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Das Weißsternige Blaukehlchen,Luscinia svecica cyanecula als Kulturfolger in der gebüschlosen Ackermarsch

Die ökologischen Ansprüche des Blaukehlchens an den Biotop

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Zusammenfassung

Das Weißsternige BlaukehlchenLuscinia svecica cyanecula (Meisner) brütet in Ostfriesland in der Ackermarsch des Kreises Norden an Grabenböschungen, ohne an Gebüsch gebunden zu sein.

Den ♂ ♂ dienen abgestorbene vorjährige Umbelliferenstauden, Disteln, Schilfhalme, Zaunpfähle, Telegraphenleitungen, Brückengeländer und andere höhere Gegenstände als Singwarten.

Das Nest wird stets im Schutze dichter Vegetation an einer Grabenböschung angelegt. 3 Neststandorte werden beschrieben.

Die Nahrung wird vorwiegend in den flachen Seitengräben (Grüppen), auf Wegen, Feldern und in Gärten bis zu mehreren 100 m Entfernung vom Nest gefunden.

Außer brachliegenden Äckern werden nur Kulturpflanzenbestände mit weitem Reihenabstand wie Raps, Feldbohnen, Kartoffeln, Kohl und Buschbohnen aufgesucht. In diesen wird der Boden durch die intensive Beschattung der Kulturpflanzen oder mehrfaches Hacken zwischen den Reihen weitgehend unkrautfrei gehalten. Getreide- und Erbsenfelder spielen für die Ernährung nur bis zum Beginn des Schossens bzw. bis zum Schließen der Reihen eine Rolle, sie werden danach gemieden.

Die Siedlungsdichte ist weitgehend von der Art der Bewirtschaftung und dem Verhältnis der angebauten Kulturpflanzenarten abhängig. Sie ist in den kleinflächig bewirtschafteten Gemüsepoldern am höchsten und nimmt mit steigendem Getreide- und Grünflächenanteil ab. In den großflächig bewirtschafteten Poldern mit sehr hohem Getreideanteil und in der Grünlandmarsch fehlt das Blaukehlchen.

In den benachbarten holländischen Ackermarschgebieten der Provinzen Groningen und Friesland istLuscinia svecica ebenfalls eine bekannte Erscheinung. Unter ähnlichen Verhältnissen kommt es auch in den Marschen der Niederelbe vor.

Ebenso brütet die Art in der Rassenamnetum nach den Schilderungen vonMayaud, Labitte undLanguetif sehr häufig in der z. T. gebüschlosen Niederungslandschaft der Vendée in einem 10 km breiten Küstenstreifen.

Ein ähnliches Brutvorkommen bei Landsberg/Warthe wird geschildert.

NachJohansen brütet auch das Rotsternige Blaukehlchen unter bestimmten Bedingungen in der westsibirischen Steppe an gebüschfreien Stellen.

Die langjährigen Beobachtungen in der ostfriesischen Ackermarsch erfordern unter Berücksichtigung der einschlägigen Literatur eine Revision der allgemeinen Auffassung von den ökologischen Ansprüchen des Blaukehlchens.

Die für seine Existenz wichtigsten Faktoren, die dabei auf nicht zu engem Raum und nicht zu isoliert auftreten dürfen, weil sonst eine Besiedlung nicht stattfindet (B. Petersen, briefl.), sind:

  1. 1.

    Möglichst freier, wenig mit Gräsern und Kräutern bewachsener Boden, auf dem es sich schnell und ungehindert bewegen kann und genügend Nahrung findet.

  2. 2.

    Das Vorhandensein geeigneter Neststandorte.

  3. 3.

    Einige Singwarten in der Nähe des Nestes.

In der natürlichen Landschaft ist dieser Faktorenkomplex fast nur an dichtes Gebüsch auf nassen Böden gekoppelt. Wo er auf andere Weise entsteht, wie in einigen spanischen Gebirgen oder unter dem Einfluß des Menschen, ist das Fehlen von Buschwerk und hoher Bodenfeuchtigkeit kein Hinderungsgrund für die Besiedlung eines Biotopes.

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Schrifttum

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Blaszyk, P. Das Weißsternige Blaukehlchen,Luscinia svecica cyanecula als Kulturfolger in der gebüschlosen Ackermarsch. J Ornithol 104, 168–181 (1963). https://doi.org/10.1007/BF01671918

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