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Klinische Wochenschrift

, Volume 38, Issue 22, pp 1125–1130 | Cite as

Der Energieumsatz hypothermer Frühgeborener

  • K. Brück
  • M. Brück
Originalien

Zusammenfassung

I. Messungen des Energieumsatzes bei 1–2 Tage alten hypothermen Frühgeborenen von 790–2170 g Geburtsgewicht ergaben: Bis zu Körpertemperaturen von etwa 32° hinab sind thermoregulatorische Steigerungen des Energieumsatzes nachzuweisen. Eine Abkühlung von Frühgeborenen führt daher zunächst zu einer Steigerung des O2-Bedarfes. Mit einem Erlöschen der thermoregulatorischen Vorgänge und einer Unterschreitung des Minimalumsatzes ist erst bei Köprertemperaturen unter 32° C zu rechnen. Das Frühgeborene kann demnach nicht ohne Belastung durch gegenregulatorische Vorgänge in den Zustand der Hypotermie versetzt werden. 2. In weiteren Untersuchungen wurde die „kritische Umgebungstemperatur“ ermittelt, bei deren Unterschreitung thermoregulatorische Steigerungen des Energieumsatzes auftreten. Diese kritische Temperatur beträgt für das unbekleidete Kind am 1. Lebenstag 30–31° C und steigt im Verlauf der nächsten Tage auf 32–33° an. Bei diesen Umgebungstemperaturen stellt sich die Rectaltemperatur der Frühgeborenen auf Werte ein, die je nach Größe der Kinder mehr oder weniger weit unter 36–37° C liegen. Für die Wahl optimaler thermischer Aufzuchtsbedingungen ergeben sich danach folgende Gesichtspunkte: Die Umgebungstemperatur (Inkubatortemperatur) muß über der „kritischen Temperatur“ liegen, wenn thermoregulatorische Steigerungen des Energieumsatzes, die als belastend anzusehen sind, vermieden werden sollen. Eine rasche Steigerung der Rectaltemperatur auf 36–37° C ist dazu nicht notwendig. Kältegegenregulatorische Reaktionen lassen sich somit vermeiden, ohne daß man die Gefahren einer forcierten Erwärmung in Kauf nehmen müßte.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1960

Authors and Affiliations

  • K. Brück
    • 1
  • M. Brück
    • 1
  1. 1.Aus dem Physiologischen Institut und der Univ.-Kinderklinik Marburg a. d. LahnGermany

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