Springer Nature is making SARS-CoV-2 and COVID-19 research free. View research | View latest news | Sign up for updates

Inwieweit lassen sich einschläfernde Medikamente unbemerkt beibringen?

  • 14 Accesses

Zusammenfassung

Auf Grund unserer Versuche wurde an einer Auswahl von einschläfernden Medikamenten durch Geschmacksprüfungen sowie durch Prüfung des Geruchs und Aussehens demonstriert, daß es möglich ist, einen Teil dieser Mittel sowohl in therapeutischen als auch in toxischen Dosierungen in Getränken beizugeben, ohne daß dieser Zusatz beim Trinken bemerkt werden muß. Man kann Morphinhydrochlorid, Morphin-Scopolamin, Evipan, Luminal und Phanodorm in den Getränken Bohnenkaffee, schwarzer Tee, Bier, Grapefruitsaft, Coca-Cola und Apfelsaft beimischen, ohne daß dies beim ahnungslosen Genuß der Getränke auffallen muß.

Als ungeeignet zur unbemerkten Beibringung in Getränken erwies sich Megaphen, ein Phenothiazinderivat, dem als neuerem Sedativum eine erhöhte toxikologische Bedeutung zuzumessen ist (Burger undBerninger). Für die Anwendung im obigen Falle hätte es sich, rein wirkungsmäßig gesehen, gut geeignet. Als Hydrochlorid angewendet, fällt es jedoch in Flüssigkeiten bereits in therapeutischen Dosen durch einen scharfen, brennenden Geschmack auf. Nur Grapefruitsaft ist imstande, diesen hervortretenden Geschmack so zu überdecken, daß es in diesem Getränk unbemerkt beigebracht werden könnte. — Dolantin fällt in Mengen von 0,4–0,8 g in 150 ml der Getränke durch einen bitteren Geschmack auf. Auch finden sich Veränderungen im Aussehen der Getränke nach Zugabe des Medikaments, die meist in einer merkbaren Aufhellung der Farbe bestehen, so daß es zur Beibringung als ungeeignet anzusehen ist. Auch Veronal-Natrium, das Medinal, fällt durch seinen als seifig zu bezeichnenden Geschmack in allen Getränken mit Ausnahme von Grapefruitsaft auf. Luminal-Natrium schmeckt bereits in therapeutischer Dosierung im Getränk bitter heraus.

This is a preview of subscription content, log in to check access.

Literatur

  1. Bamann, E., u. E.Ullmann: Chemische Untersuchung von Arzneigemischen, Arzneispezialitäten und Giftstoffen. Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität München 1951.

  2. Burger, E., u.H. Berninger: Zum papierchromatographischen und spektrophotometrischen Nachweis der Phenothiazinderivate unter toxikologischen Bedingungen. Arch. Toxikol.17, 77 (1959).

  3. Eichholtz, F.: Lehrbuch der Pharmakologie, 8. Aufl. Heidelberg: Springer 1955.

  4. Fischer, H.: Opiumalkaloide und verwandte Stoffe. In Handwörterbuch der gerichtlichen Medizin und naturwissenschaftlichen Kriminalistik von v.F. Neureither, F. Pietrusky u.E. Schutt, S. 537. Berlin: Springer 1940.

Download references

Author information

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Cite this article

Burger, E., Becher, R. Inwieweit lassen sich einschläfernde Medikamente unbemerkt beibringen?. Arch. Toxikol. 17, 214–218 (1958). https://doi.org/10.1007/BF00577343

Download citation