Advertisement

Untersuchungen über reizlose vorübergehende Ausschaltung am Zentralnervensystem

III. Mitteilung. Die Extremitätenregion der Grosshirnrinde
  • Wilhelm Trendelenburg
Article

Zusammenfassung

Die Methode der reizlosen vorübergehenden Ausschaltung durch Abkühlung ist in den dieser Mitteilung zugrunde liegenden Versuchen auf die Grosshirnrinde angewendet worden. Auch hier sollte eine Entscheidung über die Frage ermöglicht werden, inwieweit an den Folgeerscheinungen der gewöhnlichen Ausschaltung durch Zerstörung unvermeidliche Nebenwirkungen des Eingriffs beteiligt sind, welche zu weit grösseren Funktionsstörungen führen, als es bei einer reinen Ausschaltung der Fall sein würde. Die Untersuchung erstreckt sich auf die Extremitätenregion des Hundes und der Katze und die Armregion des Affen. An den erstgenannten Tieren konnte hauptsächlich die Aufhebung der Korrektion abnormer Gliedstellungen festgestellt werden, die z. B. dazu führt, dass der Fuss, künstlich mit dem Dorsum aufgesetzt, so stehen bleibt, oder dass das über den Tisch gezogene Bein nicht zurückgezogen wird. Auch beim Gehen unter erschwerten Umständen sind deutliche Störungen erkennbar. Beim Affen ist während einer Rindenkühlung der Arm und die Hand der Gegenseite von der Benutzung so gut wie ganz ausgeschlossen; Früchte werden nur mit der anderen Hand genommen und beim Fressen festgehalten; ebenso bleibt die der Kühlung entsprechende Hand bei Abwehrreaktionen sowie beim Gehen und Klettern unbenutzt. Alle diese Wirkungen gehen bei Wiedererwärmung schnell zurück und lassen sich durch Abkühlung ebenso schnell wieder hervorrufen, ohne dass irgendwelche Anzeichen von Schädigung der Rinde auftreten. Durch thermoelektrische Messungen wird nachgewiesen, dass bei diesen Versuchen nur die Kühlung der Kinde selbst in Betracht kommt, da die subkortikalen Ganglien keine Temperaturänderung erfahren. Bei sachgemässer Unterschneidung der Armregion der einen Seite und zwei Stunden später erfolgender Abkühlung der gleichen Rindenstelle der anderen Seite ist kein Unterschied in der Funktionsstörung beider Arme und Hände zu bemerken. Danach kann auch die Ausschaltung durch Abkühlung als eine vollständige angesehen werden. Für die Ausschaltung durch Schnitt geht aus diesem Vergleich aber hervor, dass bei ihr unvermeidliche Nebenwirkungen doch nicht so im Vordergrund stehen können, wie es vielfach angenommen wurde, sondern dass sich diese sogar bei richtigem Verfahren ganz vermeiden lassen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Verlag von Martin Hager 1911

Authors and Affiliations

  • Wilhelm Trendelenburg
    • 1
  1. 1.Physiologischen Institut der Universität Freiburg i. B.Deutschland

Personalised recommendations