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Wirkung allseitiger Kompression auf den Froschmuskel

  • U. Ebbecke
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Zusammenfassung

Ein kurzdauernder allseitiger Druck von200–300 Atmosphären bleibt ohne Wirkung auf Nerv und Muskel, im Gegensatz zu der erregenden und schädigenden Wirkung lokaler ringförmiger Kompression von zeitlich gleichem Verlauf und4 Atmosphären Druckstärke, wodurch die bei allseitiger Kompression ausgeschaltete Deformation als wesentlicher Faktor der gewöhnlichen Druckreizung bewiesen wird.

Ein Druckstoss von300–400 Atmosphären löst— auch am curaresierten Muskel — eine kräftige Zuckung aus, ohne zu schädigen. Diese Reizung kann über hundertmal wiederholt werden, wobei die Erregbarkeit anfangs steigt, später allmählich sinkt.

Ein längerdauernder oder stärkerer Druck bewirkt eine Dauerverkürzung, die keine fibrillären oder „spontanen“ Zuckungen und, am Saitengalvanometer, keine tetanischen Aktionsströme zeigt, auf elektrischen Reiz gut mit Zuckung und Aktionsstrom reagiert und entweder nur solange der Druck besteht andauert oder bei stärkerer Reizung den Druck überdauert und sich mit erhaltener Erregbarkeit mehr oder weniger rasch ausgleicht. Noch heftigere Wirkung führt zu unvollkommen zurückgehender Verkürzung mit dauernder Schädigung und schliesslich zu Totenstarre.

Auch auf elektrisch unerregbare, aber noch nicht abgetötete Muskeln (Erschöpfung, Alkoholnarkose, Entsalzung durch Rohrzuckerlösung) ist der Kompressionsreiz noch wirksam.

Allgemeiner ausgedrückt: 1. Die allseitige Kompression ist bei richtiger Dosierung ein nicht schädigender und stark wirksamer Muskelreiz. 2. Bei der Kompressionsreizung finden sich alle Übergänge von Zuckung zu reversibler Dauerverkürzung bis zur mehr oder weniger irreversibeln Dauerverkürzung und Totenstarre.

Als die physikalisch-chemische Veränderuug, die durch hohen Druck im Muskel entsteht und die Erregung auslöst, ist, durch Ausschluss anderer Wirkungsmöglichkeiten, mit Wahrscheinlichkeit die stärkere Dissoziation und Ionisierung der im Muskel vorhandenen schwachen Elektrolyte, die Steigerung der Ionenkonzentration anzusehen.

Die durch Kompression hervorgerufenen Dauerverkürzungen haben mit den thermisch und chemisch hervorgerufenen viel gemeinsam. Sie unterscheiden sich von ihnen durch ihre leichtere Abstufbarkeit und geringere Schädigung und in bezug auf die Reizeinwirkung dadurch, dass die zur Erregung führende Veränderung nicht von aussen an den Muskel gelangt, sondern im Muskel selbst entsteht und alle Fasern gleichmässig betrifft.

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© Verlag von Martin Hager 1914

Authors and Affiliations

  • U. Ebbecke
    • 1
  1. 1.Physiologischen Institut der Universität GöttingenDeutschland

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