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Zeitschrift für Hygiene

, Volume 10, Issue 1, pp 111–135 | Cite as

Ueber die chemische und bacteriologische Untersuchung der Kläranlage (System Röckner-Rothe) in Potsdam

  • B. Proskauer
  • Stabsarzt Nocht
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Schlusssätze

  1. 1.

    Die Potsdamer Jauche, wie sie augenblicklich durch das Röckner-Rothe'sche Verfahren zur Klärung und Reinigung gelangt, unterscheidet sich von den bisher mittels desselben Verfahrens behandelten städtischen Abwässern durch eine stärkere Concentration und namentlich durch einen viel höheren Gehalt an Fäkalstoffen.

     
  2. 2.

    Die Klärung der Jauche in Potsdam ist eine vollständige.

     
  3. 3.

    Die Entfernung der gelösten fäulnissfähigen (organischen) Stoffe aus der Potsdamer Jauche hat sich bei beiden Untersuchungen als eine unvollständige erwiesen, da sich die Oxydirbarkeit nur um 44 Procent und die organischen stickstoffhaltigen Substanzen um 36 Procent vermindert hatten. Die Fäulniss wird vorläufig dadurch verhindert, dass augenblicklich nur verhältnissmässig geringe Jauchemengen zur Reinigung gelangen, und diese nach ihrer Klärung durch Einleiten in die Havel derartig verdünnt werden, dass die Zusammensetzung des Havelwassers (wenigstens bei den während der vorstehenden Untersuchungen beobachteten Wasserständen von 1·22 und 1·29m) schon 1m unterhalb des Jauchezuflusses nur ganz unwesentlich, 10m unter- halb desselben aber gar nicht mehr verändert wird.

     
  4. 4.

    Eine genügende Desinfection der Potsdamer Jauche wird vorläufig nicht erreicht, weil bei ihrer jetzigen Concentration der Kalkzusatz ein viel zu geringer ist. Bei einem Zusatz der fünffach grösseren Menge von Kalk, als bisher, wird aber die Anzahl der Mikroorganismen in kurzer Zeit so erheblich reduzirt, dass, nach den bisher vorliegenden Erfahrungen, durch die Nachwirkung auch selbst etwas geringerer Kalkmengen in der geklärten Jaucheflüssigkeit eine als ausreichend zu bezeichnende Verminderung der entwickelungsfähigen Keime vorausgesetzt werden kann.

     
  5. 5.

    Der aus dem Klärbrunnen durch die Schlammpumpe entfernte Schlamm erwies sich als ungenügend desinficirt.

     

Die hier mitgetheilteu Beobachtungen lehren zugleich, wie wichtig es ist, vor definitiver Inbetriebsetzung von Reinigungsanlagen für städtische Abwässer, bei welchen Kalk benutzt wird, diejenige Menge von Aetzkalk festzustellen, welche nothwendig ist, um das zur Reinigung bestimmte Schmutzwasser möglichst vollständig zu desinficiren. Alle bisherigen Erfahrungen beweisen, dass die Menge des Kalkes, sowie auch die Einwirkungsdauer desselben je nach der Beschaffenheit des Abwassers variirt werden muss. In Essen genügte z. B. bereits ein Ueberschuss von 160mg Aetzkalk pro Liter Abwasser, um den Keimgehalt von 400 000 sofort auf 8060 und nach 24stündiger Einwirkung auf 180 Keime herabzudrücken, während dieselbe Menge Kalk bei anderen Abwässern selbst nach 24 Stunden eine gleiche Desinfection nicht zu bewerkstelligen vermochte.

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© Verlag von Veit & Comp. 1891

Authors and Affiliations

  • B. Proskauer
  • Stabsarzt Nocht

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