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Psychologische Forschung

, Volume 20, Issue 1, pp 159–194 | Cite as

Induzierte Helligkeitsveränderung

  • Wilhelm Wolff
Article

Zusammenfassung

Wird eines von zwei gleichgroßen nebeneinanderliegenden Feldern allmählich in seiner Helligkeit verändert, so erfolgt phänomenal auch eine Helligkeitsveränderung des objektiv konstanten Feldes, und zwar in entgegengesetzter Richtung (dynamischer Kontrast).

Liegt im sonst homogenen optischen Ganzfeld ein Infeld, so verändert sich bei objektiver Helligkeitsveränderung des Umfeldes die Helligkeit des (objektiv konstanten) Infeldes entgegengesetzt zur Umfeldveränderung. Unter günstigen Bedingungen ist die Infeldveränderung stärker als die Umfeldveränderung, oder es erfolgt sogar nur am Infeld eine Veränderung. Als günstige Bedingungen erwiesen sich: geringer Helligkeitsabstand zwischen Umfeld und Infeld, langsame objektive Helligkeitsveränderung.

Die Gesetze der induzierten Helligkeitsveränderung (des dynamischen Kontrastes) zeigen weitgehende Übereinstimmung mit denen der induzierten Bewegung (des Bewegungskontrastes).

Wie der dynamische ist auch der gewöhnliche (statische) Helligkeits-kontrast vom figuralen Zuordnungsverhältnis der Felder abhängig: unter sonst gleichen Bedingungen fällt die Kontrastwirkung vom Grund auf die Figur stärker aus als die von der Figur auf den Grund.

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Literaturverzeichnis

  1. 2.
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  2. 3.
    So wollen wir die Kontrasterscheinungen nennen, die sich an einem Felde zeigen, wenn die Helligkeit seines Umfeldes oder eines anderen „kontrasterregenden” Feldes verändert wird. Den gewöhnlichen Kontrast nennen wir „statischen Kontrast”.Google Scholar
  3. 4.
    Hering, E.: Grundzüge der Lehre vom Lichtsinn S. 134 f. und S. 132. 1920.Google Scholar
  4. 1.
    Duncker, K.: Psychol. Forsch.12 (1929). Herrn Dr.Duncker verdanke ich die Anregung zu der vorliegenden Untersuchung und vielen Rat und Hilfe bei der Durchführung.Google Scholar
  5. 1.
    Diese Regel steht im Einklang mit dem Ergebnis vonHerings oben beschriebenem Versuch: auch dort war die Veränderung des Infeldes am stärksten bei annähernder Helligkeitsgleichheit zwischen Umfeld und Infeld, und bei diesem Helligkeitsverhältnis dominierte das Infeld in der Helligkeitsänderung. Auch inExners Beobachtung herrschte annähernde Helligkeitsgleichheit zwischen Innenraum und Fensterfläche.Google Scholar
  6. 1.
    Dies geschah übrigens nicht mehr, wenn das Bewegungsfeld ins Innere der Kammer verlegt wurde.Google Scholar
  7. 2.
    Eine ausführliche Beschreibung des Ganzfeldes findet man beiW. Engel: Psychol. Forsch.13 (1929).Google Scholar
  8. 1.
    In den zuerst durchgeführten Versuchsreihen wurde die Helligkeitsveränderung durch eine Mattglasscheibe bewirkt, die gegen die Strahlenrichtung drehbar in den Strahlengang des Projektionsapparates eingesetzt wurde. Die Lichtdurchlässigkeit dieser Scheibe richtet sich nach dem Winkel, den die Ebene der Scheibe mit dem Strahlengang bildet. Der Veränderungsbereich, der auf diese Weise erzielt wird, ist aber sehr eng. Mit der Mattglasscheibe wurde der größere Teil der Versuche an zwei gleichgroßen Feldern durchgeführt.Google Scholar
  9. 1.
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  10. 2.
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  15. 1.
    Der Mittelpunkt der Figur auf dem Ganzfeld lag höher als der Kopf des Beobachters. Wenn die Figur frontalparallel erschienen wäre, so hätte sie also als Trapez gesehen werden müssen.Google Scholar
  16. 2.
    Metzger: a. a. O. Psychol. Forsch.13 (1929).Google Scholar
  17. 1.
    Analoges gilt für induzierte Bewegung (vgl.Duncker, a. a. O.,Duncker, K.: Psychol. Forsch.12 (1929), S. 212).Google Scholar
  18. 1.
    Es sei daran erinnert, daß — im Unterschied zu diesen unseren Versuchen —bei der induzierten Bewegung die Anwesenheit eines die beiden kritischen Felder umschließenden objektiv ruhenden Feldes häufig eine starke „verankernde” (i-hemmende) Wirkung auf das (gleichfalls objektiv ruhende) Infeld ausübte (vgl.Duncker, a. a. O. Psychol. Forsch.13 (1929). S. 222). Derartige „Verankerung” spielt bei Erscheinungen der induzierten Helligkeitsveränderung offenbar eine weit geringere Rolle.Google Scholar
  19. 1.
    Man vergleiche dazuDuncker, a. a. O. Psychol. Forsch.13 (1929). S. 205.Google Scholar
  20. 1.
    Unter einem „statischen” Objekt soll im folgenden ein solches verstanden sein, das in seiner Helligkeit unverändert bleibt, das also nicht wie in unseren bisherigen Versuchen über dieiHv während der Darbietung irgendwelche Helligkeitsänderungen erfährt.Google Scholar
  21. 1.
    Die Tabellen 3 und 4 sind für die vorliegende Frage nicht auswertbar. Die Versuche an zwei Feldern nebeneinander wurden mit der Grenzmethode ausgeführt. Die objektiven Helligkeitsänderungen waren in jedem Falle von verschiedenem Betrag — je nach der Zeit, nach welcher eine Aussage erfolgte.Google Scholar
  22. 2.
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  23. 3.
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    Schjelderup, H. K.: Z. Sinnesphysiol.51 (1920). Die Schwelle ist in diesen Arbeiten meist für einen lokalen Zusatz gemessen. Der Unterschied dürfte aber für das hier erörterte Problem von sekundärer Bedeutung sein.Google Scholar
  25. 5.
    NachG. E. Müller rühren die beobachteten Schwellenerhöhungen daher, daß der Kontrast an sich die Schwellen erhöht. Aber das ist eine Hypothese ad hoc.Google Scholar
  26. 1.
    Müller, G. E.; Z. Psychol. Erg.-Bd.17, 65 (1930).Google Scholar
  27. 2.
    Wir behandeln hier den in Frage stehenden Versuch am Ganzfeld als Kontrasterscheinung und verweisen denjenigen Leser, der etwa die Ganzfeldversuche als in das Gebiet der Transformation gehörig betrachtet, auf die Diskussion im 3. Kapitel.Google Scholar
  28. 1.
    Über die Bedeutung des Hintergrundes siehe S. 181.Google Scholar
  29. 1.
    Vgl. dazu auch Tabelle 14 (S. 179).Google Scholar
  30. 1.
    Jaensch, E. R.: Z. Sinnesphysiol.52 (1921).Google Scholar
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  34. 5.
    Müller, G. E.: Z. Psychol. Erg.-Bd.17, 89 (1930).Google Scholar
  35. 1.
    Jaensch, E. R. u.E. A. Müller: Z. Psychol.83 (1920).Google Scholar
  36. 2.
    Wir berücksichtigen hier nur die ursprüngliche theoretische Formulierung, die in den genannten beiden Arbeiten vonJaensch niedergelegt ist, und lassen den weiteren speziellen Ausbau durchJaensch und seine Schule außer Betracht.Google Scholar
  37. 3.
    Katz, D.: Der Aufbau der Farbwelt 1930.Google Scholar
  38. 4.
    Haack, Th.: Z. Psychol.112 (1929).Google Scholar
  39. 1.
    Kirschmann hat festgestellt [Wundts Philos. Studien6 (1891)], daß oberhalb einer bestimmten Grenze Vergrößerung des Umfeldes keine Verstärkung des Kontrastes ergibt. Daß es bei der Transformation ein Optimum gibt, braucht nicht erst erörtert zu werden.Google Scholar
  40. 2.
    Benary: a. a. O. Psychol. Forsch.5 (1924).Google Scholar
  41. 3.
    Kroh: Z. Sinnesphysiol.52 (1921).Google Scholar
  42. 4.
    Wolff, Wilh.: Psychol. Forsch.18 (1933).Google Scholar
  43. 1.
    Weitere Beispiele beiKoffka: Z. Psychol.73 (1915) undFuchs: Z. Psychol.92 (1923).Google Scholar
  44. 2.
    Müller, G.E.: Z. Psychol.93 (1923).Google Scholar
  45. 3.
    Kroh: a. a. O. Z. Sinnesphysiol.52 (1921).Google Scholar
  46. 4.
    Gelb: a. a. O.Bethes Handbuch der Physiologie, Bd. 121. 1929.Google Scholar
  47. 1.
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  48. 2.
    Perls: Inaug.-Diss. Halle 1932.Google Scholar
  49. 1.
    Wenn man erst einmal eine Kontrastwirkung der Beleuchtung angenommen hat, läge es nahe, noch einen Schritt weiter zu gehen und auch die Transformation als Beleuchtungskontrast zu erklären.Google Scholar
  50. 1.
    Vgl.W. Köhler: Die physischen Gestalten S. 221. 1920.Google Scholar
  51. 2.
    Zur Theorie der retinalen Prozesse vgl.S. Hecht in: The Foundations of Experimental Psychology, herausgeg. vonC. Murchison S. 216 f. 1929, oder die kürzere Darstellung in: Die Naturwissenschaften13 (1925).Google Scholar
  52. 1.
    In dieser Voraussetzung und den aus ihr folgenden Konsequenzen wird, unter speziellen Annahmen, für die Helligkeitstransformation ein ähnlicher theoretischer Ansatz versucht, wie ihnKoffka [Psychol. Forsch.16 (1932)] in allgemeinerer Form für die Farbentransformation entwickelt hat.Google Scholar
  53. 2.
    Wir lassen es offen, welche bestimmten Vorgänge die Konzentration vonC in einem Gebiet herabzusetzen tendieren, wenn in einem Nachbargebiet eine geringere Konzentration besteht und umgekehrt. Zunächst denkt man natürlich an Ausgleich durch Diffusion. Aber um einen solchen kann es sich kaum handeln, da die Diffusion in kurzen Zeiten keinen Konzentrationsausgleich auf makroskopische Entfernung zuwege bringt.Google Scholar
  54. 1.
    Katz: a. a. O. Der Aufbau der Farbwelt 1930.Google Scholar

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© Verlag von Julius Springer 1935

Authors and Affiliations

  • Wilhelm Wolff
    • 1
  1. 1.Psychologischen Institut der Universität BerlinBerlinDeutschland

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