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Über die psychologischen Fehlerquellen bei der palpatorischen Blutdruckmessung nach Riva-Rocci und von Recklinghausen

Zusammenfassung

A. Die psychologischen Ergebnisse sind folgende:

  1. 1.

    Das unwissentliche Verfahren hat eine Abhängigkeit der taktilen Wahrnehmung des Pulsfühlens von früheren taktilen Wahrnehmungen auf dem Umwege eines assoziativen Mechanismus über optische Erinnerungsbilder ergeben.

  2. 2.

    Das unwissentliche Verfahren hat ferner in der Erscheinung des subjektiven Pulses ein Beispiel der Verstärkung unbemerklicher Reize durch Affekt oder Aufmerksamkeitsspannung aufgewiesen.

  3. 3.

    Die Erscheinung des subjektiven Pulses ist ein Beispiel für die bisweilen so starke Undeutlichkeit unserer Wahrnehmungen.

  4. 4.

    Es gibt bei den vorliegenden Messungen eine Fehlerzone psychologischer Natur.

B. Medizinisches Interesse besitzt:

  1. 1.

    die Wahrscheinlichkeit einer grösseren Konstanz des Blutdruckes bei Normalversuchspersonen, als vielfach angenommen wurde;

  2. 2.

    der im Beginn der Messungen wiederholt beobachtete auffällige Drucknachlass bei Patienten in verhältnismässig kurzer Zeit (bis zu mindestens 40 cm Wasser in 1/2 Stunde).

C. Methodologische Folgerungen sind folgende:

  1. 1.

    Die Bestimmung der subjektiven Fehlergrenze nach Streuung und mittlerer Variation für jeden Beobachter und Angabe dieser Zahlen, zumal bei Veröffentlichungen;

  2. 2.

    der Ausschluss suggestiver Momente durch das unwissentliche Verfahren, zum mindesten bei der Bestimmung des subjektiven Fehlers;

  3. 3.

    die Einführung einer nicht zu geringen Zahl von Einzelmessungen (im allgemeinen 6–10);

  4. 4.

    nötigenfalls ein Kontrollverfahren, in dem man sich fragt, ob bei einem konstanten Druck von 100 über dem arithmetischen Mittel der Puls stets fehlt und bei 100 unter dem arithmetischen Mittel, ob er stets vorhanden ist.

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Schnltze, F.E.O. Über die psychologischen Fehlerquellen bei der palpatorischen Blutdruckmessung nach Riva-Rocci und von Recklinghausen. Pflüger, Arch. 124, 392–410 (1908). https://doi.org/10.1007/BF01677340

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