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Über den Harnsäureinfarkt der Neugeborenen. Mikrochemische Untersuchungen

  • Sabine Ehrlich
Article

Zusammenfassung

Aus den mikroskopischen Untersuchungen geht hervor: Der Harnsäureinfarkt ist eine aus konzentrisch geschichteten, radiär gestreiften Kugelelementen bestehende Anfüllung der geraden Harnkanälchen. Vereinzelt wird er auch in den Kanälchen der Rinde gefunden. Die Infarktniere zeigt Zellveränderungen in Rindenkanälchen und Sammelröhren. Beziehungen zwischen Infarktkonkrementen und Wandepithel sind wahrscheinlich. Durch histochemische Reaktionen wurden neben der Harnsäure Natrium, Calcium, Phosphorsäure und Oxalsäure als Bestandteile des Infarktes nachgewiesen.

Bei kritischer Wertung des Schrifttums ergibt sich: Der Harnsäureinfarkt ist eine bei fast allen Neugeborenen in den ersten Lebenstagen auftretende Erscheinung. Grundlegende Ursache für seine Entstehung ist ein Harnsäureüberschuß des Blutes, der schon während der Geburt vorhanden ist. Dazu kommt in den ersten Lebenstagen eine gesteigerte Harnsäurebildung aus Kernstoffen zahlreicher zerfallender Leukocyten. Unmittelbar nach der Geburt beginnt die Ausscheidung durch die Niere. Dabei schlägt sich in der starken Konzentration und sauren Reaktion des Harns der ersten Lebenstage bei gegebener Kolloidveränderung eine Natriumverbindung der Harnsäure innerhalb der Niere nieder. Die bereits gebildeten Konkremente verursachen eine sekundäre Schädigung der Kanälchenepithelien, als deren Ausdruck vielleicht die akzessorische Ablagerung der mikrochemisch als Infarktbestandteile ermittelten Kalksalze aufzufassen ist.

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Schrifttum

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1932

Authors and Affiliations

  • Sabine Ehrlich
    • 1
  1. 1.II. medizinischen KlinikMünchen

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