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Über das Verhalten junger Gartengrasmücken,Sylvia borin (Bodd.) (Entwicklung und Spiele)

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Zusammenfassung

Schon nach ihrem ersten Lebensmonat verfügen die jungen Gartengrasmücken über das gesamte Inventar der arttypischen Bewegungen und Rufe; auch der Artgesang ist dann bereits vollständig ausgereift.

Vielfach treten Instinktbewegungen schon spontan auf, noch ehe sie gebraucht werden (Sperren, Fliegen), und ebenso können sie schon vor einer möglichen Funktion genau koordiniert sein, z. B. das Lidöffnen beim geotaktisch gesteuerten Sperren. Andererseits können die Jungen später auf Verhaltensweisen eines früheren Entwicklungsstadiums zurückfallen, was allein von ihrer endogenen Bereitschaft abhängt, z. B. vom optisch zum geotaktisch gesteuerten Sperren.

Andere Instinkthandlungen, wie das Putzen oder Schnabelwischen, waren anfänglich mangelhaft koordiniert, oder sie wurden, wenn Außenreize fehlten, im Leerlauf ausgeführt, so das Luftbaden und das Schreckgeschrei.

Als Durchgangsstadium erschien während der Entwicklung bei einzelnen Jungvögeln das „vornherum“ Kratzen, was für die ganze Gruppe der Singvögel sonst untypisch ist. Manche früh erscheinenden Verhaltensweisen werden nach einer bestimmten Funktionsphase von anderen abgelöst, z.B. das synchrone durch das einseitige Flügelziehen, oder sie erhalten durch Funktionswechsel neue Bedeutungen. So wurde aus dem Sperren einerseits eine Drohgeste, andererseits eine Balzhandlung. In der Übergangsphase von einer zur anderen Funktion konnten gleiche Laute und gleiche Bewegungen stimmungsabhängig Verschiedenes aussagen (Sperrgeschrei, Weinen, Balzgesang) und im sozialen Kontakt Mißverständnisse hervorrufen (Zusammenrücken und Nestplatzzeigen).

Die häufigen Triebkonflikte entsprachen entweder einer ausgewogenen, neutralen Spannung zwischen zwei beliebigen Stimmungen („dit“-Geschrei), oder sie waren durch das Übergewicht eines bestimmten Triebes spezifisch „getönt“ (schreckgetöntes Sperren).

In entspannter, ungestörter Stimmung beschäftigten sich die Jungen ausgiebig mit Instinktspielen und entdeckten dabei zufällig neue Möglichkeiten, die sie zu freien Experimentierspielen ausweiteten. Die Jugendzeit der zwölf gekäfigten Gartengrasmücken erwies sich außerhalb der Zugphase in großem Ausmaß als ein Lebensalter des Spielens.

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Literatur

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Mit den Tafeln IX–XII und 2 Abbildungen

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Sauer, F. Über das Verhalten junger Gartengrasmücken,Sylvia borin (Bodd.) (Entwicklung und Spiele). J Ornithol 97, 156–189 (1956). https://doi.org/10.1007/BF01671029

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