Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten

, Volume 191, Issue 6, pp 523–536 | Cite as

Tuberkuloide Lepra

Ein kasuistischer Beitrag mit besonderer Berücksichtigung ihrer neurohistologischen Veränderungen und der therapeutischen Anwendung von Thiosemicarbazonen (Conteben)
  • Hans Gerhard Creutzfeldt
  • Heinz -Egon Kleine-Natrop
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Zusammenfassung

Ein Fall von tuberkuloider Lepra bei einem 42jährigen chinesischen Schiffskoch, der nach einer Contebenbehandlung mit niedrigen Dosen eine wesentliche Besserung zeigte. Ob diese Besserung eine direkte Wirkung des Thiosemicarbazons ist, wird diskutiert.

Zur Histopathologie der Neuritis leprosa wird ein Beitrag geliefert. Klinisch sind beginnende neuritische Veränderungen im Facialis und Radialis eindeutig gebessert worden.

Die histopathologische Untersuchung eines verkästen Leproms im Nervus auricularis ergab, daß der Prozeß in der Nervenscheide (Perineurium) mit Infiltraten beginnt und auf das Endoneurium übergeht, das mit einer Proliferation seiner Elemente reagiert. Dadurch werden die Nervenfasern zerstört. Sodann gehen auch die gewucherten Elemente des Endoneuriums zugrunde. Es entsteht ein faseriges Gewebe, das nicht mehr nach Bielschowski und Perdrau imprägniert, sondern nur bräunlich angefärbt wird und schließlich zu einer entmischten fibrinösen Masse wurde, die keinerlei Fette oder Lipoide, sondern nur kleine Klümpchen einer anscheinend proteoiden Substanz enthielt. Verfettung ist nur da zu finden, wo noch markhaltige Nervenfasern zerstört werden. Die Fettspeicherung und Abräumung erfolgt durch die Elemente des Endoneuriums.

Durch diesen Befund ist die völlige Zerstörung des Nervus auricularis dexter und die Anästhesie in seinem Bereich erklärt.

Bei den Neuritiden der NN. facialis et radialis handelt es sich um noch reversible, sehr wahrscheinlich infiltrative Prozesse im Bereiche des Perineuriums und höchstens beginnende hypertrophische Reaktion des Endoneuriums, durch die nur leichte Druckwirkungen auf die Nervenfasern ausgeübt wurden.

Der primäre Sitz des leprösen Prozesses am peripheren Nerven ist also sehr wahrscheinlich im Perineurium zu sehen.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1954

Authors and Affiliations

  • Hans Gerhard Creutzfeldt
    • 1
    • 2
  • Heinz -Egon Kleine-Natrop
    • 1
  1. 1.Hautklinik und der Psychiatrischen und Nervenklinik der Christian-Albrechts-Universität KielGermany
  2. 2.(13b) München

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