Über die Ficksche Lücke und die polare Erregung des Nerven
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Zusammenfassung
- 1.
Bei reiner Schließungserregung einer langen Nervenstrecke mit aufsteigenden konstanten Strömen zunehmender Stärke tritt eine Verkürzung der Latenzzeit der Muskelzuckung ein, und zwar derart, als ob der Nerv nicht an der muskelfernen Kathode, sondern in der Gegend der muskelnahen Anode gereizt wäre. (Erst bei weiterer Verstärkung des Heizstromes nehmen mit der Erniedrigung der Muskelzuckungen infolge Annäherung an den 3. Fall des Pflüger schen Zuckungsgesetzes die Latenzzeiten wieder zu.)
- 2.
Die Verkürzung der Latenzzeiten wird auf die Ausbildung sekun-därer Kathoden innerhalb der durchflossenen Nervenstrecke zurückgeführt. Als Sitz der sekundären Kathoden (und Anoden) kommen in erster Linie die Siebplatten der Ranvierschen Einschnürung in Frage.
- 3.
Sekundäre Kathoden können künstlich durch Abbiegen eines Nerven in der intrapolaren Strecke auch bei Stromstärken hervorgerufen werden, welche bei gerader Nervenstrecke noch kein Heran-rücken des Erregungsortes an die Anode bewirken.
- 4.
Besonders deutlich läßt sich die Verkürzung der Latenzzeit bei aufsteigenden Induktionsschlägen zeigen. Bei Schließungsschlägen, welche bei ihrer Verstärkung eine deutliche Ficksche Lücke erkennen lassen, fällt der Umschlag in die Lücke, d. h. vor Eintritt der Lücke sind die Latenzzeiten lang (als ob der Reizort an der physikalischen Kathode gelegen wäre), hinter der Lücke sind sie kurz (als ob der Reizort in die Gegend der Anode gerückt wäre). Bei Öffnungsschlägen, bei denen eine Lücke nicht nachweisbar ist, tritt der Umschlag unvermittelt ein.
- 5.
Es wird hieraus geschlossen, daß nicht, wie bisher zur Erklärung der Lücke angenommen wurde, eine Erregung durch „schwindenden Anelektrotonus“ Ursache des Wiederauftretens neuer, hoher Zuckungen jenseits der Lücke ist, sondern daß sie durch die Ausbildung sekun-därer Kathoden in der intrapolaren Strecke, und zwar nahe an der physikalischen Anode zustande kommen. Bevor diese sekundären Kathoden bei Erhöhung der Reizstärke zur Wirksamkeit kommen, geht die Erregung von der Gegend der physikalischen Kathode aus, muß also das ganze Gebiet der depressiven Anodenwirkung durch-laufen und kann auf diesem Wege erlöschen (Gebiet der Lücke).
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