Über Strukturuntersuchungen in der Psychiatrie
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Zusammenfassung
Die Psychiatrie umfaßt sowohl naturwissenschaftliche als auch geisteswissenschaftliche Bereiche. Soweit es sich bei ihr um Krankheiten handelt, kann das naturwissenschaftliche Vorgehen nicht fraglich sein. Nichtkrankhafte seelische Abnormitäten verlangen außermedizinische psychologische Verfahrensweisen. Obwohl diese Doppelstellung der Psychiatrie seit langem bekannt ist und es naheliegen müßte, ihre differenten Gegenstände mit den jeweils entsprechenden, notwendigerweise unterschiedlichen Methoden zu behandeln, begegnet man zunehmend einseitigen Festlegungen der Standpunkte, so als ob die Psychiatrie ausschließlich als „Somatologie“ oder „Psychologie“ betrieben werden könnte. Daraus ergeben sich überflüssige Streitigkeiten, aber auch ernsthafte Schwierigkeiten der Verständigung, Nichtachtung andersartiger Meinungen und Vernachlässigung wichtiger Erfahrungen. Es ist das Anliegen der Arbeit, zu zeigen, daß psychologische und somatologische Verfahren aufeinander angewiesen sind und daß nur durch ihr enges Zusammenwirken verläßliche Ergebnisse gewonnen werden können. Die Fruchtbarkeit geisteswissenschaftlicher Interpretationen für zahlreiche Probleme kann zwar nicht in Zweifel gezogen werden. Die Entwicklung mannigfaltiger geisteswissenschaftlich orientierter Richtungen sollte jedoch nicht übersehen lassen, daß sich inzwischen auch auf somatischem Gebiet wichtige Ergebnisse gewinnen ließen, die in der klinischen Psychiatrie zukünftig nicht unberücksichtigt bleiben können. Um in der Frage der Genese der symptomatischen und endogenen Psychosen weiterzukommen, ist eine Abstimmung der psychopathologischen Untersuchungsmethoden auf die Erfordernisse der somatischen Grundlagenforschung unerläßlich. Eine reine Psychopathologie würde niemals zu einer Klärung nosologischer Probleme führen. Sie wäre in dieser Hinsicht „in die Luft gebaut“. Im Sinne einer Abstimmung der psychopathologischen Untersuchung auf die somatischen Gegebenheiten werden Struktur- und Verlaufsuntersuchungen umrissen und die Bedeutung des Dynamischen im Aufbau von typischen Strukturen und Verlaufsgefügen aufgezeigt. Es ist festzuhalten: Psychologische und somatische Untersuchungen machen einander nicht überflüssig, sondern geben erst zusammen ein Ganzes; ferner, daß es entscheidend ist, sich bei den wesensverschiedenen Aufgaben, die die Psychiatrie stellt, über die kategoriell adäquaten Methoden klar zu werden.
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