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Dr. N. Gerber's Acidbutyrometrie als wissenschaftliche Untersuchungsmethode für Milch

  • G. Koestler
  • W. Loertscher
Originalmitteilungen

Zusammenfassung

Die Ausmessung einer Einheit des Skalenlumens am Dr. N. Gerber'schen Acidbutyrometer hat ergeben, daß ein beträchtlicher Teil des aus der analysierten Milch stammenden Fettes bezw. dessen Umwandlungsprodukte in dem wässerigen Teil des Butyrometerinhaltes verbleiben müssen, wenn die Ablesungen am Acidbutyrometer wirklich Grammprozente (g Fett in 100 g Milch) darstellen sollen. So berechnet sich beispielsweise, daß das Fett einer 4,00 gew.-%-igen Milch im Lumen der 4 Skalenteile des Fettprüfers um etwa 0,2 Skalenteile (%) nicht Raum finden kann, während unter der Annhame, der Fettgehalt der Milch werde durch die Ablesung am Butyrometer als Volumenprozent (g Fett in 100 ccm Milch) angegeben, der genannte Raum von 4 Skalenteilen die berechnete Fettmenge mit Einschluß von 2–3% Amylalkohol ziemlich genau aufzunehmen vermöchte.

Es hat sich für eine auch wissenschaftlichen Bedürfnissen entsprechende Fettbestimmung nach Dr. N. Gerber's Acidbutyrometrie die Notwendigkeit ergeben, daß die dabei zu beachtende Arbeitsweise noch mehr in Einzelheiten vorgeschrieben werden muß, als dies gemeinhin geschieht. Wir haben deshalb eine genaue Beschreibung der von uns befolgten Arbeitsweise gegeben.

Ein Vergleich der Analysenergebnisse nach Dr. N. Gerber's Acidbutyrometrie mit denjenigen anerkannt zuverlässiger Fettbestimmungsmethoden hat gezeigt, daß die Acidbutyrometrie im allgemeinen zu hohe Werte angibt, und zwar werden nach Dr. N. Gerber bei Milch mit mittlerem Fettgehalt um etwa 0,1% zu hohe Werte erhalten.

Weitere Untersuchungen, die mit Verwendung von reinem Milchfett ausgeführt wurden, haben ergeben, daß die am Butyrometer abgelesenen mit den berechneten Werten nur dann gut übereinstimmen, wenn kleine Mengen an Milchfett eingewogen wurden. Je größere Fettmengen zur Untersuchung in Dr. N. Gerber's Acidbutyrometer genommen wurden, desto weniger gut stimmten die am Butyrometer abgelesenen mit den rechnerisch ermittelten Fettzahlen überein. Es empfiehlt sich deshalb die Anwendung einer Korrekturtabelle:

Fettgehalt der Milch (g Fett in 100 g Milch)

Abzug am Ergebnis der acidbutyrometrischen Fettbestimmung

0,00–1,50 %

0,00 %

1,51–2,50 „

−0,05 „

2,51–3,50 „

−0,10 „

3,51–4,50 „

−0,15 „

4,51–5,50 „

−0,20 „

Mit Berücksichtigung dieser Korrekturen gibt die Dr. N. Gerber'sche Acidbutyrometrie Resultate, die in bezug auf Zuverlässigkeit mit jenen anerkannt bester Milchfettbestimmungsmethoden gleichgestellt werden können.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1929

Authors and Affiliations

  • G. Koestler
    • 1
  • W. Loertscher
    • 1
  1. 1.Schweizerischen milchwirtschaftlichen und bakteriologischen Anstalt in Liebefeld-BernLiebefeld-BernSchweiz

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