Chapter

Rückenschmerzen und Nackenschmerzen

pp 287-296

Potenzial des analgetischen Placeboeffekts in der Rückenschmerztherapie

  • R. KlingerAffiliated withZentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universität Hamburg
  • , H. FlorAffiliated withInstitut für Neuropsychologie und Klinische Psychologie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

* Final gross prices may vary according to local VAT.

Get Access

Zussamenfassung

Die Forschung zur Placebowirksamkeit gewinnt in den letzten Jahren eine zunehmende klinisch-praktische Bedeutung. Es wird nicht mehr nur von einem allgemeinen, unspezifischen Placeboeffekt ausgegangen, sondern es konnte gezeigt werden, dass es viele, krankheitsspezifische Placeboeffekte gibt. Die Erkenntnisse auf diesem Gebiet, insbesondere auch der verschiedenen zugrundeliegenden Mechanismen, machen den Placeboeffekt zu einem potenziell nachvollziehbaren Prozess, der klinische Therapien, medikamentöse wie auch psychotherapeutische, effektiver gestalten kann. Der analgetische Placeboeffekt nimmt hierbei eine zentrale Position ein, er ist am weitesten erforscht. Die psychologische und neurobiologische Grundlagenforschung zu diesem Thema reicht schon über 30 Jahre zurück. Der analgetische Placeboeffekt wird in der S3-Leitlinie der AWMF zur »Behandlung akuter und perioperativer Schmerzen« zur klinischen Nutzung empfohlen.

Die Empfehlung ist eine bedeutsame Innovation in der Anwendung medikamentöser Schmerztherapie. Diese Perspektive eröffnet auch innovative Wege zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Im folgenden Beitrag werden die Mechanismen und Wirkprinzipien des analgetischen Placeboeffekts auf psychologischer und neurobiologischer Ebene beschrieben. Auf dieser Grundlage wird dargestellt, wie der Placeboeffekt klinisch sinnvoll in der Therapie des akuten und auch chronischen Rückenschmerzes eingesetzt werden kann.