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Beiträge zur biologie der erdkröte (Bufo Bufo L.) mit besonderer berücksichtigung der wanderung zu den laichgewässern

  • Wolfgang Jungfer
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    In einem See bei Potsdam gefangene Erdkröten vermögen in der gleichen Laichzeit aus einer Entfernung bis zu 700 m das Laichgewässer gerichtet wieder aufzusuchen. Im zweiten Jahre kam sogar ein Tier aus einem über 1 km entfernt liegenden Aussetzungspunkt zurück. Ortsfremde Tiere sind fast nie in der Lage, den See aufzufinden.

     
  2. 2.

    Von den untersuchten Faktoren, die den Tieren das Auffinden des Laichgewässers ermöglichen, kommt wohl der geotaktischen Reaktion und derjenigen auf optische und akustische Reize nur geringe Bedeutung zu. Dagegen scheint die olfactorische Reaktion in stärkerem Maße dazu beizutragen, daß die Tiere zum See gelangen. Bei Versuchen mit strömender Luft laufen die Tiere bei „reiner” Luft mit dem Strom, bei feuchtigkeitshaltiger Luft, die mit Duftstoffen des Laichgewässers angereichert ist, gegen den Luftstrom. Fehlen diese Duftstoffe, so zeigen die Tiere bei feuchtigkeitshaltiger Luft keine eindeutige Reaktion. — Ob für die Auffindung des Laichgewässers eine „Kenntnis” des Geländes, ein “geographischer Sinn” vorliegt, wage ich nicht zu entscheiden. Einzelne Beobachtungen legen diese Vermutung nahe.

     
  3. 3.

    Untersuchungen über die Aktivität und Ruhe — es werden bei diesen Versuchen und bei der Bestimmung der Vorzugstemperatur die beiden anderen einheimischen Arten, Kreuz- und Wechselkröte, zum Vergleich herangezogen — zeigen eine Übereinstimmung von Bufo bufo L. und Bufo viridis LAUR. Beide weisen drei Aktivitätsphasen — morgens, mittags und abends — auf, während bei Bufo calamitaLaur. nur zwei Phasen auftreten, eine von Morgen bis zum Mittag, die andere abends.

     
  4. 4.

    Die Vorzugstemperaturen liegen zwischen +28 und +33° C. Bufo viridisLaur. weist die höchste Vorzugstemperatur auf, nämlich +32,9°C, Bufo bufo L. mit +27,9°C die niedrigste. Bufo calamitaLaur steht mit + 30,0°C in der Mitte. Es wird die Vermutung ausgesprochen, daß neben den verschiedenen Biotopen auch die geographische Verbreitung der drei Arten mit der betreffenden Vorzugstemperatur in Verbindung zu bringen ist.

     
  5. 5.

    Das Überwiegen der Männchen bei Bufo bufo L. wird an Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials eindeutig bewiesen. Auf 18,5 Weibchen kommen 100 Männchen.

     

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© Springer-Verlag 1943

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Jungfer

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