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Handbuch der Geodäsie

Part of the series Springer Reference Naturwissenschaften pp 1-36

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Plurale Bodennutzungen und polyrationales Bodeneigentum

  • Benjamin DavyAffiliated withBodenpolitik, Bodenmanagement, kommunales Vermessungswesen, TU Dortmund Email author 

Zusammenfassung

Bodennutzungen folgen aus menschlichem Verhalten. Wird menschliches Nutzungsverhalten durch raumplanerische Erlaubnisse, Gebote und Verbote, steuerliche Anreize oder Infrastrukturleistungen gesteuert, berührt dies stets die Rechte der Bodennutzenden. Bodenpolitik stellt eine Verbindung zwischen räumlichen Planungen und einer Vielzahl von Bodennutzungsrechten her, vor allem zwischen Bebauungsplänen und privatem Bodeneigentum. Eine erfolgreiche Bodenpolitik verschafft pluralen Bodennutzungen gerade jene vielfältigen Rechtsbeziehungen, die zur Verwirklichung des jeweils angestrebten Nutzungsverhaltens passen. Dabei gilt: Keine einzelne Eigentumsregel passt gleichermaßen für alle Arten von Bodennutzungen. Ein freistehendes Einfamilienhaus ist kein Gemeinschaftsgarten und eine Bundesstraße ist keine Warenhauskette. Für jede Bodennutzung müssen die passenden Eigentumsbeziehungen – einzigartig fast wie ein Fingerabdruck – gefunden werden. In der Alltagspraxis decken zahlreiche Formen des Privat- und Gemeineigentums die Bedürfnisse der Bodennutzenden ab, wobei die große Detailvielfalt unterschiedlicher Regelungen meist unbemerkt bleibt. Demgegenüber erkennen viele Eigentumstheorien plurale Eigentumsbeziehungen nicht oder nur in eingeschränktem Umfang an. Die hier vorgestellte Theorie des polyrationalen Bodeneigentums schließt die Kluft zwischen der Praxis der Bodennutzungen und den Theorien des Bodeneigentums. Dazu werden acht Arten von Bodennutzungen und die dazu passenden Eigentumsbeziehungen unterschieden. Die acht Bodennutzungsarten sind die insulare Nutzung, die opportunistische Nutzung, die verwandtschaftliche Nutzung, die kollaborative Nutzung, die akkumulierende Nutzung, die strukturbildende Nutzung, die Behälternutzung, die Umweltnutzung. Polyrationales Bodeneigentum bedeutet: für jede dieser Bodennutzungsarten stehen die für die planerische Umsetzung erforderlichen Eigentumsbeziehungen zur Verfügung.

Schlüsselwörter

Bodennutzungen Bodenpolitik Eigentumsrecht Gemeineigentum Grundstück Monorationalität Polyrationalität Privateigentum Rechtsprechung