Einige Versuche an Drosophila melanogaster über die Art der Wirkung der Röntgenstrahlen auf den Mutationsprozess

  • N. W. Timoféeff-Ressovsky
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    In bestrahlten, direkt nach Bestrahlung aber mutationsfreien Chromosomen und in nichtbestrahlten Chromosomen, die sich im bestrahlten Plasma befinden, wurde beiDrosophila melanogaster keine erhöhte Mutationsrate festgestellt (Tabelle 1, Abb. 1, 2 und 3). Daraus wird geschlossen, daß die Mutationen durch Röntgenbestrahlung nur direkt während der Expositionsdauer ausgelöst werden.

     
  2. 2.

    In reifen Spermien wird durch gleiche Röntgenbestrahlungsdosis ein viel höherer Prozentsatz von Letalmutationen ausgelöst als in unreifen Geschlechtszellen (Tabelle 2). Dagegen ist der Prozentsatz von „sichtbaren“, nicht letalen Genovariationen in beiden Fällen gleich (Tabelle 3). Daraus und aus dem Vergleich mit der Eier- und Larvensterblichkeit nach Bestrahlung von reifen und unreifen Spermien (Tabelle 4) wird geschlossen, daß die Herabsetzung des Prozentsatzes der ausgelösten Letalfaktoren bei Bestrahlung der unreifen Geschlechtszellen nicht auf einem entsprechenden Unterschiede in der Mutabilität der reifen und unreifen Spermien, sondern vorwiegend auf hoher Sterblichkeit der unreifen Geschlechtszellen, in denen Letalfaktoren entstanden sind, beruht.

     
  3. 3.

    In jungen und alten reifen Spermien wurden durch die gleiche Röntgenbestrahlungsdosis Mutationen (letale und sichtbare) in gleichem Prozentsatz ausgelöst (Tabelle 5). Daraus wird geschlossen, daß die Entstehung von Mutationen nicht an ein bestimmtes Stadium der Chromosomenteilung gebunden sein kann.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1931

Authors and Affiliations

  • N. W. Timoféeff-Ressovsky
    • 1
  1. 1.Genetischen Abteilung des Kaiser Wilhelm-Instituts für HirnforschungBerlin-Buch

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