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Kolloidchemische Beihefte

, Volume 18, Issue 3–8, pp 165–196 | Cite as

Über die geschichtliche Entwicklung der Idee von der Allgemeinheit des Kolloidzustandes nebst einigen Daten aus der Geschichte der Erweiterung des Begriffes “Kolloidzustand” in bezug auf Umfang und Inhalt

  • P. P. v. Weimarn
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References

  1. 1).
    P. P. v. Weimarn, “Kolloides und kristalloides Lösen und Niederschlagen” (Vorträge über dispersoidologische Untersuchungen des Verfassers, im Jahre 1921 an den K. Universitäten Tokyo, Sendai und Kyoto gehalten), Bd. I, Text in 8°, 743 Seiten, mit zahlreichen Tabellen experimenteller Daten, Schemen und Kurven. Bd. II, Atlas in 8°, 108 Mikrophotographien. Kyoto 1921. Die Auflage ist hier in Japan bereits vergriffen. In zweiter Auflage wird das Buch 1923 im Verlage von Th. Steinkopff, Dresden, erscheinen. Wo auch immer in der vorliegenden Abhandlung auf dieses Buch verwiesen wird, wird es wegen der Kürze einfach als “mein Buch” bezeichnet.Google Scholar
  2. 1).
    Siehe mein Buch S. 335 u. f.Google Scholar
  3. 2).
    Ich halte diese Zustände für durchaus allgemeine Zustände der Materie. P. P. v. Weimarn, Journ. d. Russ. chem. Ges.46, 1919 (1914);46, 1938 (1914);47, 2208 (1915);48, 1295–1314 (1916).Google Scholar
  4. 3).
    Alle Zitate habe ich dem Bande Nr. 179 Ostwald’s Klassiker der exakten Wissenschaften entommen: “Abhandlungen über Dialyse. (Kolloide)”. Drei Abhandlungen von Th. Graham, herausgegeben von E. Jordis, Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann 1911. S. 1–179.Google Scholar
  5. 1).
    Siehe mein Buch: § 51, S. 335.Google Scholar
  6. 1).
    Siehe mein Buch: Vortrag I und Vortrag II.Google Scholar
  7. 1).
    Darüber vgl. auch mein Buch.Google Scholar
  8. 2).
    Hier muß ich besonders betonen, daß eben ich, und kein anderer, auf die Namen dieser Gelehrten aufmerksam gemacht habe (s. auch unten). In keinem einzigen Buch, in keiner einzigen Abhandlung über Kolloidchemie anderer Kolloidforscher, die bis 1906 einschließlich publiziert wurden (ja sogar bis zu viel späteren Zeiten), konnte ich eine einzige Verweisung auf diese Namen, die mit der Frage von der Allgemeinheit des Kolloidzustandes irgendwie im Zuzammenhang stünde, finden. Diese letztere Tatsache ist wohl der beste Beweis dazu, daß diese Ideen und Vermutungen von der Allgemeinheit des Kolloidzustandes auf die Entwicklung des Begriffes vom “Kolloidzustande” ganz ohne Einfluß geblieben sind.Google Scholar
  9. 1).
    Es wären aber auch die Arbeiten M. L. Frankenheims zu berücksichtigen (darüber ausführlicher in meinem Buch loc. cit. Vortrag I und Vortrag II.Google Scholar
  10. 2).
    Das Lesen zwischen den Zeilen ist außerdem mit der großen Gefahr verbunden, solche Gedanken in die Zwischenräume zwischen den Zeilen zu stecken, von denen der Verfasser selbst nicht einmal geträumt hat. Nichtsdestoweniger belehrt uns die Geschichte der Wissenhaft, mit auffallender Klarheit, daß, wo immer eine wissenschaftliche Wahrheit von allgemeinem Charakter vo jemandem mit voller Schärfe und wohlbegründet formuliert wurde, es noch nie an Leuten gefehlt hat, für die es geradezu ein psychologisches Bedürfnis ist, in alten Jahrgängen der Zeitschriften herumzuwühlen, um hort zwischen den Zeilen älterer Publikationen allerlei herauszusuchen, was von den Vorgängern desjenigen Forschers herstammen könnte, der es verstanden hat, eine wissenschaftliche Wahrheit klar und unzweideutig auszusprechen und zu begründen, und der es gewagt hat, sie klar und deutlich in seinen. Zeilen auszusagen und nicht zwischen den Zeilen zu verbergen.Google Scholar
  11. 1).
    Es ist interessant, diesen Artikel mit dem P. Rohlandschen Artikel “Über den Kolloidzustand” in Bd. I, S. 289 (1907) der “Koll.-Zeitschr.” zu vergleichen: dieser zweite Artikel ist eine Umarbeitung des ersten.Google Scholar
  12. 1).
    Es tut mir wirklich leid, daß ich es erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit erfuhr, und also in meinem ersten Vortrage über die Allgemeinheit des Kolloidzustandes (Journ. d. Russ. Chem. Ges. 1906) unter den Namen von Gelehrten, die sich im Sinne einer Vermutung von der Allgemeinheit des Kolloidzustandes ausgesprochen haben, nur die Namen Mendelejews und Arthur Müllers angeben konnte. Jedenfalls habe ich sofort, nachdem mir diese Gedanken J. M. van Bem melens bekannt wurden, schon in der ersten Schrift, die ich gerade im Begriff war zu publizieren, nämlich meinem Buch «Kolloides und kristalloides Lösen und Niederschlagen»—Kyoto 1921—ausführlich darüber geschrieben. Und wiederum, soviel ich mit der kolloidchemischen Literatur vertraut bin, war ich der erste, der auf diese Ideen J. M. van Bemmelens hinwies; weder in Büchern noch in Abhandlungen über Kolloidchemie anderer Kolloidforscher habe ich Hindeutungen finden können auf die Rolle, die D. I. Mendelejew, A. Müller und J. M. van Bemmelen bei der Entwicklung des Begriffes vom Kolloidzustande zuzuschreiben wäre.Google Scholar
  13. 2).
    Um Mißverständnissen vorzubeugen, muß ich darauf aufmerksam machen, daß wäbrend der langen Reihe von Jahren der ergebnisreichen wissenschaftlichen Arbeit J. M. van Bemmelens sich seine Ansichten über das Wesen der kolloiden Lösungen immer in ganz erheblichem Maße entwickelten. Wie dem auch ser, war J. M. van Bemmelen in 1898 (Die Absorption, S. 274) der Meinungdaß die sich in kolloiden Lösungen befindenden «Teilchen nicht in gewöhnlicher Lösung sind, sondern besondere flüssige Gebilde von Molekülen oder Molenkomplexen darstellen, welche den Gesetzen der in kristalloider Lösung sich befindenden Moleküle nicht gehorchen». Ganz klar und eindeutig ist der Ausdruck: «besondere flüssige Gebilde von Molekülen» allerdings nicht, doch ließe er sich am ungezwungensten mit der Vorstellung verbinden von allerfeinsten in einer Flüssigkeit suspendierten Tröpfchen. Nach der Publikation der Arbeiten F. Kraffts spricht J. M. van Bemmelen selbst über diese «flüssigen Gebilde» wie über flüssige Bläschen oder Protozellarbläschen, die das Lösungsmittel einschließen.Google Scholar
  14. 1).
    S. van Bemmelen, Die Absorption, 308, 304, 303 und viele andere Stellen. Verlag von Th. Steinkopff.Google Scholar
  15. 2).
    Van Bemmelen, Die Absorption, S. 307.Google Scholar
  16. 1).
    Dies wurde durch meine Versuche tatsächlich bewiesen; über die Literatur der Frage s. mein Buch.Google Scholar
  17. 1).
    A. Müller, Zeitschr. für anorg. Chemie36, 340 (1903).CrossRefGoogle Scholar
  18. 1).
    P. P. v. Weimarn, Grundzüge der Dispersoidchemie (1911).Google Scholar
  19. 1).
    Es gab nämlich in 1906 noch keine theoretisch, wie auch experimentell ausgearbeitete allgemeine Herstellungsmethode beliebiger Stoffe in kolloidem Zustande.Google Scholar
  20. 2).
    Eine detaillierte Übersicht dieser Stoffe ist auf S. 271 meines Buches «Kolloides und kristalloides Lösen und Niederschlagen» Kyoto 1921 gegeben.Google Scholar
  21. 3).
    Die Evolution der Ideen H. Freundlichs über die Formart kolloider Teilchen ist beachtenswert. In der ersten Auflage seiner «Kapillarchemie» 1909) war er der Meinung, daß diese Teilchen ausschließlich amorph—sei flüssig oder fest—sind; in der zweiten Auflage desselben Buches hat H. Freundlich diese Meinung zugunsten der Kristallinität der Teilchen in erheblichem Maße umgeändert. Ich brauche nicht zu sagen, daß dabei meine Arbeiten über den Beweis von der Kristallinität dieser Teilchen völlig unerwähnt geblieben sind.Google Scholar
  22. 1).
    Annalen der Physik.10, 1 (1903).Google Scholar
  23. 2).
    Verh. der deutschen physik. Ges.7, 268 (1905).Google Scholar
  24. 3).
    In der Folge habe ich, bekanntlich, für die Analyse der Fällungserscheinungen den Niederschlagsformkoeffizienten: N=J·P/L eingeführt, welcher (unter Innehaltung der Bedingung, daß der unmittelbare Kristallisationsprozeß bis zu Ende gegangen ist) für sämtliche normale Fälle des Niederschlagens zu dem oben erwähnten «inneren Widerstand» in direkter Beziehung steht, d. h.: wird N größer, so wird auch der «innere Widerstand» größer; wenn aber N, resp. «der innere Widerstand», größer wird, so vermindert sich die Kristallgröße.Google Scholar
  25. 1).
    P. P. v. Weimarn, Der Kolloidzustand als eine allgemeine Eigenschaft der Materie, Journ. d. Russ. Chem. Ges.38, 263–280 (1906).Google Scholar
  26. 1).
    P. P. v. Weimarn, Journ. d. Russ. Chem. Ges.38, 1399) 1906).Google Scholar
  27. 2).
    Journ. d. Russ. Chem. Ges.39 (1907).Google Scholar
  28. 1).
    P. P. v. Weimarn, Journ. d. Russ. Chem. Ges.38, 1400–1401 (1906).Google Scholar
  29. 2).
    Russisch kann man «Kriställchenemulsion» ebenso wie «Tröpfchenemulsion» sagen (s. z. B. Mendelejews Grundlagen der Chemie). Als ich diese Mitteilung machte, war mir die Wo. Ostwaldsche Systematik nicht bekannt, so teilte ich die Kolloide nicht in Suspensions- und Emulsionskolloide ein. (Diese Fußnote entnehme ich meinem Buche: Kolloides und kristalloides Lösen und Niederschlagen, S. 371. Kyoto 1921.Google Scholar
  30. 1).
    P. P. v. Weimarn, Journ. d. Russ. Chem. Ges.39, 619–621 (1907).Google Scholar
  31. 2).
    Wenn man meine Arbeit von rein statistischem Gesichtspunkte aus betrachtet, so ergibt sich das folgende Bild: (das Folgende ist ein wörtlich ausgeführtes Zitat aus meinem Buche, S. 399 und 400)— «Nach den Angaben des Buches The Svedbergs» Die Methoden zur Herstellung kolloider Lösungen anorganischer Stoffe» kommt die Zahl der im Zustande kolloider Lösungen bis Mitte 1908 (meine Arbeiten ausgeschlossen) erhaltenen anorganischen Stoffe auf etwa 140. Das ist die Zahl der Stoffe, welche von sämtlichen Forschern ungefähr von Th. Grahams Zeiten bis Juli 1908 in den Zustand kolloider Lösungen übergeführt wurden. Bis Juli 1908 habe ich allein jedenfalls ebenso viele Stoffe in den kolloiden Zustand übergeführt. Allerdings habe ich mich in einzelnen Fällen bloß qualitativ davon überzeugt, daß ein gegebener Stoff eime kolloide Lösung geben kann, und habe die Eigenschaften und die Beständigkeit dieser Lösung eingehend nicht untersucht; doch habe ich immer für notwendig gehalten, eine gewisse Anzahl Repräsentanten einer jeden einzelnen, den gleichen Bildungsmechanismus besitzenden Serie von Versuchen einem sehr ausführlichen Studium zu unterwerfen. Die Tatsache, daß von einem einzigen Forscher im Laufe von ungefähr drei Jahren dieselbe Anzahl von Stoffen in kolloidem Zustande erhalten wurde, welche alle übrigen Forscher im Laufe von ungefähr 50 Jahren in kolloidem Zustande erhalten haben, ist der beste und anschaulichste Beweis dazu, daß dieser Forscher von der Allgemeinheit des Kolloidzustandes der Materie wirklich tief überzeugt war und die nötigen Kenntnisse wirklich besaß, auf welche Weise die Stoffe in diesen Zustand überzuführen sind.» (P. P. v. Weimarn, Kolloides und kristalloides Lösen und Niederschlagen. Kyoto 1921, S. 399–400.)Google Scholar
  32. 1).
    Ich meinerseits, erhebe auch keine Ansprüche, in dem vorliegenden Artikel diese Frage erschöpfend beleuchtet zu haben; es ist durchaus möglich, daß ich das eine oder das andere übersehen habe.Google Scholar
  33. 1).
    Diese Wissenschaft kann ferner in Dispersoidchemie (bzw. Dispersochemie) und Dispersoidphysik (bzw. Dispersophysik) eingeteilt werden.Google Scholar
  34. 2).
    Vgl. P. P.v. Weimarn, Zur Lehre von den Zuständen der Materie, S. 184 (1914). Verlag von Th. Steinkopff.Google Scholar
  35. 1).
    P. P. v. Weimarn, Journ. d. Russ. Chem. Ges.38, 263–280 (1906); Koll.-Zeitschr.2, 114 (1907); Grundzüge der Dispersoidchemie, 5 (1911).Google Scholar

Copyright information

© Verlag von Theodor Steinkopff 1923

Authors and Affiliations

  • P. P. v. Weimarn
    • 1
  1. 1.Osaka(Japan)

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