Zeitschrift für vergleichende Physiologie

, Volume 32, Issue 4, pp 287–302 | Cite as

Über den Erschütterungssinn von Käfern und Fliegen

  • Wilfriede Schneider
Article

Zusammenfassung

Bei den Käfern Pterostichus vulgaris, Pseudophonus spec. (Carabidae), Geotrupes sylvaticus, Melolontha melolontha (Scarabaeidae) und Silpha spec. (Silphidae) findet sich ein hochentwickelter Erschütterungssinn; die optimalen Reizfrequenzen liegen für Melolontha und Geotrupes zwischen 600 und 1000 Hz bzw. 1500 Hz; die Schwellenwerte der Vibrationen betragen weniger als 0,1 mμ (10−8 cm), für die anderen Käferarten 40–60 mμ (Optimalfrequenz zwischen 750 und 1000 Hz).

Die Rezeptoren sind Scoloparien, die im distalen Ende der Tibia liegen. Subgenualorgane sind nicht vorhanden.

Bei Frequenzen unter 300 Hz reagieren auf hohe Reizamplituden außerdem tarsale Rezeptoren.

Bei Calliphora und Eristalis ist die Vibrationsempfindlichkeit gering, die Schwellenamplituden liegen zwischen 10−3 und 10−2 cm. Wirksam sind nur Frequenzen bis 300 Hz. Dieser Vibrationssinn ist an ein Sinnesorgan gebunden, das in Gestalt von drei stiftführenden Sinneszellen am distalen Ende der Tibia liegt.

Die Aktionspotentiale der Erschütterungsrezeptoren von Calliphora haben bis zu etwa 100 Hz die gleiche Frequenz wie der Reiz selbst; bei höheren Frequenzen folgt das Organ der Reizfrequenz nicht mehr.

Die Unterschiede im Frequenzbereich zwischen Fliegen einerseits und Insekten mit Subgenualorganen andererseits werden darauf zurückgeführt, daß bei den letzteren eine Reiztransformation (wahrscheinlich eine Gleichrichterwirkung durch Wirbel) stattfindet, an den einzelnen Scoloparien der Fliegen dagegen nicht.

Die Vibrationsschwellen der Insekten werden mit den bekannten Werten von Vögeln (Pyrrhula) und mit denen des Menschen verglichen.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1950

Authors and Affiliations

  • Wilfriede Schneider
    • 1
  1. 1.Zoologischen Institut der Universität GöttingenBundesrepublik Deutschland

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