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Über das Grundnetz der menschlichen Grosshirnrinde

Zusammenfassung

Die vonHeld (1927) im menschlichen Kleinhirn beschriebene und als „nervösesGrundnetz“ bezeichnete Struktur, deren Existenz in der tierischen Retina vonAkkeringa (1934) bestätigt worden ist, findet sich auch im menschlichen Großhirn, und zwar in allen 6 Schichten der Rinde vor. Sie stellt eine allgemeine Einrichtung dar und liegt dort, woNissel sein hypothetisches „Grau“ annahm, also zwischen den Nervenzellen, Gliazellen und den mesodermalen Anteilen (Blutgefäße). Das Grundnetz ist eine Übergangsformation, welche in sich die Endstrecken der Dendriten und der Neuriten sowie die Gliaausläufer kontinuierlich vereinigt. Es stellt gewissermaßen das definitive Umwandlungsprodukt der ursprünglich so einfachen embryonalen Neurodesmen, der Verbindungsbrücken zwischen den ektodermalen Glioneurocyten (Held) dar, die im Grundnetz neue Gestalt gewonnen haben. Das Grundnetz ist gekennzeichnet durch den quantitativ verschiedenen Gehalt an Neurofibrillen, die nicht als isolierte Gebilde verlaufen, sondern in den feinen Netzbalken des blassen Syncytiums ein dreidimensionales Gitter bilden infolge feiner, seitlicher Abzweigungen und gegenseitiger Anastomosen. Nicht Neurone als anatomisch selbständige und isolierte Gebilde setzen also die graue Substanz zusammen, sondern die menschliche Hirnrinde ist ein umfassendes Neurencytium im SinneHelds. Die Neurofibrillen zeigen eine elementargitterähnliche Anordnung, nirgends sind freie Endigungen der Dendriten und Neuriten nachweisbar (Abb. 6, 7, 8 und 9). Damit erfährt zugleich auch die Funktion der Glia, die kontinuierlich in diesem Grundnetz verankert ist und die man bisher als ein reines, ektodermales Stützgewebe betrachtet hat, eine neue und andere Beurteilung. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen komplizierten Hemmungsapparat, der im Grundnetz eingeschaltet ist und der bei den Vorgängen der Reizbahnung, Summierung und Hemmung eine Rolle spielt.

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Bauer, K. Über das Grundnetz der menschlichen Grosshirnrinde. Z. f. Zellforschung 30, 751–768 (1940). https://doi.org/10.1007/BF00377279

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