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Journal für Ornithologie

, Volume 105, Issue 1, pp 1–53 | Cite as

Zur Ökologie und Biologie der Ernährung einiger Limikolen-Arten

  • Wilfrid Ehlert
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Auf Grund von Wattkartierungen, Freilandbeobachtungen und Untersuchungen von Magen- und Darminhalten der LimikolenartenCalidris alpina, Calidris canutus undCrocethia alba sowie von Gefangenschaftsbeobachtungen wurde die Ernährung dieser Vogelarten auf dem Watt der Vogelinsel Mellum untersucht.

     
  2. 2.

    Bei den Wattuntersuchungen wurde an die Arbeiten vonLinke (1939) undO. Schuster (1951) angeknüpft. Durch Sedimentproben wurde ermittelt, daß das Mellum-Watt überwiegend aus Feinsand besteht und damit als Sandwatt charakterisiert werden konnte. Allein im Osten (im Raum der Muschelbänke) war bis zu 12% Staub beigemischt, so daß hier das Sandwatt in ein Schlickwatt überging.

     
  3. 3.

    Die Lebensgemeinschaften des Süd- und Ostwattes wurden qualitativ und quantitativ in zwei Biozönosen geteilt: die Arenicola-Cardium-Assoziation und die Pygospio-Corophium-Assoziation. Beide Assoziationen wurden in verschiedene Varianten untergliedert. Dabei wurden Abweichungen vonSchusters Untersuchungen gezeigt und diskutiert. Ebenfalls wurden die Biozönosen der Muschelbänke, der West-Buchten und des Nordstrandes untersucht, dessen endofaunischer Gehalt geringer war als der der südlichen Wattgebiete.

     
  4. 4.

    Von den Beutetieren der genannten Limikolen wurde die Häufigkeit ihres Vorkommens auf Verbreitungskarten angegeben.

     
  5. 5.

    Die Häufigkeit der Strandläufer zu den Rast- und Zugzeiten: Alpenstrandläufer waren am regelmäßigsten und häufigsten. Dagegen war das Auftreten des Knutt großen Schwankungen unterworfen. Sanderlinge waren zwar regelmäßig, aber in verhältnismäßig geringer Zahl vorhanden. Übersommerer der 3 genannten Arten waren auf Mellum selten.

     
  6. 6.

    Der Tagesrhythmus der Strandläufer: An Hand von Tagebuchskizzen wurde der „Wechsel“ der Schwärme kartiert. Es ergab sich, daß die Vögel in den Mittags- und Nachmittagsstunden nach dem Hochwasser eine längere Rastpause einlegten als zu anderen Tageszeiten. Diese Beobachtungen konnten durch volumetrische Mageninhaltsmessungen bestätigt werden. Im Gegensatz zu Alpenstrandläufer und Sanderling wurden fressende Knutts bei der Nahrungssuche in Inselnähe nur selten angetroffen. — Witterungsunbilden und abnorme Fluten konnten den Tagesrhythmus der Strandläufer weitgehend verändern.

     
  7. 7.

    151 Magenanalysen von Alpenstrandläufern zeigten, daß dieser Vogel auf Mellum ein ausgesprochener Nereiden-Fresser ist: 96,7 % der untersuchten Tiere hatte diesen Polychaeten gefressen, wie sich an Hand von Nereiden-Mandibeln feststellen ließ. Mollusken — und zwar Hydrobien — waren die nächsthäufigste Beute. Vergleiche mit der einschlägigen Literatur zeigten, daß die Nereiden fressenden Alpenstrandläufer auf Mellum offensichtlich keine lokale Ausnahme darstellten. In den Brutgebieten überwiegen dagegen Insekten und ihre Larven als Beute.

     
  8. 8.

    40 Magenanalysen von Knutt-Strandläufern zeigten dagegen, daß ihre Hauptnahrung Mollusken der GattungenHydrobia undLittorina (juv.) waren. Wiederum handelte es sich um eine „Zugnahrung“, während in den Brutgebieten ebenfalls Insekten einen großen Teil der Beute ausmachen. Auch Sämereien spielen dort eine Rolle.

     
  9. 9.

    Vom Sanderling wurden 21 Mägen untersucht, die überwiegend (76 %) Insektenfragmente enthielten. In der Literatur sind häufig Crustaceen erwähnt, die auf Mellum nur einmal nachgewiesen werden konnten. Das ist wahrscheinlich dadurch zu erklären, daß die Vögel zu verschiedenen Jahreszeiten erbeutet wurden.

     
  10. 10.

    Darminhaltsuntersuchungen brachten keine Ergebnisse.

     
  11. 11.

    Die Art der Nahrungsaufnahme: Zwei Methoden wurden beobachtet: das Ablesen der Nahrung von der Oberfläche und das schnepfenartige Abtasten des Bodens. Beim Sanderling kam eine dritte Methode dazu: die Jagd auf Insekten.

     
  12. 12.

    Gefangenschaftsbeobachtungen an Alpenstrandläufern zeigten, daßNereis vorArenicola, Scoloplos undHydrobia vorgezogen wurde.Arenicola wurde völlig verschmäht,Scoloplos undHydrobia wurden dagegen nur zum Teil nicht angenommen.

     

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Copyright information

© Verlag der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft 1964

Authors and Affiliations

  • Wilfrid Ehlert
    • 1
  1. 1.Zoologischen InstitutUniversität GießenGermany

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