Tenside in der Vulkanisationsbeschleunigung

  • Walter Scheele
  • Günter Petry
Originalarbeiten Kolloide
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Zusammenfassung

Vorliegende Abhandlung beschäftigt sich mit der Vulkanisation von Naturkautschuk durch Schwefel bei Anwesenheit von ZnO, Zn-Benzthiazolylmerkaptid und fettsauren Zn-Salzen einerseits und quartären Ammonium- und Phosphoniumverbindungen andererseits. Die kinetische Untersuchung zeigt:
  1. 1.

    Die Zn-Salze aller homologen Fettsäuren sind — gleich molare Zusätze in Kautschuk vorausgesetzt — von praktisch gleicher Wirkung auf die durch ZnMBT beschleunigte Vulkanisation. Nach einem in jedem Falle linearen Anstieg der Vulkanisationsgeschwindigkeit mit steigendem ZnMBT-Gehalt tritt vorübergehend Konstanz der Geschwindigkeit auf, wenn die Kautschukmischungen 2 Mole ZnMBT je Mol des betreffenden fettsauren Zn-Salzes enthalten. Die Bereiche konstanter Geschwindigkeit nehmen mit der Länge der Kohlenwasserstoff-Reste in den Fettsäuren zu. Die Frage, ob eine Solubilisierung des ZnMBT durch die fettsauren Salze die Ursache dieser charakteristischen Abhängigkeit ist, wird erörtert.

     
  2. 2.

    Quartäre Ammonium- und Phosphoniumsalze mit langkettigen Alkyl- oder Aralkyl- bzw. voluminösen Aryl-Resten am Zentralatom des Kations sind ausgezeichnete Vulkanisationsbeschleuniger und erzeugen hohe Vernetzungsgrade. Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Geschwindigkeitskonstanten sowie den Vernetzungsendwerten und der Summe der Kohlenstoffatome aller am Stickstoff- bzw. Phosphoratom gebundenen organischen Gruppen, nämlich zunächst ein praktisch linearer Anstieg mit der Anzahl der C-Atome und endlich Erreichen von Grenzwerten, wenn die Summe der C-Atome den Betrag von etwa 16 überschreitet.

     
  3. 3.

    Es wird wahrscheinlich gemacht, daß der Einfluß dieser Kation-Tenside auf die Vulkanisation ebenso wie der der fettsauren Zn-Salze (Anion-Tenside) auf die Bildung übermolekularer Strukturen, wie sie den Assoziationskolloiden eigentümlich sind, zurückzuführen ist. Ein Vergleich der vorgefundenen Verhältnisse mit den bei der Emulsionspolymerisation herrschenden wird angestellt und eine Solubilisierung entscheidender Reaktanten bei der Vulkanisation wahrscheinlich gemacht. Die Frage, welche Reaktanten solubilisiert werden und wie man sich die Aktivierung der Reaktion vorzustellen hat, kann derzeit nicht abschließend beantwortet werden.

     

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  16. 16).
    Nach noch unveröffentlichten Untersuchungen von W. Scheele und T. Kadibelban.Google Scholar

Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag 1967

Authors and Affiliations

  • Walter Scheele
    • 1
  • Günter Petry
    • 1
  1. 1.Kautschukinstitut an der Technischen Hochschule HannoverCanada

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