Langenbecks Archiv für klinische Chirurgie

, Volume 293, Issue 1, pp 69–83

Erweiterungen der Wurzelscheiden im Lumbosacralbereich

  • Hans Werner Pia
Article

DOI: 10.1007/BF01440805

Cite this article as:
Werner Pia, H. Arch. f. klin. Chir (1959) 293: 69. doi:10.1007/BF01440805

Zusammenfassung

An Hand von 16 eigenen Fällen und 60 der Literatur wird zu den Erweiterungen der Wurzelscheiden Stellung genommen. Es handelt sich entegegen der bisherigen Vorstellung zum überwiegenden Teil nicht um echte Cysten, sondern um kommunizierende kugelige oder symmetrische Erweiterungen der Scheiden der sacralen Wurzelnerven mit bevorzugtem Befall der Hinterwurzel. Entsprechend ist der myelographische Nachweis, am zweckmäßigsten mit einem wasserlöslichen Jodpräparat, möglich. Ein isolierter Wurzellbefall überwiegt mit 60%. Die Wurzeln S1 und weniger S2 sind bevorzugt befallen. Die Erweiterungen machen in 50% keine Beschwerden und in 66% keine Symptome. Ein Bandscheibenvorfall ist in vielen Fällen Ursache der klinischen Erscheinungen. Der Altersgipfel liegt bei den Erweiterungen im 5. Jahrzehnt; eine vieljährige Anamnese mit einseitigem Ischiassyndrom, sehr oft auch einem unteren Caudasydrom ist kennzeichnend. Große Cysten oder cystenartige Erweiterungen führen zu röntgenologisch nach weisbaren Druckatrophien bis zu Knochendefekten. Im Gegensatz zur hauptsächlich vertretenen traumatischen, hämorrhagischen oder degenerativen Genese konnte die kongenitale Natur belegt werden: Multiplizität der Erweiterungen, gleichzeitiges Vorkommen von anderen Fehlbildungen der Hüllen in 50% und dysraphische Störungen bei 14 der eigenen Fälle.

Demgegenüber treten bei verschiedenen chronischen Reizen umschriebene und weitreichende mikroskopisch erfaßbare Arachnoidalproliferationen mit nicht seltenen Arachnoidalcysten auf, die auch bei den angeborenen Erweiterungen sekundär entstehen können.

Eine operative Behandlung ist in therapieresistenten Fällen nur bei gesicherter Übereinstimmung zwischen Erweiterung und radiculärem Bild angezeigt. Sie besteht bei Schädigung der Wurzel in der Totalexstirpation, in den übrigen Fällen in einer breiten Eröffnung der erweiterten Scheiden.

Copyright information

© Springer-Verlag 1959

Authors and Affiliations

  • Hans Werner Pia
    • 1
  1. 1.Neurochirurgischen Abteilung der Chirurgischen Universitätsklinik GießenGießenDeutschland

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