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Geschlecht — Gewalt — Gesellschaft

Part of the series Otto-von-Freising-Tagungen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt pp 269-294

Geschlecht, Ethnizität und sozialräumliche Benachteiligung

Überraschende Interaktionen bei sozialen Bedingungsfaktoren von Gewalt und schwerer Eigentumsdelinquenz von Jugendlichen
  • Dietrich Oberwittler

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Zusammenfassung

Dieser Beitrag stellt einen Versuch dar, mehrere, üblicherweise getrennte, Perspektiven auf soziale Einflussfaktoren auf Jugenddelinquenz zusammen zu führen: Zusätzlich zur Geschlechterperspektive soll auch die ethnische Dimension thematisiert werden und beide Perspektiven sollen mit einem besonderen Fokus auf die Lebensbedingungen in Wohnquartieren mit hohen Konzentrationen sozialer Benachteiligungen verbunden werden. Was spricht fir die Verquickung dieser unterschiedlichen Aspekte der Delinquenzforschung? Zunächst kann jede der genannten Perspektiven für sich mit relativ gesicherten Erkenntnissen zu den sozialen Korrelaten von Jugenddelinquenz und — gewalt aufwarten. Jungen sind — nicht nur im Hellfeld der Polizeilichen Kriminalstatistik, sondern auch im Dunkelfeld — im Schnitt delinquenter als Mädchen und dies gilt besonders fir physische Gewalt (Moffitt et al. 2001). Gleichfalls ist bekannt, dass Jugendliche bestimmter ethnischer Minderheiten delinquenter sind als deutsche Jugendliche und dies gilt wiederum auch für das Dunkelfeld und besonders für Gewaltdelinquenz (Enzmann/Wetzels 2000; Naplava 2003). Schließlich gehört es seit langem zu den Gewissheiten von Kriminologen, Polizisten und Sozialarbeitern, dass sich Probleme mit Jugenddelinquenz in den so genannten sozialen Brennpunkten innerhalb der Großstädte, in denen viele Arme, Arbeitslose und Ausländer sowie viele kinderreiche Familien wohnen, besonders massieren (Braun et al. 1990; Eisner 1997; Frehsee 1979; Oberwittler, im Druck a, b; von Trotha 1974).