Chromosoma

, Volume 11, Issue 1, pp 29–102

Untersuchungen über die Entstehung der Parthenogenese bei Solenobia triquetrella F. R. (Lepidoptera, Psychidae)

II. Mitteilung Analyse der diploid parthenogenetischen S. triquetrella. Verhalten, Aufzuchtresultate und Zytologie
  • J. Seiler
Article

DOI: 10.1007/BF00328647

Cite this article as:
Seiler, J. Chromosoma (1960) 11: 29. doi:10.1007/BF00328647

Zusammenfassung

Die biologische, zytologische, entwicklungsgeschichtliche und experimentelle Analyse der diploid parthenogenetischen Solenobia triquetrella führte zu den folgenden Resultaten:

Das Verhalten

  1. a)

    Es gibt parthenogenetische Lokalformen, welche in ihrem Verhalten der bisexuellen Triquetrella noch nahe stehen, bei anderen ist die perfekte Parthenogenese annähernd erreicht.

     
  2. b)

    Bei den letzteren entwickeln sich alle Eier, bei den ersteren bleibt die Entwicklung in der Regel bei einem Teil der Eier stecken.

     
  3. c)

    Wo die Parthenogenese eingefahren ist, ist sie rein thelytok; wo sie noch nicht stabilisiert ist, treten vereinzelt Männchen und sexuelle Mosaiktiere auf.

     

Die zytologischen Ergebnisse

  1. a)

    Der Ablauf der Reifeteilungen im parthenogenetischen Ei entspricht genau demjenigen im bisexuellen Ei.

     
  2. b)

    Wie bei der bisexuellen Form sind XO- oder XY-Chromosomen vorhanden. Sie werden zufallsmäßig verteilt. Trotzdem ist beim XO-Typus die diploide Chromosomenzahl ausschließlich 61. Sie beträgt beim XY-Typus 62.

     
  3. c)

    Man kann diese Befunde unter der Annahme interpretieren, daß der Organismus aus dem Verschmelzungsprodukt von Richtungskörpern, dem sog. Richtungskopulationskern (R. K. K.), hervorgeht. Dieser hat immer entweder die XO- oder die XY-Konstitution, und deshalb ist die diploid parthenogenetische Triquetrella im wesentlichen auch thelytok.

     

Beweisführung

  1. a)

    Zu Beginn der Furchung wandert der haploide Eikern an die Eiperipherie. Inzwischen wird der R. K. K. gebildet und durch diese Automixis die diploide Chromosomenzahl wieder hergestellt.

     
  2. b)

    Während der R. K. K. sich normal furcht, verfällt der Eikern einer destruktiven Polyploidisierung und seine Deszendenten gehen zugrunde. Der R. K. K. blockiert also im parthenogenetischen Ei den Eikern.

     
  3. c)

    Im bisexuellen Ei wird der R. K. K. (der auch hier entsteht) vom amphimiktischen Kern blockiert.

     
  4. d)

    Im unbesamten bisexuellen Ei vermag weder der Eikern die Richtungskörper zu blockieren, noch umgekehrt. Deshalb entwickeln sich beide und es entsteht ein Chaos.

     
  5. e)

    Kreuzt man diploid parthenogenetische Weibchen mit Männchen, so zeigt es sich, daß es parth. Lokalformen gibt, die noch ganz auf bisexuelle Vermehrung rückschalten können, während andere dazu nur noch unvollkommen befähigt sind. Findet eine Amphimixis statt, dann blockiert der Befruchtungskern den R. K. K. und dieser geht zugrunde.

     
  6. f)

    Im unbesamten parthenogenetischen Ei der Form mit dem XO-Typus beträgt die diploide Chromosomenzahl 61. Kreuzt man nun solche XO-Weibchen, die noch ganz auf Amphimixis umschalten können, so müßte die diploide Chromosomenzahl 61∶62 betragen mit einem kleinen Überschuß an Männchen, gemäß der Verteilung des X. Und wählt man solche XO-Weibchen zur Kreuzung, die nur noch teilweise umschalten können, so muß ein Überschuß an Tieren mit 61 Chromosomen, also an Weibchen entstehen. Der zytologische und der experimentelle Beweis ist erbracht, daß beides zutrifft.

     

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer-Verlag 1960

Authors and Affiliations

  • J. Seiler
    • 1
  1. 1.Zoologisches Laboratorium der Eidgen. Techn. HochschuleZürich

Personalised recommendations