Psychologische Forschung

, Volume 18, Issue 1, pp 299–342

Über die Wirkung von Bereichsbildungen im Spurenfeld

  • Hedwig von Restorff
Analyse von Vorgängen im Spurenfeld

Zusammenfassung

In monotonen Reihen artgleichen Materials, wie sie die klassische Gedächtnispsychologie verwendet hat, wirken intensive Kräfte, die die entstandene Lernwirkung aufzuheben tendieren. Reihenglieder, die nicht in so monotoner Häufung gegeben werden, erreichen deshalb weit höhere Reproduktionswerte als Glieder in Häufungsstellung. Indessen beruht die untersuchte Schädigung nicht einfach auf der Nachbarschaft vieler einander artgleicher Glieder, sondern auf Bereichsbildung und auf Absorption der Glieder in Bereichen, die durch gleichmäßigen Reihenverlauf begünstigt wird. Prüfung des Wiedererkennens anstatt der Reproduktion führt zu demselben Ergebnis, jedoch anscheinend in schwächerer Form. — Rückwirkende und vorwärtswirkende Hemmung sind Nebenformen im Prinzip der gleichen Schädigung. Dem niederen Grade, mit welchem die Bereichswirkung bei Prüfung des Wiedererkennens wirksam zu werden scheint, dürfte Ausbleiben einer vorwärtswirkenden und rückwirkenden Hemmung bei derselben Prüfungsart entsprechen.

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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    Z. Psychol.61 (1912).Google Scholar
  2. 2.
    Z. Psychol.68 (1914).Google Scholar
  3. 3.
    Psychol. Forsch.1 u.2 (1922).Google Scholar
  4. 4.
    Soeben ist noch die KritikBartletts hinzugekommen (Remembering, Cambridge 1932).Google Scholar
  5. 1.
    Es handelte sich um kleine farbige Rechtecke.Google Scholar
  6. 1.
    Im ganzen: H: In 3 Reihen jedesmal 6 Paare, nacheinander von 3 Materialarten, bei 12 Vpn., die in einer Reihe nach 6, in einer gleichartigen nach 40 Minuten geprüft werden (vgl. oben). I: In 3 Reihen jedesmal 2 Paare, alles übrige wie bei H. Das gibt alles in allem: 432 Einzelfälle in H-Konstellation, 144 in I-Konstellation.Google Scholar
  7. 1.
    Ein weiterer Versuch ganz ähnlicher Art, bei dem die beiden Zeitintervalle zwischen Darbietung und Prüfung 15 und 55 Minuten betrugen, hat ebenfalls zu keiner Entscheidung in dieser Frage geführt. Das Übergewicht der Treffer in I-Konstellation war so deutlich wie sonst. Da aber die Reproduktionsziffern für beide Zeiten kaum überhaupt verschieden ausfielen, konnte sich auch kein Unterschied zwischen dem zeitlichen Verhalten von H- und von I-Spuren ergeben. (Die Prüfung wurde in diesem Falle nach der Methode der behaltenen Glieder vorgenommen.)Google Scholar
  8. 1.
    Ranschburg, Über die Bedeutung der Ähnlichkeit beim Erlernen, Behalten und bei der Reproduktion. J. Psychol. u. Neur.5 (1905).Google Scholar
  9. 2.
    Unabhängig von unserer Untersuchung hat soebenS. Forer [Z. Kinderforsch.42, (1933)] Versuche angestellt, in denen die Ergebnisse vonRanschburg ebenfalls bestätigt werden.Google Scholar
  10. 3.
    Müller u.Schumann, Experimentelle Beiträge zur Untersuchung des Gedächtnisses. Z. Psychol.6 (1894).Google Scholar
  11. 1.
    Nicht nur die Trefferzahlen, auch die vonRanschburg ebenfalls festgestellten Trefferzeiten sind in diesem Sinne ausgefallen.Google Scholar
  12. 1.
    Die Zahl 4,9 ist entstanden aus 93:19, 4,7 aus 89:19. Die Zahl der möglichen Fälle ist 12 in jeder I-Konstellation, 228 in jeder H-Konstellation.Google Scholar
  13. 2.
    Die Ziffern 100 und 92% für Zahlen und Silben als isolierte Fälle geben keinen Grund zur Beanstandung dieser Versuche. Hätte eine ganzeReihe durchweg zutreffende Fälle ergeben, so würde das bei unserem Verfahren, das Prüfung mit fremden Gliedern ausschließt, die Folgerung zulassen, daß die Vpn. diesen Sachverhalt erkannt haben; das Ergebnis wäre also wertlos. In Wirklichkeit ist abernur das isolierte Glied der einen Reihe von allen Vpn., das der anderen von fast allen wiedererkannt worden; von den übrigen Gliedernderselben Reihen im Durchschnitt nur 40% und von den Reihenals ganzen nur wenig mehr (43%). Man kann deshalb annehmen, daß der wahre Sachverhalt gerade nicht durchschaut worden ist.Google Scholar
  14. 1.
    Es ist freilich zu bedenken, daß das kritische Glied durch seinen Platz mitten in der sonst homogenen Reihe besonders akzentuiert ist. Vgl. die Überlegung S. 319.Google Scholar
  15. 1.
    Das Wort “Verlauf” ist hier ohne seine zeitliche Bedeutungsnuance zu verstehen, so wie man z. B. von dem „Kraftlinienverlauf” auch in einem ruhenden Feld spricht. Die Bedeutung der Beziehungen zweiter Ordnung oder des Beziehungsverlaufes für alle anschauliche Gestaltung hatWertheimer schon seit Jahren in Vorlesungen und Übungen diskutiert.Google Scholar
  16. 1.
    Damit das zutrifft, muß freilich dieReihenfolge der Glieder in einem solchen Falle „geordnet” sein.Google Scholar
  17. 2.
    Das eben auseinandergesetzte Prinzip ist vor kurzem vonLewin undBirenbaum bereits außerhalb des Wahrnehmungsgebietes experimentell angewendet worden (Das Vergessen einer Vornahme. Psychol. Forsch.13 [1930]). Es zeigte sich in dieser Untersuchung, daß eine Reihe von untereinander sehr verwandten Betätigungen einer Vp., die aufeinander folgen, einen einheitlichen Geschehensbereich bildet, innerhalb dessen eine anfangs gegebene Nebeninstruktion dauernd, von Aufgabe zu Aufgabe, befolgt wird. Wird der gleichmäßige Aufgabenverlauf an einer Stelle unterbrochen, dadurch, daß plötzzich ein Sprung zu hinreichend andersartigen Betätigungen erfolgt, so setzt damit ein neuer Geschehensbereich ein, und die Vpn. befolgen von dieser Stelle an die Nebeninstruktion vielfach nicht mehr, sie “denken nicht mehr an sie”. Es fragt sich nun, ob diese Erscheinung von dem Auftreten eines großen Unterschiedes an und für sich abhängt oder davon, daß dieser Unterschiedgrößer ist als die Unterschiede zwischen den vorausgehenden Aufgaben, also von demSprung im Ähnlichkeitsverlauf. Diese Frage wurde durch Versuche entschieden, in denen von vornherein alle Einzelaufgaben etwa so verschieden voneinander waren, wie im letzten Falle nur die kritische neue gegenüber ihren sämtlichen unter sich gleichartigen Vorgängern. Es ergab sich, daß jetzt, bei gleichmäßig gesteigerten Unterschieden, die Nebeninstruktion etwa ebenso von Aufgabe zu Aufgabe fortlaufend befolgt wurde wie in einer Reihe von sehr verwandten Aufgaben. DieGleichmäßigkeit des Ähnlichkeitsverlaufes ist eben in beiden Fällen ungefähr dieselbe, und deshalb bildet sich beide Male ein einheitlicher Geschehensbereich aus. (Nur in diesem Prinzip stimmen die Versuche vonLeuin undBirenbaum mit den im folgenden zu beschreibenden überein. Der „Indikator” für Bereichsbildungen, die Befolgung der Nebeninstruktion, ist in der älteren Arbeit ganz anders von diesen Bereichsbildungen abhängig als die Reproduktionen in unseren folgenden Versuchen.)Google Scholar
  18. 1.
    Solche homogenen Bereiche werden dabei noch verschiedene Reproduktionsziffern ergeben, je nachdem wie ausgedehnt sie sind. Z. B. werden in einer Reihe des Typus A1A2A3B1B2B3B4B5B6B7 ceteris paribus die A besser gestellt sein als die B. Vgl. die Bestätigung in dem Versuch oben S. 312, wo es sich freilich um Prüfung des Wiedererkennens handelt. Aus demselben Grunde sind offenbar uner sonst gleichen Umständen längere Reihen viel schwerer einzuprägen als kurze.Google Scholar
  19. 1.
    Die Ausdrücke „homogene” und „heterogene” Reihe sind ja nur in gegenseitiger Beziehung zu verstehen. Eine bestimmte, heterogen genannte Reihe z. B. verdient diesen Namen im Vergleich mit einer homogenen, in der zwischen den Einzelgliedern durchweg viel engere Verwandtschaften bestehen. Die gleiche heterogene Reihe aber könnte als homogen zu bezeichnen sein im Vergleich mit einer andern, deren Glieder sämtlich noch viel stärker verschieden wären. Entsprechend würden sich, bei jeweils angemessenem Versuchsverfahren, die Reproduktionsziffern der Reihen zueinander verhalten müssen.Google Scholar
  20. 1.
    Sie konnten infolgedessen nicht bemerken, daß es sich beidiesem Lernen nur um eine Tätigkeit handelte, die stets etwa gleichartige Ausfüllung der Zwischenzeit garantieren sollte.Google Scholar
  21. 1.
    Zu dem ersten dieser 3 Fälle ist noch zu bemerken: Eine durchweg homogene Reihe erreicht vielleicht nicht die höchste überhaupt vorkommende Bereichsfestigkeit. Es ist theoretisch nicht unwahrscheinlich, daß Einfügung eines Paares (Gliedes) vonanderer Materialart die Festigkeit des homogenen Bereiches, aus dem es ausgesondert wird, noch steigert. Vorläufige Versuche in dieser Richtung lassen uns vermuten, daß eine solche Wirkung in der Tat eintritt, und zwar auch dann, wenn das fremde Material an die Stelle von homogenem Material tritt, dessen Häufung also zugleich etwasvermindert wird.Google Scholar
  22. 1.
    Diesen Vpn., sowie den Direktoren und Lehrern, die so liebenswürdig waren, uns das Experimentieren mit ihren Klassen zu gestatten, ganz besonders aber Fräulein cand. phil.Ilse Müller, die bei den Schulversuchen und auch sonst unermüdlich als Versuchsleiterin mitgewirkt hat, sprechen wir unseren aufrichtigen Dank aus.Google Scholar
  23. 1.
    Dieser Wert (65%) zeigt übrigens wieder, daß Silbe und Zahl in der heterogenen Reihe wirklich keine Sonderstellung einnehmen; denn der Durchschnittswert für Silbe und Zahl in dieser Reihe liegt fast ebenso hoch (56%).Google Scholar
  24. 1.
    Das ist die Fragestellung vonKoffha undWulf. Psychol. Forsch.1, 1922.Google Scholar
  25. 1.
    In der Tat haben vonSander angeregte, vonJohannes durchgeführte Versuche ergeben, daß Figuren, welche in einemspezifisch zusammengehörigen Gesamtaufbau liegen (freilich aber diskret bleiben), deutlich leichter eingeprägt und besser behalten werden als ähnliche Figuren, die als ungeordnetes Aggregat dargeboten worden sind. [Arch. f. d. ges. Psychol.85 (1932).]Google Scholar
  26. 2.
    Eine von ihnen muß später (S. 340f.) erörtert werden.Google Scholar
  27. 1.
    Müller u.Pilzecker, Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis. Z. Psychol., Ergänzungsband1 (1900).Google Scholar
  28. 2.
    E. S. Robinson, Psychologic. Monogr.27 (1920). —E. B. Skaggs, Psychologic. Monogr.34 (1925). —E. S. Robinson, Amer. J. Psychol.39 (1927). —L. M. Harden, J. gen. Psychol.2 (1929). —J. A. McGeoch, J. of exper. Psychol.14 (1931).Google Scholar
  29. 1.
    Paul L. Whiteley, J. of exper. Psychol.10 (1927). Die VersucheWhiteleys gehen von einer anderen Fragestellung aus und geben deshalb keine ganz klare Antwort auf die oben aufgeworfene Frage.Google Scholar
  30. 2.
    R. Heine, Z. Psychol.68 (1914).Google Scholar
  31. 1.
    Das durchschnittliche Alter der Vpn. beider Gruppen ist fast gleich, das soziale Milieu, aus dem sie stammen, ebenfalls; und die Gruppen können als hinreichend groß gelten. Sie zeigen ja auch jede für sich (bei verschiedenem Material) Unterschiede der gleichen Richtung zwischen G- und U-Konstellation (Tab. 12). — Es muß jedoch betont werden, daß bei solchem Versuchsverfahren auf hinreichende Gruppengröße ganz besonders geachtet werden muß. Man kann sonst irreführende Scheinresultate erhalten.Google Scholar
  32. 1.
    Durch scharfe Kontrolle wurde es den Vpn. dieser Gruppe unmöglich gemacht, die Beschäftigung mit ihren Denkaufgaben zu wenig ernst zu nehmen. Sie haben sich ohne Zweifel intensiv um deren Lösung bemüht.Google Scholar
  33. 1.
    Derselbe Versuch wurde an Schulkindern wiederholt mit der einzigen Änderung, daß die Vpn. in der GG-Konstellation Träume niederschreiben sollten. Das Ergebnis war der Richtung nach das gleiche, insbesondere fiel die rückwirkende Hemmung am geringsten aus in der Konstellation, wo die Zwischenzeit anstatt durch weitere Reihen und ihre Prüfung durch eine ganz andersartige Beschäftigung ausgefüllt wurde.Google Scholar
  34. 2.
    Aus demselben Grunde dürften die Reproduktionsziffern für die Zahlen auch in den anderen Konstellationen so niedrig liegen.Google Scholar
  35. 3.
    G. E. Müller, a. a. O.Müller u.Pilzecker, Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis. Z. Psychol., Ergänzungsband1 (1900).Google Scholar
  36. 1.
    Für diesen Vergleich kann Serie V mit Serie III zusammengenommen werden, weil es bei ihm nichts ausmacht, daß die Trefferzahlen von Serie V im ganzen bedeutend niedriger liegen.Google Scholar
  37. 2.
    Whiteley, a. a. O. J. of exper. Psychol.10 (1927).Google Scholar
  38. 1.
    Vgl. jedoch die Überlegungen S. 341.Google Scholar
  39. 1.
    In diesem Falle wurden außer Gliedern aus der Hauptreihe auch einige fremde (1 Zahl, 2 Konsonantengruppen) geprüft. Ein Einfluß dieser Zusatzobjekte war nicht zu konstatieren.Google Scholar
  40. 2.
    Es ist von besonderem Interesse, daß dieses Ergebnis außer einer Bestätigung des Fehlens der rückwirkenden Hemmung bei Prüfung des Wiedererkennens zugleich einen neuen Beweis für Häufungswirkungenin einer Reihe bei derselben Prüfungsart darstellt. Diese Ziffern der zutreffenden Fälle für die Zahlen, welche in der Hauptreihe so viel stärker gehäuft waren, sind sehr viel niedriger als die für Silben und Figuren.Google Scholar

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© Verlag von Julius Springer 1933

Authors and Affiliations

  • Hedwig von Restorff
    • 1
  1. 1.Psychologischen Institut der Universität BerlinBerlinDeutschland

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