Journal für Ornithologie

, Volume 134, Issue 2, pp 165–171 | Cite as

Fänge von Habichten (Accipiter gentilis) im Wurzacher Ried: Kritische Fragen zu einem behördlich genehmigten Wiedereinbürgerungsprojekt

  • Gerold Dobler
  • Klaus Siedle
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Zusammenfassung

Während des unter der Trägerschaft des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg e. V. seit 1978 laufenden Projektes zur Wiedereinbürgerung des Birkhuhnes im Wurzacher Ried wurde behördlicherseits der Wegfang von Habichten unter bestimmten Auflagen genehmigt. Nach Beringung mußten die Vögel wieder freigelassen werden. Eine vergleichende Untersuchung der von den Projektbetreibern veröffentlichten Berichte und der Beringungsdokumente ergab erhebliche Ungereimtheiten. Die aus den Berichten der Projektbetreiber zu entnehmende Zahl von 168 gefangenen, angeblich beringten und angeblich wieder freigelassenen Habichten steht der Zahl von 98 in den Beringungslisten dokumentierten Vögel gegenüber. Bereits ein Vergleich zwischen der Wiederfundrate der dokumentierten Vögel (1 %) mit der Fänglingfundrate der Vogelwarte Radolfzell (13 %) ergab einen hochsignifikanten Unterschied. Auch der Vergleich mit der Fundrate (15 %) einer anderen, parallel laufenden Verfrachtungsstudie zeigte, daß die Wiederfundrate der Wurzacher Habichte hochsignifikant geringer ist. Die Darstellung der Projektbetreiber, wonach 1978–1981 insgesamt 90 Habichte durch die Landesanstalt für Umweltschutz verfrachtet worden sein sollen, wurde durch die Landesanstalt nicht bestätigt. Die Landesanstalt bestätigte nur fünf verfrachtete Habichte aus dem Wurzacher Projekt. Obwohl der Habichtfang im März nicht erlaubt war, haben die Projektbetreiber insgesamt vier Habichte im März gefangen und zumindest einen (nach eigenen Angaben jedoch alle!) auch noch verfrachtet. Vermutlich im Auftrag von Geflügelzüchtern wurden sieben Habichte, darunter vier Altvögel, innerhalb eines kleinen Gebietes in einer Entfernung von 13–18,5 km vom Wurzacher Ried gefangen. So besteht begründeter Verdacht, daß ein beträchtlicher Teil der im oder um das Wurzacher Ried gefangenen Habichte nicht wieder freigelassen, sondern getötet wurde. Eine Reihe der in den Projektberichten enthaltenen Angaben lassen zudem ganz erhebliche Zweifel an der Fachkompetenz der Projektbetreiber aufkommen.

Goshawk (Accipiter gentilis) trapping in the nature reserve Wurzacher Ried: critical questions on a Black Grouse (Tetrao tetrix) reintroduction project

Summary

A Black Grouse reintroduction project was established in 1978 in the nature reserve Wurzacher Ried in southwestern Germany. Since the beginning of this project the staff had a licence to catch, ring and to release but not to kill goshawks. A comparison of the very low Euring-recovery-rate of 1 percent from this project with the Euring-recovery-rate of the Vogelwarte Radolfzell (13 %) showed a significant difference (p=0.00017). In contrast, we found no difference between the recovery-rate (15 %) of a study with almost similar design conducted by the University of Tübingen (Schmidt-Koenig 1982) only 100 km apart from the Wurzacher Ried and the Euring-recovery-rate of the Vogelwarte Radolfzell (p=0.624). The recovery-rate of the reintroduction project differed, however, significantly from the recovery-rate ofSchmidt-Koenig (p=0.006). Furthermore, we found serious inconsistencies between the project reports and the ringing documents concerning this project. Our results indicate, that most of the goshawks caught in the project Wurzacher Ried may not have been released but illegally killed by the project staff.

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Copyright information

© Verlag der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft 1993

Authors and Affiliations

  • Gerold Dobler
    • 1
  • Klaus Siedle
    • 2
  1. 1.Lehrstuhl für Tierphysiologie, Universität TübingenTübingen
  2. 2.Tübingen

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