Zur Pharmakologie der Bronchialmuskulatur

Zugleich ein Beitrag zur Lehre von der Lungenstarre
  • Hans Januschke
  • Leo Pollak
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Intravenöse Injektion von Adrenalin bewirkt eine Vergrößerung der Atemexkursionen der Lunge und zwar schwächer im normalen Zustand, bedeutend stärker hingegen im Zustand des Muskarinasthmas.

     
  2. 2.

    Dieser Muskarin-Adrenalin-Antagonismus erwies sich als geeignet zur Entscheidung der Frage, ob Bronchialkrampf oder Stauung im Lungenkreislauf (Lungenstarre) das wesentliche Atemhindernis beim Muskarinasthma bildet. Es ließ sich zeigen, daß dem Bronchialkrampf die ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Die Gegenwirkung des Adrenalins beruht demnach in der Lösung des durch Muskarin erzeugten Bronchialkrampfes.

     
  3. 3.

    Auch der durch Peptoninjektion erzeugte Bronchialkrampf wird durch Adrenalin aufgehoben, nicht hingegen der durch ß-Imidazolylaethylamin hervorgerufene.

     
  4. 4.

    Gleich wie die übrigen Hemmungswirkungen des Adrenalins im Organismus, wird auch die bronchodilatatorische Wirkung desselben durch Ergotoxin nicht beeinflußt.

     

Wenn wir zum Schluß auf die eingangs erwähnten therapeutischen Erfolge des Adrenalins beim Asthma bronchiale zurückkommen, so haben dieselben durch unsere Untersuchung eine experimentelle Stütze und Deutung erfahren. Die Tatsache, daß die Adrenalinwirkung dabei nicht durch Zirkulationsänderung, sondern durch Bronchialerweiterung zustande kommt, ermöglicht aber eine diagnostische Anwendung von Adrenalininjektionen in der menschlichen Pathologie zur Aufdeckung bronchokonstriktorischer Vorgänge auch bei anderen Krankheitszuständen als Asthma bronchiale. Einige Versuche, die wir beide auf inneren Abteilungen (I. med. Abteilung des k. k. Krankenhauses Wieden, Prof. Dr. M. Sternberg und Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien, kais. Rat Dr. A. Lerch) in dieser Richtung unternahmen, haben die Anwesenheit solcher bronchospastischer Zustände bei Fällen von Herzmuskelinsuffizienz, Nephritis, sowie insbesondere bei jenen vorübergehenden dyspnoischen Zuständen der Emphysematiker, welche gewöhnlich auf Herzschwäche bezogen werden, wahrscheinlich gemacht.

Daß eine der Ursachen solcher vorübergehender Bronchialmuskelkrämpfe in der Reizung eines bronchokonstriktorischen Zentrums in der Medulla oblongata durch das Stauungsblut zu erblicken ist, ist uns nach Tierversuchen wahrscheinlich, in denen durch Abklemmung der Vena cava superior bei intakten Nervi vagi Bronchokonstriktion eintrat.

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Copyright information

© Verlag von F. C. W. Vogel 1911

Authors and Affiliations

  • Hans Januschke
    • 1
  • Leo Pollak
    • 1
  1. 1.pharmakologischen Institut der Universität in WienWienÖsterreich

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