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Theorie der Narkose

  • J. Traube
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Zusammenfassung

  1. 1.

    Die erste Vorbedingung für die Wirkung eines Narkotikums ist sein geringer Haftdruck am Wasser. Für die weniger flüchtigen Narkotika ist die Oberflächenaktivität gegen Luft ein annäherndes Maass dieses Haftdrucks.

     
  2. 2.

    Die treibende Kraft der Osmose ist der reziproke Haftdruck am Wasser, die Widerstände sind die Reibungen, welche sich den diosmierenden Stoffen in Gestalt von Gelwänden und zähen kolloidalen Flüssigkeiten entgegenstellen. Der Quotient 1/Haftdruck x Reibung bestimmt die osmotische Geschwindigkeit.

     
  3. 3.

    Je geringer der Haftdruck am Wasser ist, und je narkotischer demnach der betreffende Stoff wirkt, um so grosser ist seine Fähigkeit, Gele (Gelatine, Natriumcholat, Eiweiss) zu lösen oder zu quellen, sowie die Reibung des Protoplasmas zu verringern. Die Narkotika haben daher die Fähigkeit, die Reibungswiderstände, welche sich ihrem Vordringen entgegenstellen, zu beseitigen oder zu verringern.

     
  4. 4.

    Die Narkotika wirken als Katalysatoren, beschleunigend namentlich auf Flockungen (Lecithin, Nukleoproteide usw.), verzögernd auf Oxydationen und andere fermentative Vorgänge (Hefe-, Zymase- und Invertasewirkung). Sie erniedrigen den Binnendruck und die Eeibung des Zellinhalts, verdrängen wirksame Stoffe von den Phasen- und Zellgrenzflächen und schaffen „todte Räume“ im Sinne Liebreich's.

     
  5. 5.

    Durch ihre Anreicherung an den Zellwänden schwächen die Narkotika die elektrischen Vorgänge in den Nerven entsprechend ihrer narkotischen Wirkung.

     
  6. 6.

    Die Erkenntnis, dass die narkotische Wirkung der Narkotika den katalytischen Wirkungen in bezug auf chemische, physikalische und insbesondere auf elektrische Vorgänge parallel geht, hat unser Wissen über das Wesen der Narkose erheblich gefördert; wie diese einzelnen Vorgänge verlaufen, und welche Vorgänge besonders mit der Narkose in Beziehung stehen, wissen wir nicht, Vorzugsweise dürfte es sich um Fermentlähmungen — durch reversible Kolloidflockung — handeln.

     

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© Verlag von Martin Hager 1915

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  • J. Traube

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