etwaiger Verhütung durch weitere Eingriffe der entmuthigte Patient freilich nicht die Hand bot.—Eine Tendenz zum malignen Verlauf war offenbar schon linkerseits vorhanden gewesen, da sich die Kammer erst am siebenten Tage restituirte.Google Scholar
  34. *).
    In Uebereinstimmung mit den von Coccius und Cusco befürworteten, oben citirten Anschauungen.Google Scholar
  35. *).
    Anmerkung. Wird derselbe vollends auf das bereits in beginnender Reizung begriffene, harte, der vorderen Kammer entbehrende Auge reapplicirt, so macht er den Verlauf, der sonst vielleicht noch zum Heile zu wenden wäre, sehr leicht ominös (in der oben beschriebenen Art).Google Scholar
  36. *).
    Ist der Tremor lentis hierbei ein geringer, so wird die wahre Ursache auch wohl übersehen und irriger Weise eine primäre Entstehung des Glaucoms angenommen.Google Scholar
  37. *).
    Anmerkung. Dasselbe gilt in verstärktem Maasse von Discision des Linsenkörpers. Es wird namentlich bei Cataracta congenita, mit welcher nicht selten enge, schlecht erweiterbare Pupillen coexistiren, dadurch gefehlt, dass man ohne vorausgeschickte Iridectomie die Kapsel zu eröffnen sich vermisst.—In den von Bowman beobachteten Fällen von Glaucom nach Nachstaaroperation bildet übrigens ohne Zweifel Iritis mit circulärer Synechie häufig das Zwischenglied, da nicht blos eine „allgemeine Vordrängung der Iris”, wie sie sich durch Steigerung des Glaskörperdrucks erklären lässt, sondern „buckelige Prominenz”, die nur bei circulärer Synechie zu Stande kommen kann, constatirt ward.Google Scholar
  38. *).
    Ich will es gerne zugeben, dass man bei grösserer Kühnheit, durch die gewaltsame Zerreissung, Dislocation oder Extraction der derben membranösen Nachstaare, hier und da ein vollkommeneres Resultat (sowohl optisch als besonders kosmetisch), als bei Einhaltung der empfohlenen Vorsichten erreichen kann. Allein ich glaube, dass solche Möglichkeiten gegenüber dem schrecklichen Ereigniss, einen bereits theilweise sehenden Menschen durch unsere Hand der Erblindung zuzuführen, nicht genügen, einen gewissenhaften Operateur zu verlocken. Stehen wir doch auch bei Schichtstaaren adulter Patienten von dem vollkommeneren Wege der Staaroperation seiner Gefahr wegen zu Gunsten der Iridectomie ab. Nur in ganz exceptionellen Fällen, wo z. B. ein zweites, vollkommen gebrauchfähiges Auge zur Verfügung steht, und die cosmetische Zweckerreichung dem Patienten zu seiner Laufbahn oder zu seinem Lebensglück absolut erforderlich scheint, mag man mit gewissenhafter Eröffnung aller Chancen sich zu den gefährlicheren Operationsmethoden—ich finde alsdann unbedingt die Extraction durch peripheren Linearschnitt relativ am Ungefährlichsten—entschliessen.Google Scholar
  39. *).
    Sehr möglicherweise bezieht sich hier die Heredität auf gewisse prädisponirende Momente z. B. auf Rigidität der Bulbuskapsel.Google Scholar
  40. *).
    Ich glaube, dass Laquer (l. c. pag. 44) dies mit Unrecht in Zweifel zieht. Wenn wir auch gern einräumen, dass ein Theil der von ihm bei Glaucom vorgefundenen Hyperopien Producte des glaucomatösen Processes gewesen seien, so bleibt doch bei unseren Feststellungen (und vermuthlich bei seinen eigenen) noch immer eine Zahl sicher präexistirender hochgradiger Hyperopien übrig, welche mit der zu Grunde gelegten Glaucomreihe proportionirt, ein weit höheres Verhältniss ergiebt, als es das durchschnittliche Frequenzverhältniss der hochgradigen Hyperopie ist.—Was die Einwirkung des glaucomatösen Processes auf den Refractionszustand anbetrifft, so kann ich die Beobachtung nur bestätigen, dass man an operirten Glaucomen die vorhandene Hyperopie sich im Laufe der Zeiten nicht gar selten verringern, oder wenn sie leicht war, selbst erlöschen sieht. Allein es dürfte sich dies wohl ausnahmslos durch eine Veränderung im Linsensystem erklären, bei welcher, unter schiefer Beleuchtung, die Kerngrenze auffallend stark reflectirt, während bei senkrecht auffallendem Licht die Linse schön durchsichtig bleibt und bei welcher, vermuthlich wegen stärkerer Differenz zwischen Brechungsindex des Kerns und der Rinde, die Focaldistanz der Linse sich verkürzt. Diese bei Glaucom so äusserst häufige Veränderung kann Vorbote einer späteren Staarbildung sein, doch ist dies keineswegs nöthig. Sie kommtübrigens auch sonst vor und bildet eine bisher wenig beachtete Ursache für acquirirte Vermehrung des Brechzustandes. Auch dann kann es sich um das erste Stadium einer Cataractbildung handeln; immer tritt dabei der erwähnte optische Character hervor, dass die Kerngrenze bei schiefer Beleuchtung auffallend stark reflectirt, während bei durchfallendem Licht die Durchsichtigkeit der Linse sehr lange in einer frappirenden Weise erhalten bleibt. In Verbindung hiermit steht es, dass sich wirklich bei sehr vielen beginnenden Staaren ein leichter Grad von Myopie entwickelt, auf welchem das Nebelsehen der Patienten in der Entfernung theilweise beruht, welches letztere sich auch in einer gewissen Periode durch negative Gläser theilweise corrigiren lässt.Google Scholar
  41. *).
    Die Untersuchungen von Magni (Annales d’Oculist. Tome XLIX. pag. 160) können meines Erachtens, so sehr Verfasser dazu Anlauf nimmt, für die Pathogenese des Glaucoms nicht verwerthet werden, da sie lediglich (übrigens in einer mit den klinischen Ergebnissen vortrefflich harmonirenden Weise) die consecutive Atrophie der Ciliarnerven nachweisen.Google Scholar
  42. *).
    Erst in diesen letzten Jahre trat bei dem Patieuten eine weitere Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes, ohne Participirung der Sehschärfe ein, welche ich auf eine, von der ursprünglichen Ursache (Drucksteigerung) nunmehr unabhängige congestive Verschlimmerung des chorioido-retinitischen Processes bezog und gegen welche sich auch eine geeignete Antiphlogose hülfreich erwies.Google Scholar
  43. *).
    Der Fall ist demnach auch von Interesse rücksichtlich auf die mehrfach befürwortete Existenz einer Chorioiditis latens.Google Scholar
  44. *).
    Anmerkung. In einer vorläufigen Notiz über vorliegenden Fall im Sitzungsbericht der ophth. Gesellschaft, Zehender’s Monatsblatt VI. pag. 299 steht irrthümlich Wirkung des kohlensauren statt chromsauren Kalis, welchen Fehler ich mir hier zu berichtigen erlaube.Google Scholar
  45. *).
    Ich bemerke beiläufig, dass man zuweilen nach der Gerinnung in solchen Flüssigkeiten unter dem Microscop eigenthümliche Vacuolen von rundlicher oder elliptischer, selbst in die Länge gestreckter Form und sehr verschiedener Grösse beobachtet. Dieselben bieten auf den ersten Anblick ein sehr eigenthümliches Aussehen dar und könnten zu Täuschungen Veranlassung geben. Dass sie nur in Folge der Gerinnung entstehen, schliesse ich auch noch daraus, dass ich ähnliche Bilder einmal auch an einer coagulirten dünnen Leimlösung beobachtet habe und zwar innerhalb grösserer mit ihr injicirter Gefässe.—Die Substanz, welche die Gerinnung veranlasst, ist ein Alkalialbuminat, da sie nicht nur durch Kochen oder Salpetersäure, sondern auch durch Essigsäure gerinnt. Oft war ihr Procentgehalt so bedeutend, dass die Flüssigkeit bei der Coagulation vollständig erstarrte und man das Reagensglas umkehren konnte, ohne das etwas ausfloss. Weiterer Zusatz von Essigsäure im Ueberschuss bewirkte nur eine unvollständige Lösung, die Masse wurde durchscheinend und quoll auf, und es schien sich auch ein Theil zu lösen. Diese Reactionen wurden mehrmals angestellt an der Flüssigkeit, welche bei Verflüssigung des Glaskörpers aus dem Glaskörperraum ausfloss, die in Bezug auf ihr Verhalten zu chromsaurem Kali sich ganz ähnlich, wie die zwischen die Membranen ergossenen Flüssigkeiten verhält, demnach gleichfalls ein entzündliches Exsudat zu sein scheint. Einmal untersuchte ich auch die noch nicht geronnene, aber bereits gelb gefärbte Flüssigkeit von einer Netzhautablösung, wo das Auge nur kurze Zeit in chromsaurem Kali gelegen hatte; auch hier brachte Essigsäure eine starke Coagulation hervor. Frerichs hat schon vor längerer Zeit den grossen Gehalt des verflüssigten Glaskörpers an Natronalbuminat bei einem Hundeauge nachgewiesen (3,7 pCt.)Google Scholar
  46. *).
    Erismann, über Intoxicationsamblyopien. Inaug. Diss. Zürich 1867. pag. 54 ff.Google Scholar

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© Verlag von Hermann Peters 1869

Authors and Affiliations

  • A. von Graefe

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